Bundesweiter Vergleich

Warum Dortmund mit seinen Blitzern mehr verdient, als andere Städte

In Dortmund gibt es vergleichsweise wenige Blitzer. Dennoch hat die Stadt 2022 mehr Geld durch solche Bußgelder eingenommen – Verstöße sind sehr teuer.

Dortmund – Einmal nicht auf die Tempo-Anzeige geachtet und zack – schon hat der Blitzer ein für Autofahrerinnen und Autofahrer teures Foto gemacht. Zwar ist die Gefahr, in den größeren Ruhrgebietsstädten geblitzt zu werden, relativ gering. Schließlich stehen im Ruhrgebiet deutlich weniger Blitzer als im Bundesdurchschnitt. Doch wer in Dortmund geblitzt wird, muss besonders tief in die Tasche greifen, berichtet RUHR24.

Dortmund nimmt 2022 mehr Geld durch Blitzer-Bußgelder ein – trotz weniger Blitzer

Laut einer Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) gehört Dortmund zu den wenigen Städten, die ihre Einnahmen aus Blitzer-Bußgeldern im Jahr 2022 erhöht haben. Und das, obwohl in der westfälischen Metropole im Vergleich zu anderen Großstädten nur sehr wenige stationäre und mobile Blitzer auf Autofahrer lauern. Das belegt ein bundesweites Blitzer-Ranking mit den 40 einwohnerreichsten deutschen Städten der Kanzlei Goldenstein Rechtsanwälte.

Laut dem Blitzer-Ranking bedeutet das in Dortmund durchschnittlich etwa 21,6 Blitzer pro Tag und 7,4 Blitzer am Tag je 1000 Hektar Straßenfläche (Platz 27). In anderen Metropolen liege die Zahl deutlich höher.

Blitzer-Bußgelder: Dortmund gehört zu den „Top Ten“ der bestverdienenden deutschen Städte

Auf Nachfrage von RUHR24 gab die Stadt Dortmund an, „über 12 stationäre Blitzer und im Bereich der mobilen Geschwindigkeitsüberwachung über 8 Kameras in 7 Fahrzeugen (ein Doppelblitzer)“ zu verfügen. Allerdings betont die Stadt in ihrer Antwort auch, dass die geahndeten Geschwindigkeitsverstöße nicht ausschließlich von städtischen Blitzern stammen.

Auch die Polizei Dortmund führe regelmäßig Messungen durch. Dass diese ihre Maßnahmen mitunter ankündigt, stieß zuletzt nicht nur auf Gegenliebe.

Stadt Dortmund nimmt im Jahr 2022 fast 6,5 Millionen Euro durch Blitzer-Bußgelder ein

Doch obwohl in der Stadt vergleichsweise wenige Blitzer stehen und Autofahrer dahingehend relativ sicher sind, gehört Dortmund laut dem DAV zu den deutschen „Blitzer-Millionären“. Städtische Blitzeranlagen hätten im Jahr 2022 rund 3.516.000 Euro, die Messungen der Polizei rund 2.957.000 Euro in die Kasse gespült, erklärt die Stadt gegenüber RUHR24.

Dortmund hat 2022 also ca. 6.473.500 Euro aus „Blitzer-Anzeigen“ eingenommen und gehört laut dem DAV damit tatsächlich zu den „Top Ten“ der bestverdienenden Städte. Die Blitzer-Einnahmen liegen demzufolge in Dortmund bei rund 27,75 Euro pro zugelassenem Pkw.

Nur Freiburg im Breisgau (47,38 Euro) sowie Stuttgart (28,07 Euro) sollen laut dem DAV höhere Blitzer-Bußgelder verlangen. Dafür, dass Dortmund insgesamt mehr Geld durch die vergleichsweise wenigen städtischen und polizeilichen Blitzer einnehmen konnte, hat die Stadt auch eine plausible Erklärung parat.

Autofahrer greifen in Dortmund bei Blitzer-Bußgeldern tief in die Tasche – Stadt hat konkrete Vermutung

Es sei zu vermuten, „dass neben dem weiterhin andauernden Fehlverhalten der Fahrzeugführenden der neue Tatbestandskatalog zur StVO ab 11/2021 Auswirkungen“ zeige. Sprich: Wer rast, zahlt mittlerweile deutlich mehr als in den vergangenen Jahren (mehr News aus Dortmund auf RUHR24).

Wer die zugelassene Höchstgeschwindigkeit bis zu 10 km/h überschreitet, zahlt seit Ende 2021 30 Euro anstatt 15 Euro und damit das doppelte, berichtet die Autozeitung. Bei einer Überschreitung von 21 bis 25 km/h droht mittlerweile ein Bußgeld von 115 Euro und ein Punkt in Flensburg, vorher waren es noch 80 Euro sowie der berühmt-berüchtigte Eintrag ins Flensbuger Fahreignungsregister.

Dortmund profitiert vom Fehlverhalten der Autofahrer – und von deutlich höheren Bußgeldern

Anders als Dortmund scheinen sich die deutschen Städte öffentlich ungern mit den Einnahmen aus Raser-Bußgeldern zu brüsten. Der DAV zeigte sich auf die Resonanz seiner Blitzer-Umfrage an insgesamt 150 Städte mehr als enttäuscht.

Nur 34 Fragebögen mit teils unvollständigen Angaben habe man zurückbekommen, sechs Städte hätten „außerdem die übermittelten Daten nicht zur Veröffentlichung freigegeben“, erklärt Dr. Daniela Mielchen, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des DAV.

Die Stadt Dortmund konnte im Jahr 2022 ihre Einnahmen aus Blitzer-Bußgeldern erhöhen.

Städte halten sich zu Blitzer-Einnahmen und deren Verwendung bedeckt – Dortmund gibt knappe Antwort

Die Zurückhaltung bei dem Thema lege dementsprechend die Vermutung nahe, „dass sich viele Städte durch die Blitzer-Einnahmen nur bereichern wollen“, so der DAV. Dortmund entgegnete gegenüber RUHR24 knapp, dass die Gelder „in den allgemeinen städtischen Haushalt mit“ eingingen.

Dazu, dass sich andere Städte bei dem Thema so bedeckt hielten und an Verkehrssündern gegebenenfalls kräftig dazuverdienen wollen könnten, wollte sich die Stadt Dortmund nicht äußern. Völlig aus der Luft gegriffen scheint der Vorwurf jedenfalls nicht zu sein.

Rubriklistenbild: © Daniele Giustolisi/RUHR24

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