Mitten in der City

Archäologischer Fund in Dortmund begeistert Forscher - es gibt schon eine Vermutung 

Die Skelette in Dortmund waren in gutem Zustand.
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Die Skelette in Dortmund waren in gutem Zustand.

Bauarbeiter haben in der City von Dortmund einen archäologischen Fund gemacht. Forscher sind begeistert und haben eine Vermutung.

  • In Dortmund sind bei Bauarbeiten Knochen gefunden worden.
  • Sie lagen in der Innenstadt nur einen halben Meter unter der Erde.
  • Archäologen haben bereits einen Verdacht, wer dort begraben worden sein könnte.

Dortmund – Ohne es zu bemerken, läuft man in Dortmund immer wieder über historischen Boden. Einen bemerkenswerten Fund haben Archäologen nun in einer Seitenstraße des Westenhellwegs gemacht: uralte Knochen.

Kirche

Propsteikirche St. Johannes Baptist

Erbaut

ab 1330

Adresse

Schwarze-Brüder-Straße 7, 44137 Dortmund

Dortmund: Knochen entdeckt - Archäologen rätseln über Alter und Herkunft

Nur etwa einen halben Meter unter der Oberfläche der heutigen Schwarze-Brüder-Straße lagen die Knochen vergraben. Arbeiter der DEW21 hatten sie an der dortigen Propsteikirche entdeckt, als sie kürzlich am Fernwärmenetz arbeiteten.

Wie so oft, wenn sich Gegenwart und Vergangenheit treffen, ist erstmal gar nichts klar. Deshalb wurden die Archäologen der Firma LQ hinzugerufen, um sich die Überreste genauer anzuschauen.

Dortmund: 19 Skelette bei Ausgrabung in der Innenstadt gefunden

Doch statt dort einzelne Zähne oder ein paar zerdrückte Schädel zu finden - wie zuerst gemeldet - entdeckten die Spezialisten in Dortmund (alle Artikel im Ressort auf RUHR24.de) weit mehr. Schließlich legten sie 19 menschliche Skelette frei. Sie waren alle in überraschend gutem Zustand, wurden also seit ihrer Bestattung nicht umgebettet oder durch Bauarbeiten gestört - bis heute.

Die Skelette in Dortmund waren in gutem Zustand.

Die Archäologen, die zuletzt auch am Ostwall auf Relikte aus dem Mittelalter gestoßen sind, nehmen an, dass es sich dabei um ein Grab handelt, möglicherweise aus dem Mittelalter. Das wiederum ist keine große Überraschung, berichtet die Denkmalbehörde: Menschen werden bereits an Kirchen bestattet, seit Karl der Große (747 bis 814) das Christentum forciert hatte.

Plätze um Kirchen waren früher häufig Friedhöfe - auch in Dortmund

Heute würden die Plätze um die Kirchen in Dortmund kaum noch als das wahrgenommen, was sie eigentlich mal waren, berichtet die Denkmalbehörde: als Friedhöfe. Auch der gleichnamige Platz vor der Reinoldikirche weist heute noch darauf hin.

Ähnlich wie dort wurden offenbar auch die Toten an der Propsteikirche nicht nur nebeneinander begraben: "Stattdessen konnten die Experten zahlreiche Überschneidungen unter den Grablegen feststellen. Ein Beleg für den sehr begrenzten Bestattungsraum innerhalb des geweihten Areals", berichtet das Denkmalamt. Ein 3D-Modell der Ausgrabung (PDF) zeigt das sehr schön.

Erst 1811 bekam Dortmund seinen ersten städtischen Friedhof außerhalb der Stadtmauern – auch aus hygienischen Gründen.

Dortmund: Skelette könnten Mönche oder wohlhabende Bürger gewesen sein

Doch wer liegt da nun begraben, mitten in Dortmund, nur einen halben Meter unter der Erde? Denkbar wären, dass es Mönche des Bettlerordens gewesen sind. "In diesem Fall wären die Verstorbenen wahrscheinlich keine Dortmunder gewesen, sondern stammten ursprünglich aus der Ferne", berichtet die Stadt Dortmund

Mönchen des Dominikanerordens war es erstmals 1330 gelungen, eine kleine Kapelle in Dortmund zu errichten. Zuvor hatte man sie gleich mehrfach aus der Stadt gejagt.

In der Schwarze-Brüder-Straße in Dortmund wurde das Grab gefunden.

Erst zeitgleich mit der Gründung des Ordens sei es vielerorts erlaubt gewesen, Menschen auf dem Klostergelände zu begraben, die nicht zum Kloster gehörten. Zudem füllte das Geld aus den Bestattungen die Klosterkasse. "Vor diesem Hintergrund darf daher auch spekuliert werden, ob es sich bei den Toten aus der Schwarzen-Brüder-Straße um wohlhabende Bürger Dortmunds oder Mitglieder einer dem Kloster nahestehenden Gilde handelt."

Dortmund: Archäologen untersuchen Knochen aus dem Grab an der Propsteikirche

Wer dort nun begraben wurde, das wüssten auch die Archäologen gerne. Deshalb wollen sie die Knochen jetzt mit modernen Mitteln untersuchen. Mit der sogenannten Radiokohlenstoffdatierung kann etwa das Alter der Knochen genau bestimmt werden. Sie soll klären, ob die Verstorbenen im 14., 15. oder 17. Jahrhundert gelebt haben.

Auch die Zähne können weiteren Aufschluss geben, wer vor Hunderten Jahren in Dortmund begraben wurde. Mit einer Strontium-Analyse wollen die Archäologen feststellen, was die Menschen damals gegessen haben und woher sie stammten. Das Element über die Nahrung aufgenommen und dann in Knochen und Zähnen eingelagert. Vielleicht finden die Experten so auch heraus, woran die Menschen gestorben sind, die dort vergraben liegen.

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