IG Bau schlägt Alarm

Fast 5.000 Bauarbeitern in Dortmund droht "Kamikaze-Kurs“: Kommt der Mindestlohn von unter zehn Euro?

Bauarbeitern in Dortmund droht der Niedriglohn
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Bauarbeitern in Dortmund droht der Niedriglohn

Die knapp 5.000 Bauarbeiter in Dortmund, die keinen Tariflohn bekommen, müssen demnächst vielleicht sogar um ihren Branchen-Mindestlohn bangen. Die IG Bau schlägt Alarm.

  • Im Baugewerbe bildet der gesetzliche Mindestlohn von knapp zehn Euro die unterste Verdienstgrenze.
  • Der Basis-Tariflohn liegt derzeit hingegen bei knapp über 20 Euro.
  • Die IG Bau will eine krasse Kluft in der Baubranche verhindern und schlägt Alarm.

Dortmund - Häuserbauen für 9,35 Euro pro Stunde? Das kommt für die IG Bau (Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt) keinesfalls infrage. Doch dem Baugewerbe in Dortmund droht der Niedriglohn - das will die Gewerkschaft für die rund 4.900 Bauarbeiter in Dortmund verhindern. In einer Pressemitteilung ruft die IG Bau die Bauindustrie und das Bauhandwerk deshalb dringend dazu auf, schnell zu reagieren.

Fast 5.000 Bauarbeiter in Dortmund bangen um Branchen-Mindestlohn

Zum Hintergrund: Bauarbeiter, die die gleiche Arbeit verrichten, könnten dafür zwei völlig unterschiedliche Löhne bekommen. Gut zehn Euro könnten die Verdienste pro Stunde auf den Baustellen in Dortmund bald auseinandergehen. Denn Bauarbeiter, die keinen Tariflohn bekommen, müssen jetzt sogar um ihren Branchen-Mindestlohn bangen. Und ein Großteil der fast 5.000 Bauarbeiter in Dortmund könnte davon betroffen sein.

Es gibt jedoch einen Weg, das zu verhindern. "Bauhandwerk und Bauindustrie müssen jetzt das tun, was die IG BAU schon gemacht hat: Die Arbeitgeber müssen nämlich einem Schlichterspruch und damit neuen Bau-Mindestlöhnen zustimmen", sagt IG BAU-Bezirksvorsitzende Gabriele Henter. Passiere das nicht, droht dem Bau in Dortmund schlimmstenfalls der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde als unterste Verdienstgrenze.

Dortmund: Branchen-Mindestlöhne könnten ab April steigen

Der Schlichterspruch sieht vor, dass die Branchen-Mindestlöhne auf dem Bau ab April steigen – und zwar auf 12,55 Euro für Hilfsarbeiten (Mindestlohn 1) und auf 15,40 Euro für Facharbeiten (Mindestlohn 2). "Diese Bau-Mindestlöhne sind die Lohn-Stoppschilder nach unten. Und genau die braucht der Bau ganz dringend", so Henter weiter.

Sollten Arbeitgeber die neuen Mindestlöhne nicht akzeptieren, könnte das ein Lockruf an alle Billig-Firmen aus dem In- und Ausland sein, sich als Dumping-Konkurrenz auf den Markt zu drängen. Deshalb warnt die Vorsitzende der IG BAU Bochum-Dortmund die heimischen Bauunternehmen davor, sich auf einen "Kamikaze-Kurs“ einzulassen.

Dortmund: IG Bau ruft Arbeitgeber zum Handeln auf

Wenn die Arbeitgeber diesen Kurs abwenden wollen, sollten sie bis zum 17. Januar (Freitag) grünes Licht für höhere Mindestlöhne auf dem Bau geben. Der IG Bau liegt viel daran, dass sich der Bau in Dortmund nicht zur Niedriglohn-Branche entwickelt. "Gerade jungen Menschen müsse das Signal gegeben werden, dass der Bau eine boomende Branche mit Zukunft sei, in der man was Tolles schaffen, den Erfolg seiner Arbeit sehen und gutes Geld verdienen könne", heißt es von der Gewerkschaft. 

Mit dem Tariflohn sei die "Lohnlatte" fair gelegt. Der Basis-Tariflohn für einen erfahrenen Maurer, Zimmerer oder Straßenbauer in Dortmund liege derzeit bei 20,63 Euro. Mit einem Mindestlohn von nur 9,35 Euro entstehe dann die krasse Kluft von über zehn Euro. Bei Unternehmen, die für fairen Wettbewerb und Qualität stehen, könnte das außerdem einen "regelrechten Preiskampf" auslösen.

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