Verkehrsbetriebe üben Kritik

Dortmund: 3G in Bus und Bahn sorgt für Mega-Verärgerung bei DSW21

Bahnhaltestelle in Dortmund
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Wasser in einer Tiefgarage in Dortmund: Ist die Stadtbahn in der Innenstadt schuld?

Am Donnerstag (18. November) beraten Bund und Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Bekämpfung. Mit einem Vorschlag hadert die DSW21 in Dortmund schon jetzt: 3G in Bus und Bahn.

Dortmund – Jetzt sollen die Zügel in Sachen Corona-Bekämpfung noch einmal angezogen werden. Am Donnerstag (18. November) kommen Bund und Länder zusammen und beraten über weitere Maßnahmen – immerhin knacken die Corona-Zahlen immer wieder neue Rekorde. Eine der Ideen, die das Virus stoppen soll, bereitet besonders den Verkehrsbetrieben in Dortmund Kopfzerbrechen.

StadtDortmund
LandNordrhein-Westfalen
Inzidenzwert197,7 (17. November)

Corona-Maßnahme in Bus, Bahn und Zug: Bund-Länder-Gipfel will 3G-Regel beraten

„DSW21 appelliert an die Vernunft der Politik“, schreibt die Verkehrsabteilung der Dortmunder Stadtwerke in einer Mitteilung. Sie sind sich sicher, dass eine Maßnahme nicht durchführbar ist: 3G in Bus und Bahn. Allerdings steht gerade diese Maßnahme in der Beschlussvorlage, die mehreren Medien vorliegt.

So schreibt unter anderem der Focus, dass die geltende Maskenpflicht im Öffentlichen Personennahverkehr und den Zügen des Regional- und Fernverkehrs durch eine 3G-Regel ergänzt werden soll. Grund dafür solle laut Beschlussvorlage das erhöhte Infektionsrisiko in öffentlichen Verkehrsmitteln sein. Außerdem falle es schwer, die Kontaktpersonen einer infizierten Person zu identifizieren. Das bedeutet:

  • Fahrgäste, die nicht geimpft oder genesen sind, müssen einen Nachweis über einen negativen Corona-Schnelltest mit sich führen.
  • Dieser darf nicht älter als 24 Stunden sein.
  • Der Nachweis ist auf Verlangen vorzuzeigen.

Corona in Dortmund: DSW21 sieht „Schein-Sicherheit“ und lehnt 3G-Vorschlag in Bus und Bahn ab

Mit dieser Regel ist die DSW21 in Dortmund, wo bereits die Corona-Maßnahmen verschärft wurden, allerdings so gar nicht einverstanden. „Wir würden es begrüßen, wenn die Politik im Kampf gegen die Corona-Pandemie Maßnahmen beschließt, die wirklich effizient und wirksam sind und andererseits auch kontrolliert werden können“, sagt Guntram Pehlke, Vorstandsvorsitzender des Dortmunder Verkehrsunternehmens.

Zudem befürchtet Pehlke eine „Schein-Sicherheit, die gar nicht kontrollierbar ist“ durch die 3G-Regel. So würde lediglich der Corona-Verdruss gefördert werden (mehr News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24).

Corona-Maßnahmen in Dortmund: 3G-Kontrollen an 2000 Haltestellen laut DSW21 kaum möglich

Für die DSW21 scheint es nicht realistisch, eine 3G-Regel in Dortmunder Bussen und Bahnen umzusetzen. Dr. Heinz Pohlmann, Leiter Betrieb und Marketing bei DSW21, erklärt: „Allein in Dortmund gibt es 2000 Bus- und Stadtbahnhaltestellen. Selbst wenn wir die personellen und finanziellen Ressourcen hätten, um unsere Fahrgäste in der Fläche auf 3G zu kontrollieren, würde das sämtliche Fahrpläne sprengen und letztlich den Linienbetrieb lahmlegen. Im Schüler- und Berufsverkehr bräche Chaos aus.“

Dass diese Regel einen erheblichen Aufwand für die Verkehrsbetriebe darstellen würde, bleibt auch in der Beschlussvorlage von Bund und Ländern nicht unbemerkt. Dort heißt es: „Aus Sicht der Länder stellen sich hinsichtlich der praktischen Umsetzung einer solchen Vorgabe gewichtige Fragen. Es besteht insoweit die Erwartung, dass der Bund organisatorische und finanzielle Unterstützung bei der Implementierung leistet.“

Vor der Zugfahrt noch schnell ein Corona-Test? Das könnte nach dem Corona-Gipfel Realität werden (Symbolbild).

Corona-Gipfel: DSW21 appelliert an Politik 3G zu vergessen und hat einen anderen Vorschlag

Die Kontrolle eines jeden Fahrgastes in Dortmund scheint dennoch für die DSW21 ausgeschlossen. Stichprobenartige Kontrollen – wie bei Fahrscheinen und Masken – seien hingegen denkbar. Doch damit ist Pehlke auch unzufrieden. „Damit erreichen wir aber nur einen Bruchteil unserer Fahrgäste.“ Außerdem weist der Vorstandsvorsitzende darauf hin, dass die DSW21 einer grundsätzlichen Beförderungspflicht unterliegen würde.

Video: Deutsche für härtere Corona-Regeln

In ihrem Schreiben fordert die DSW21 die Politik dazu auf, die Idee von 3G-Kontrollen im ÖPNV zu verwerfen. Zusätzlich machen die Verkehrsbetriebe noch einen Vorschlag: FFP2-Masken in Bus und Bahn. „Das macht Sinn, weil die Fahrgäste mit diesen Masken nicht nur andere, sondern auch sich selbst schützen. Um ehrlich zu sein, haben wir nicht verstanden, warum die Politik für Busse und Bahnen überhaupt auf einfache medizinische Masken zurückgegangen ist“, erklärt Pehlke.

Noch ist allerdings nichts beschlossen. Denn in vergangenen Bund-Länder-Konferenzen wurden die Beschlussvorlagen teils heftig diskutiert und Pläne auch wieder umgeschmissen. Somit ist vorm Ende des Corona-Gipfels noch nichts in Stein gemeißelt.

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