Blindgänger vermutet

Dortmund: Pläne für Mega-Evakuierung am 15. August geändert – Stadtbahn betroffen

Bombenfund in Dortmund
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In Dortmund wurde wieder eine Bombe gefunden. Sie muss entschärft werden. (Symbolfoto)

Weil mitten in der Dortmunder Innenstadt ein Blindgänger vermutet wird, plant die Stadt Mitte August eine riesige Evakuierung. Nun gibt es aber teilweise Entwarnung.

Dortmund – Am Ende ist es nur noch ein möglicher Blindgänger: Nachdem die Stadt Dortmund bereits bei einem der vier Bomben-Verdachtspunkte am Wall Entwarnung gegeben hatte, hat sich nun der Verdacht auf zwei weitere Bomben ebenfalls nicht erhärtet. Für die Mega-Evakuierung am kommenden Sonntag (15. August) ändern sich nun die Pläne.

Grund für Mega-EvakuierungBomben-Verdachtspunkt
StandortSchwanenwall in Dortmund
Datum und Zeitpunkt der Evakuierung15. August ab 8 Uhr

Mega-Evakuierung in Dortmund am 15. August: Aus vier Blindgänger-Verdachtspunkten wird einer

Ursprünglich wurden am Schwanenwall in der Dortmunder Innenstadt vier Blindgänger vermutet, und zwar hier:

  • Stiftstraße / Schwanenwall
  • Schwanenwall / Geschwister-Scholl-Straße
  • Schwanenwall / Höhe Milchgasse
  • Schwanenwall / Höhe Platz von Novi Sad

Der Verdacht einer Weltkriegsbombe an der Stiftstraße hatte sich bereits in der vergangenen Woche nicht erhärtet, wodurch der Evakuierungsradius erstmals verkleinert wurde. Während der Pressekonferenz der Stadt Dortmund am Dienstag (10. August) kam heraus, dass es nun auch Entwarnung für zwei weitere Verdachtspunkte gibt: Geschwister-Scholl-Straße und Milchgasse. Übrig bleibt der Verdachtspunkt am Platz von Novi Sad. Evakuiert wird in einem Umkreis von 500 Metern um diesen Verdachtspunkt.

Evakuierung in Dortmund: 7.200 Menschen müssen am kommenden Sonntag evakuiert werden

Weil der Evakuierungsradius durch die deutliche Reduzierung der Verdachtspunkte abermals verkleinert wird, müssen nun deutlich weniger Menschen ihre Häuser verlassen. Die Anzahl der Betroffenen reduziert sich von 9.200 auf 7.200. Wäre es bei den ursprünglich vier Verdachtspunkten geblieben, hätte die Stadt Dortmund mehr als 10.000 Menschen evakuieren müssen.

In dem Evakuierungsbereich liegen nicht nur Privatwohnungen, sondern auch Hotels, Gastronomien, die JVA sowie Seniorenheime und Demenz-Wohngruppen. Wie die Stadt Dortmund mitteilt, werden das Seniorenheim am Josefstift sowie eine Demenzgruppe bereits am Samstag (14. August) evakuiert. Die Anzahl der zu betreuenden Personen lasse eine Evakuierung am Sonntag nicht zu, heißt es vonseiten Beate Siekmann, Leiterin des Ordnungsamtes.

Beate Siekmann, Leiterin des Ordnungsamtes, informierte am Dienstag (10. August) in einer Pressekonferenz über die Pläne der Stadt Dortmund zur Evakuierung.

Hunderte Einsatzkräfte sind am 15. August für die Bomben-Evakuierung in Dortmund im Einsatz

Am Sonntag startet die Evakuierung um 8 Uhr morgens. Es würde von innen nach außen evakuiert werden. Sämtliche Bürger sind angehalten, ihre Wohnungen und Häuser sofort zu verlassen, damit es nicht zu Verzögerungen kommt. Abholer sollten beachten, dass sie ab einer gewissen Zeit nicht mehr in den Evakuierungsradius reinkommen. Deshalb sollten frühzeitig Treffpunkte ausgemacht werden.

Insgesamt 170 Mitarbeiter des Ordnungsamtes werden an den Evakuierungsmaßnahmen beteiligt sein. Dazu kommen 70 weitere städtische Mitarbeiter aus anderen Abteilungen. Auch Mitarbeiter des Tiefbauamtes, der Feuerwehr und des Rettungsdienstes sind an der Evakuierung beteiligt.

Die Evakuierung findet in einem Umkreis von 500 Metern um den Verdachtspunkt statt.

Evakuierungsmaßnahmen wegen Bomben-Funden können für Ältere traumatisierend sein

Für alle Personen, die während der Zeit der Evakuierung nicht bei Freunden oder der Familie unterkommen können, richtet die Stadt Dortmund eine Evakuierungsstelle in der Gesamtschule Scharnhorst ein. Diese wurde bereits als Sammelpunkt während der großen Evakuierung in der Dortmunder Innenstadt Anfang Januar 2020 genutzt. Damit die Evakuierten sicher zur Gesamtschule Scharnhorst kommen, richtet die Stadt Shuttle-Busse ein.

Zusätzlich besteht für alle betroffenen Anwohner im Evakuierungsradius die Möglichkeit, den Westfalenpark sowie den Zoo kostenlos zu besuchen. Ein Personalausweis zur Legitimation reiche dabei völlig aus.

„Für alle Beteiligten hoffe ich auf eine schnelle Abwicklung der Maßnahmen (...) gerade für ältere Personen, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben, kann eine solche Evakuierung traumatisierend sein“, sagt Beate Siekmann und fügt hinzu: „Aber ich bin froh, dass wir diese Planung (der Maßnahmen) haben.“

Evakuierung in Dortmund: Diese Dinge sollten Betroffene unbedingt mitnehmen

Noch offen ist, wie es am Sonntag mit dem Fernverkehr aussieht. Laut Siekmann stünde noch nicht fest, ob die Deutsche Bahn ihre Züge während der Evakuierung komplett stoppt oder einfach nur umleitet. Entsprechende Informationen dazu lägen erst ab Donnerstag (12. August) vor. Sicher ist hingegen, dass die Stadtbahnlinien während einer möglichen Entschärfung ihren Betrieb unterbrechen. Außerdem wird bereits vor der Evakuierung ab 6 Uhr in ausgewählten Haushalten das Wasser und Gas abgeschaltet wird.

Betroffene Anwohner sollten am Tag der Evakuierung alle notwendigen Dinge (Geld, Medikamente, etc.) für den Tag einpacken. Vorab ist nicht absehbar, wie lange die Evakuierung und möglicherweise die anschließende Entschärfung der Blindgänger dauern wird.

Was sollten Evakuierte machen, bevor sie ihre Wohnungen in Dortmund verlassen müssen?

Bevor die Wohnung verlassen wird, sollte man die folgenden Dinge unbedingt überprüfen:

  • Sind alle elektrischen Geräte ausgeschaltet?
  • Sind die Wasserhähne zu?
  • Sind alle Haustiere versorgt?
  • Habe ich alle Fenster und Türen geschlossen?

Wer bettlägerig ist oder nicht gut laufen kann und innerhalb des Evaluierungsgebiets wohnt, kann beim Servicecenter der Stadt Dortmund einen Krankentransport organisieren:

  • Servicecenter: 0231/50 133 33
  • Sprechzeiten: Mo. bis Fr., 7 bis 18 Uhr; Sa., 9 bis 18 Uhr

Bomben-Evakuierung in Dortmund hat Auswirkungen auf Stadtbahn-Verkehr der DSW21

Die Evakuierung um den Verdachtspunkt der Bombe in der östlichen Innenstadt hat auch Auswirkungen auf den Verkehr der Stadtbahnen. Nach Angaben der DSW21 wird es „deutliche Einschränkungen“ auf gleich vier Linien geben:

  • A42: Fährt nur zwischen Hombruch und „Stadtgarten“
  • U43: Fährt nur von Wickede bis „Am Zehnthof“
  • U44: Verkehrt nur zwischen Marten und „Kampstraße“
  • U46: Fährt nur von „Stadtgarten“ bis „Westfalenhallen“

Die unterbrochenen Linien zwischen Hauptbahnhof und „Am Zehnthof“ werden laut den Verkehrsbetrieben im 8-Minuten-Takt mit Gelenkbussen verbunden. Diese pendeln um den Evakuierungsradius und fahren vom Hauptbahnhof (Nordausgang/Cinestar) über den Borsigplatz und die „Von-der-Tann-Straße“ zum „Am Zehnthof“.

Einschränkungen im Stadtbahnbereich am Sonntag (15. August).

Blindgänger in Dortmund: Drei Stadtbahn-Haltestellen liegen im Evakuierungsgebiet

Drei Haltestellen der Stadtbahn liegen jedoch direkt im Evakuierungsgebiet. Hier ist ab 8 Uhr nur noch der Ein- und Umstieg in andere Linien möglich, die Stationen können jedoch nicht verlassen werden:

  • Reinoldikirche
  • Ostentor
  • Brügmannplatz

Wer am Hauptbahnhof in die Linien U41, U45, U47 und U49 steigt, der kann wie gewohnt an den Knotenpunkten „Kampstraße“ und „Stadtgarten“ umsteigen. Fahrgäste, die von Ost nach West in oder durch Dortmund reisen, können auch die S4 nutzen.

Auch auf den Buslinien 452 und S30 aus Unna kommt es zu Störungen. Sofern die Bombe vor 0.30 Uhr entschärft ist, verkehren alle Bahnen und Busse wieder entsprechend dem Sonntagsfahrplan, sonst fahren Reserve-Busse.

Alle Änderungen der Stadtbahnen und Busse in Dortmund gibt es auf der Seite der DSW21.

Blindgänger-Funde und Evakuierungen gehören in Dortmund zum Alltag

In Dortmund kommt es immer wieder zu Blindgänger-Funden und Evakuierungen. Das liegt daran, dass die Stadt während des Zweiten Weltkriegs im Vergleich zu anderen Städten in Deutschland stärker von den Alliierten bombardiert wurde. Laut Stadtdirektor Jörg Stüdemann sei 85 Prozent der Dortmunder Stadtfläche Verdachtsfläche für Blindgänger.

In der Regel kommt es in Dortmund pro Jahr zu 25 bis 40 Bombenentschärfungen. In diesem Jahr habe es bereits 35 gegeben. Ein Höchststand, der nicht von ungefähr kommt, erklärt Stüdemann: „In Dortmund gibt es aktuell viele Bauvorhaben, was gut ist. Aber dadurch werden eben häufiger Bomben gefunden.“

Zuletzt wurde in der Dürener Straße in der Dortmunder Nordstadt ein Blindgänger gefunden, der erst mitten in der Nacht entschärft werden konnte. Rund 3000 Anwohner waren von den Evakuierungsmaßnahmen betroffen.