Baum stürzt in Dortmund auf Autos: Das müssen Anwohner jetzt wissen

Khezr Shariat-Zadeh klebt die Folie an einem beschädigten Auto vor seinem Haus ab. Ein Baum war in der Liebigstraße in Dortmund auf Autos gestürzt. Foto: Florian Forth/RUHR24
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Khezr Shariat-Zadeh klebt die Folie an einem beschädigten Auto vor seinem Haus ab. Ein Baum war in der Liebigstraße in Dortmund auf Autos gestürzt. Foto: Florian Forth/RUHR24

Dortmund/NRW - Ein Baum hat in Dortmund sieben Autos unter sich begraben. Wie konnte das passieren? Und wer bezahlt den Schaden? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Am Wochenende hat in Dortmund ein abgebrochener Baum sieben Autos unter sich begraben. Wie konnte das passieren? Und wer bezahlt den Schaden? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

  • Im Kreuzviertel in Dortmund ist am Wochenende ein Baum auf mehrere Autos gestürzt.
  • Für die Stadtmitarbeiter sind solche verdeckten Schäden nur schwer zu sehen.
  • Wer die Kosten der Anwohner zahlt, ist unklar.

Dortmund: Abgebrochener Baum begräbt Autos unter sich

Mit Paketband klebt Khezr Shariat-Zadeh blaue Folie über den zerstörten Kleinwagen vor seinem Haus. Gestern (13. Oktober) war ein rund 20 Meter hoher Ahorn in vier Metern Höhe abgebrochen und auf geparkte Autos gestürzt. Ein Mensch wurde verletzt.

Auch das Auto der Schwiegereltern seines Sohnes ist dabei zerstört worden. "Ich bin mit dem Baum groß geworden", sagt seine Frau Ute. Jetzt ragt vor ihrem Haus nur noch dessen Stumpf empor.

Daneben steht Dirk Gast. Er ist einer von zwölf Baumprüfern der Stadt Dortmund und für die westliche Innenstadt zuständig. In der Hand hält er den Übeltäter: Den Fruchtkörper eines weißen Lackporlings. Dieser Pilz befällt Bäume, wächst darin über Jahre und nagt so unbemerkt an deren Standfestigkeit.

Baumprüfer: "Wir können nicht reingucken"

Das macht den Job der Baumprüfer schwer: "Wir können nicht in den Baum reingucken", sagt Gast. Wenn der vom Klimawandel begünstigte Pilz von außen zu sehen ist, sei es bereits zu spät. Dann muss der Straßenbaum gefällt werden.

Bei dem Ahorn in der Liebigstraße war das anders. "Von außen sah der Baum gesund aus", sagt Lars Terme, Leiter der Baumkontrolle beim Tiefbauamt der Stadt. Dennoch brach er am Sonntag ab und stürzte auf die Straße. Durch viele Seitentriebe am Stamm war der Pilz nur schwer zu erkennen. Und nicht jeder Baum steht ständig unter Beobachtung.

Viele Anwohner in Dortmund sorgen sich nun und fragen sich, ob auch in ihrer Straße Bäume umstürzen können. Wir beantworten deshalb die wichtigsten Fragen.

Wie häufig werden Bäume in Dortmund kontrolliert?

Zwischen ein und vier Mal im Jahr. Auch der Ahorn in der Liebigstraße war vorher nicht auffällig und wurde deshalb selten kontrolliert. Auffällige Bäume kommen in ein Kataster und werden dann öfter überprüft. Wann dieser Baum zuletzt gecheckt wurde, konnte Terme nicht sagen.

Wie viele Kontrolleure gibt es in Dortmund - und wie viele Bäume?

In Dortmund gibt es insgesamt zwölf Baumkontrolleure - einen pro Stadtbezirk. Damit muss jeder Mitarbeiter zwischen 8.000 und 10.000 Bäume im Auge behalten.

Alle Bäume in Dortmund findet ihr im Baumkataster.

Wie läuft so eine Kontrolle ab?

"Es ist eine rein visuelle Kontrolle", sagt Baumprüfer Dirk Gast. Er schaut sich den Stamm, die Wurzeln und die Krone des Baumes an. So kann er die Vitalität einschätzen und abgestorbenes Holz erkennen.

Ist ein Baum befallen, Kontrollieren die Mitarbeiter auch die Nachbarbäume. Diese müssen aber nicht zwangsläufig auch mit demselben Pilz befallen sein. Teilweise werden auch Gutachten eingeholt.

Wer bezahlt den Anwohnern den Schaden an den Autos?

Das kommt darauf an. Das Rechtsamt der Stadt prüft jeden Vorfall. Doch nur wenn nachgewiesen werden kann, dass die Stadt grob fahrlässig gehandelt hat, muss sie den Schaden erstatten.

Und auch die Autoversicherungen übernehmen die Schäden nicht immer. Abgebrochene Äste etwa gelten laut Stiftung Warentest erst ab Windstärke acht als Sturmschäden. Darunter werden Schäden häufig nicht übernommen.

Lassen sich solche Vorfälle vermeiden?

Trotz regelmäßiger Kontrollen lässt sich nicht vermeiden, dass hin und wieder ein Baum umstürzt. Laut Bezirksleiter Terme gehört das zum Lebensrisko in einer Stadt mit Bäumen. Denn die Alternative wäre noch bitterer: Gar keine Bäume entlang der Straßen in Dortmund.