Polizei kontrolliert

Raserszene in Dortmund: Tempolimit am Wall wird dauerhaft geändert

Im Kampf gegen die Raser und Poser am Wall senkt die Stadt Dortmund das Tempolimit auf 30 – und setzt auf Blitzer. Neue Zahlen sind derweil alarmierend.

Dortmund – „Zuckeln“ nennt man es in Westfalen, wenn jemand gemächlich und ohne Eile durch die Weltgeschichte fährt. Am Wall in Dortmund wird bald häufiger „gezuckelt“ – zumindest, wenn es nach Stadt und Polizei geht (alle Blaulicht-News aus Dortmund). Die setzt im Kampf gegen die Raser auf dem Stadtring weiter auf ein nächtliches Tempolimit und harte Kontrollen am Wochenende. Kein Wunder, bei den jüngsten Verstößen.

StadtDortmund
Einwohner603.167 (2020)
OberbürgermeisterThomas Westphal (SPD)

Dortmund: Polizei und Stadt kämpfen mit Tempolimit gegen Raser – Blitzer werden umgestellt

Der Kampf gegen Raser und Poser in der Dortmunder City ist für die Behörden nichts anderes als das: ein Kampf. Statt Einsicht bei den Rasern hagelt es Hupkonzerte und röhrende Motoren. Fast kein Wochenende vergeht, an dem die Anwohner am Wall nicht von Lärm aus dem Schlaf gerissen werden. Dabei stehen am Wall bereits Blitzer, die das unterbinden sollen. Und die Bezirksvertretung Innenstadt-West hatte Ende 2020 beschlossen, weitere Blitzer am Wall und „Anlieger frei“-Schilder aufstellen zu wollen.

Dass die Langeweile in der Corona-Krise zu reichlich kuriosem Verhalten führt, ist nichts Neues. In Dortmund wird es jedoch zunehmend gefährlich. Das zeigen auch die neuesten Zahlen, die die Stadt nun veröffentlichte. Einige davon schockieren. Etwa, dass neun Raser mit mehr als 30 Kilometern pro Stunde zu schnell geblitzt wurden.

Dortmund: Tempo 30 am Wochenende gegen Raser am Wall – neue Blitzer-Daten schockieren

Der traurige Spitzenreiter wurde in Dortmund an einem Wochenende im Februar 2021 mit 117 Sachen auf dem Ostwall erwischt. Erlaubt war lediglich Tempo 30 – und es verwundert, dass diese Geschwindigkeit in der Innenstadt überhaupt möglich ist. Dagegen gehen die Behörden mit stationären Blitzern am Wall vor. Hinzu sollen auch künftig weiterhin mobile Geschwindigkeitsmessungen kommen, kündigt die Stadt an.

Interessant an den Zahlen: Die mobilen Blitzer erwischen relativ gesehen deutlich mehr Raser (4,3 Prozent der Messungen sind Verstöße), als die fest installierten Starenkästen (rund 1 Prozent). Kein Wunder, denn bei Autofahrern sprechen sich neue stationäre Blitzgeräte schnell herum. Bei mobilen Blitzern ist das nur sehr kurzfristig möglich.

Blitzer in Dortmund werden langfristig umgestellt: Tempo 30 gegen Raser am Wall

Testweise hatten Stadt und Polizei Dortmund bereits Tempo 30 am Wall eingeführt. Die Geschwindigkeitsbegrenzung galt samstags und sonntags von 21 bis 5 Uhr. Dabei soll es auch weiterhin bleiben. Das ist zunächst einmal eine gute Nachricht für die Anwohner. Doch das Problem der Treffen und dem damit einhergehenden Lärm ist damit noch nicht behoben.

Hier setzen Polizei und Ordnungsamt weiter auf harte, ausdauernde Kontrollen, um die Raser-Szene aus Dortmund zu vertreiben. Das kündigte Ralf Ziegler, Leiter der Verkehrsdirektion bei der Polizei Dortmund, auch bei der Vorstellung der Unfallstatistik am Mittwoch (10. März) erneut an:

„Wir werden das nicht tolerieren, wir haben den längeren Atem. Ich verstehe, dass junge Menschen nach Alternativen suchen. Aber diese Alternative werden wir massiv unterbinden.“ Das gelte auch, wenn sich das Problem an andere Orte wie den Phoenix See verlagere.

Raser und Poser am Wall in Dortmund: Stadt will „Szene dauerhaft auflösen“

Auch von der Stadt gilt weiter die klare Kante: „Unser Ziel ist es, die Szene in Dortmund dauerhaft aufzulösen“, wird Ordnungsdezernent Norbert Dahmen (CDU) in einer Mitteilung der Stadt zitiert. Tödliche Unfälle gab es auf dem Wall in Dortmund bislang nicht. Stadt und Polizei wollen, dass das auch so bleibt.

Der Dortmunder Oberbürgermeister Thomas Westphal (links) und Polizeipräsident Gregor Lange kämpfen mit harten Mitteln gegen die Raser-Szene in der City.

Das Problem der Raser und Poser ist nicht auf Dortmund beschränkt. Mit einem langen Atem und diversen Maßnahmen hat eine andere Stadt im Ruhrgebiet die Szene in den Griff bekommen. Das zeigt: Gänzlich unmöglich ist es nicht, diesen Kampf zu gewinnen.

Rubriklistenbild: © Polizei Dortmund

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