Textile Entsorgung wird schwieriger

Dortmund: Altkleidercontainer werden für immer abgebaut – Bürger vor großem Problem

Frau wirft alte Kleidung in einen Altkleidercontainer
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Bis Ende März 2021 will die Entsorgung Dortmund (EDG) sämtliche Altkleidercontainer im Stadtgebiet abbauen. Das Loswerden von ausrangierten Klamotten wird schwieriger.

Dortmund – Illegale Müllentsorgungen und zu viele billige Textilien haben der Altkleidersammlung in Dortmund das Genick gebrochen. Bis Ende März dieses Jahres will die Entsorgung Dortmund (EDG) alle Altkleidercontainer im Stadtgebiet abbauen und teilweise zu Papiercontainern umfunktionieren. Für die Bürger bleibt die Frage, wo sie ihre alten Klamotten danach hinbringen können. Ein paar Alternativen gibt es.

Stadt Dortmund
Einwohner603.609 (Stand 31. Dezember 2019)
OberbürgermeisterThomas Westphal (SPD)

Dortmund: Altkleidercontainer werden aus zwei Gründen abgebaut

Bereits im Spätsommer 2020 kündigte die EDG an, die Anzahl ihrer Altkleidercontainer deutlich reduzieren zu wollen. Zunächst war von 45 Stück die Rede, doch der Plan wurde schnell über Bord geworfen. Anstatt nach und nach nur ein paar Container abzubauen, sollen in den kommenden Wochen sämtliche Altkleider-Sammlungen von der Dortmunder Bildfläche verschwinden.

Die Gründe für den radikalen Abbau: Immer wieder seien die Altkleidercontainer in den vergangenen Jahren als illegale Mülldeponien missbraucht worden, teilt die EDG auf Facebook mit. Alles, was nicht mehr in den Hausmüll gepasst habe, soll später seinen Weg in die Kleidersammlung gefunden haben. Sogar Abfall und Elektroschrott hätten sie schon zwischen den Textilien gefunden.

Ein anderer Grund für den Container-Abbau sei die Modeindustrie, genauer gesagt: die Hersteller von sogenannter „Fast Fashion“. Ein Geschäftsmodell des Textilhandels, bei dem in kürzester Zeit immer wieder neue Modekollektionen in den Läden landen. Die Folge: Kleidung wird deutlich kürzer getragen und landet schneller im Müll oder in den Altkleidercontainern der Städte. Problematisch ist dabei aber nicht vorrangig die Menge der Kleidungsstücke, sondern deren Qualität.

Dortmund: Kleidung aus den Altkleidercontainern kann nicht recycelt werden

Zum Teil sind die Stücke so minderwertig, dass sie nicht mal mehr zu Putzlappen weiter verarbeitet werden können. Letztendlich müssen sie zu hohen Kosten verbrannt werden. Eine Vorgehensweise, die sich die EDG nicht länger leisten möchte. „Es macht keinen Sinn mehr, der Markt ist zusammengebrochen. Wir halten keine Infrastruktur für eine Sammlung aufrecht, die kaum noch Chancen auf Verwertung hat, so EDG-Sprecher Matthias Kienitz gegenüber den Ruhr Nachrichten (Bezahlinhalt).

Die abgebauten Altkleidercontainer sollen künftig zum Teil als Sammelstellen für Papier und Pappe umfunktioniert werden, um die Zunahme an Kartons aufzufangen. Aktuell laufen die Papiercontainer in Dortmund immer wieder über, weil die ganze Pappe nicht mehr in die blaue Tonne passt oder die Kartons unzerkleinert entsorgt werden.

Video: Deutsches Rote Kreuz – Altkleider-Container am Rande des Kollaps

Dortmund: Altkleidercontainer werden abgebaut – gibt es Alternativen?

Knapp 2300 Tonnen Kleidung sind 2020 in 424 Dortmunder Altkleidercontainern gelandet. Das entspricht ungefähr vier Kilo pro Person. Nicht gerade wenig. Und doch müssen sich die Bürger nun etwas anderes einfallen lassen, um ihre alten Klamotten loszuwerden. Nur wie?

Gut erhaltene und qualitativ hochwertige Kleidung kann in den Sozialkaufhäusern in Dortmund abgegeben werden. Dort werden sie aufbereitet und anschließend landen sie zu fairen Preisen im Verkauf. Andere Kleidungsstücke, die möglicherweise kaputt sind oder keiner guten Qualität entsprechen, können auf den sechs Recyclinghöfen abgegeben werden. Dort werden sie gesammelt und später an die Müllverbrennung geschickt.

Dortmund: Wohlfahrtsverbände und Obdachlosen-Hilfe nehmen alte Kleidung an

Auch karitative Verbände wie die Caritas nehmen weiterhin Kleiderspenden an, trotz Corona-Pandemie. Allerdings kann es zwischendurch zu Annahmestopps kommen. Wer sich unsicher ist, sollte vorher anrufen und nachfragen. So spart man sich unnötige Wege.

Wer gut erhaltene und vor allem robuste Männerkleidung oder sogar Schlafsäcke zu Hause hat, kann diese an die Wohnungslosen-Initiative „Gast-Haus“ spenden. Sie befindet sich an der Rheinischen Straße 22, unmittelbar von der Dortmunder Innenstadt. Aber Achtung: Aufgrund von Corona sind Sachspenden aktuell nicht möglich.

Die Entsorgung von Müll in der Natur, sei es normaler Abfall oder Kleidung, ist übrigens illegal und wird in Deutschland mit hohen Bußgeldern bestraft.