Bringt das "Pure and Smart" kalifornische Lebensfreude nach Dortmund? Darius testet

Die Warm Bowl im Pure and Smart in Dortmund. Foto: Darius Bothe / Foodloaf
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Die Warm Bowl im Pure and Smart in Dortmund. Foto: Darius Bothe / Foodloaf

Dortmund/NRW - Vor kurzem hat das "Pure and Smart" in Dortmund eröffnet. Es verspricht frische, kalifornische Küche. Ob es das auch hält, testet Food-Blogger Darius.

Was bietet Dortmund kulinarisch? Was ist neu, was noch unbekannt? Wir haben den Dortmunder Food-Blogger Darius von Foodloaf gebeten, an dieser Stelle in einer Kolumne neue Restaurants und Futterbuden zu testen. Dieses Mal: Das "Pure and Smart".

  • Vor kurzem hat das "Pure and Smart" in Dortmund eröffnet.
  • Food-Blogger Darius hat das Restaurant für RUHR24 getestet.

Bringt das "Pure and Smart" den Sommer zurück?

Der Sommer ist zwar vorbei, aber das heißt ja nicht, dass man die kalifornische Küche und das „Sommer-feeling“, die Frische und die Leichtigkeit nicht auch jetzt noch genießen kann. Mit dem „Pure and Smart California’s fresh kitchen“ bleibt im Rosental in der City von Dortmund der Sommer in Form von Bowls, Salaten und Sandwiches erhalten. Ich war einen Tag nach der Eröffnung dort und möchte euch hier meine Eindrücke schildern und klären ob es sich lohnt, mal einen Abstecher nach Kalifornien zu machen.

Es sei gesagt: Alles subjektiv. Jeder sollte sich immer selbst ein Bild von neuen Restaurants machen. Geschmäcker sind verschieden – und das ist gut so.

"Pure and Smart": Versteckt hinter der Eisfactory

Das "Pure and Smart" hat im Rosental 11 mitten in der City von Dortmund aufgemacht. Ihr findet den Laden versteckt hinter der Eisfactory Ciro (die sollte jeder kennen). Das Essen dort soll frisch, gesund und natürlich sein. Ohne Farbstoffe, Konservierungsmittel und andere künstliche Zutaten – so deren Aussage.

Man geht also mit dem Trend und will den Gästen den Zeitgeist auf den Teller beziehungsweise in die Schüssel bringen. Das "Pure and Smart" ist kein richtiges Restaurant, sondern eher ein „Imbiss“ würde ich sagen.

Die Einrichtung ist schlicht, aber schön. Auch die Lage des "Pure and Smart" gefällt mir sehr gut. Es ist quasi mitten in der City von Dortmund, aber total ruhig, weil kaum ein Mensch durch diese kleine Straße geht. An der großen Fensterfront kann Platz genommen werden und man kann nach draußen schauen – auch wenn es da nicht viel zu sehen gibt.

Eventuell gibt es ja zukünftige Bräutigame zu sehen, die sich ihren Hochzeitsanzug im „Art of Men“ gegenüber aussuchen. Man könnte sinnieren, was er denn so anziehen würde… weißer Anzug? Frack? Schlichtes Schwarz? Oder wird er am Ende doch versetzt und muss die Hochzeitstorte allein essen? Wer weiß. Man könnte sich aber auch auf sein Essen konzentrieren. Apropos Essen.

Die Speisen und meine Bestellung

Wie erwähnt bekommt ihr im "Pure and Smart" eher „leichte“ Küche. Erwartet also keine deftigen Gerichte aus Kalifornien. Diverse Sandwiches mit Avocado oder Falafel und Salate mit oder ohne Fleisch erwarten euch. Es gibt warme Bowls mit Reis oder Süßkartoffelpüree als Basis und darauf sind diverse Toppings wie Pulled Lachs oder Curry Chicken zu haben. Man kann die jeweiligen Speisen durch Extras auch noch etwas „pimpen“.

Es gibt hausgemachte Smoothies und Limos sowie die üblichen Getränke wie Kaffee, Cola und Co. Kuchen und Gebäck sind je nach Angebot ebenfalls zu bekommen und wechseln wohl regelmäßig. Auch so fancy Zeugs (und meiner Meinung nach völlig überbewertetes) wie „Kurkuma Latte“ darf natürlich nicht fehlen.

So etwas gibt es noch nicht in der City

Davon abgesehen gefällt mir die Auswahl. Ist mal was anderes und solch eine Küche bekommt man nirgends in der City von Dortmund. Umso gespannter war ich auf den Geschmack meiner Bestellung. Dazu muss ich noch erwähnen: Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, dass die Mitarbeiter im "Pure and Smart" noch unsicher waren. Wenn ein neuer Laden aufmacht, muss sich ja alles erst einspielen und es wird noch experimentiert. Doch gibt es gleich, wie ihr noch lesen werdet Kritikpunkte, welche sich mit sowas nicht entschuldigen lassen. Wie etwa karoförmige Eier…

Ich bestellte die warme Bowl mit Pulled (gezupftem) Lachs, Tomatensauce, Reis und Gemüse. Als Extra gabs zwei pochierte Eier. Dazu nahm ich dann noch das klassische Avocado-Sandwich.

Mein Sandwich im "Pure and Smart": eine Enttäuschung

Das Sandwich (4,50 Euro für meine Version) war eine Enttäuschung. Mit Kalifornien verbindet man, oder ich zumindest, natürlich: Avocados. Die sind „hip“ (und schlecht für die Umwelt). Doch wie kann man in einem „california kitchen“-Laden keine frischen Avocados anbieten?

Stattdessen handelt es sich, wie man mir im "Pure and Smart" sagte, um pürierte Avocados aus der Tiefkühlung, die dann zu der Creme verarbeitet werden. Es war ein Hauch von Avocadocreme auf dem Sandwich, welche über die Stunden bereits voll vom Sandwichbrot aufgesogen worden war. Die Sandwiches werden nämlich wohl bereits morgens vorbereitet, ich war um 18 Uhr dort. Das ist natürlich nicht so toll.

Denn nicht nur, dass die eh schon kaum vorhandene Avocadocreme dann aufgesaugt wurde und der Toast sich am Rand bereits wölbte. Auch wurde die Creme bereits braun. Ich finde ein Sandwich, welches auch nicht einmal größer war als zwei Toastscheiben, sollte doch dann wenigstens frisch zubereitet werden beziehungsweise mehrmals am Tag ein Schub, sodass jeder Gast auch „sieht“, dass es frisch ist. Aber das kann man zukünftig noch anpassen – und sollte man.

Leckerer Toast, sonst eher nicht so frisch

Man muss dem traurigen Sandwich allerdings positiv bescheinigen, dass es nach dem Toasten doch zumindest vom Brot her lecker war. Es war ein Bio-Dinkelvollkorntoast welches schön aromatisch, kernig und einfach gut war. Nach dem Toasten merkte man auch kaum, dass es schon seit morgens rumlag.

Am meisten Gespannt war ich natürlich auf die Bowl (12,50 Euro für meine). Ich bin nicht sicher ob es mir leid tun soll, weil sie es nicht anders können/können wollen, oder ob es einfach unprofessionell ist, „pochierte Eier“ (2 Euro extra) in einem Eierkocher zuzubereiten. Das wäre nicht einmal so schlimm, wenn die Eier am Ende nicht in Karo-Form serviert werden würden. Also mal im Ernst…

Trockener Reis, leckere Soße

Der Reis der Bowl hatte nie ein Salzkorn gesehen (vielleicht, weil es so gesünder sein soll) und hätte ein bisschen Butter oder ähnliches vertragen können. Ich fand ihn etwas trocken. Sehr gelungen war hingegen die Tomatensauce mit dem Gemüse. Es war lecker, knackig und frisch und hatte einen schönen Biss. Das Gemüse passte super in so eine Bowl und hatte was von „Leichtigkeit“.

Allerdings, und das ist ebenfalls ein unbestreitbarer Kritikpunkt, war von dem Pulled Lachs kaum was zu merken. Der war unverständlicherweise in der Tomatensauce drin. Warum bietet man Pulled Lachs an und klatscht ihn dann in die Tomatensauce mit Gemüse und verrührt alles? Für mich völlig unverständlich! Schade, da hätte man mehr mit machen können. Gerade Lachs lebt von seinem eigenen Geschmack. Da macht man höchstens eine leichte Sahnesauce drauf, aber ertränkt ihn nicht in einer intensiven Tomatensauce. Sehr schade.

Und sonst?

Sehr positiv hervorheben möchte ich das Personal. Es war sehr freundlich und zuvorkommend. Zwar hat man den Wink mit den alten Sandwiches nicht verstanden, aber davon abgesehen habe ich mich im "Pure and Smart" sehr wohl gefühlt.

Auch die Einrichtung hat mir gut gefallen und das Ambiente an sich. Draußen im Innenhof kann man es zwar noch ein bisschen schöner machen, aber Innen gefällt es mir und die Einrichtung passt zur Thematik des Ladens.

Die Idee hat Potential, aber an den Speisen und/oder Preisen muss man arbeiten. Ich habe 18 Euro bezahlt (ohne Getränk) und hatte nicht das Gefühl, dass es das wert war. Ich bin gespannt wie sich der Laden entwickelt und möchte euch trotzdem empfehlen, das "Pure and Smart" bald mal auszuprobieren. Vielleicht wartet ihr nur noch etwas, bis sich alles eingespielt hat.

Foodloaf

Darius ist Foodblogger und hat einen eigenen Blog namens „Foodloaf“. Foto: Privat

Food-Blogger Darius/FoodLoaf kommt aus Dortmund und schreibt für RUHR24 Restauranttests. Er hat einen YouTube-Kanal mit dem Thema Essen und macht unter anderem auch Produkttests. Auch auf Instagram, Facebook und auf seiner Website treibt er sich rum. Schaut doch sich mal rein: