Nach Machtübernahme der Taliban

Dortmund will Flüchtlinge aus Afghanistan aufnehmen – das sind die Pläne

Von Malin Schneider-Pluppins

Die Lage in Afghanistan bleibt dramatisch. Tausende Menschen versuchen weiter aus Kabul zu fliehen. In Dortmund sollen einige von ihnen aufgenommen werden.

Dortmund – Nach der Machtübernahme der Taliban bleibt die Lage in Afghanistan weiter extrem unübersichtlich und gefährlich. Tausende, darunter auch viele afghanische Ortskräfte die die Bundeswehr jahrelang unterstützten, versuchen weiterhin das Land zu verlassen und in die Maschinen zu gelangen, mit denen aktuell Evakuierungsflüge organisiert werden. Neben vielen anderen Städten in Deutschland und NRW bereitet sich nun auch Dortmund darauf vor, Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen.

LandAfghanistan
Was ist passiert?Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban
Wann? August 2021

Dortmund: Stadt will Flüchtlinge aus Afghanistan aufnehmen

Bereits im Mai 2019 erklärte der Rat der Stadt Dortmund die Stadt zum „sicheren Hafen für geflüchtete Menschen“. Das Bündnis besteht aus 267 Städten. Alle Kommunen und Städte, die sich wie Dortmund dem Bündnis angeschlossen haben, haben sich dazu bereit erklärt, mehr Flüchtlinge aufzunehmen, als sie es nach Vorgabe des Bundes müssen.

Wie Radio 91.2 berichtet, habe der OB von Potsdam, der Koordinierungsstelle für die Aufnahme der Flüchtlinge, einen Brief an Innenminister Seehofer geschrieben. Dem Brief habe sich auch Dortmund angeschlossen. Vonseiten der Koordinierungsstelle wurden nun alle beteiligten Städte aufgefordert, ihre Aufnahmekapazitäten zu überprüfen und der jeweiligen Landesregierung zu melden.

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Derweil wächst die Verzweiflung jener Menschen, die in Kabul versuchen, einen Platz in einem Evakuierungsflug zu erhalten. Problematisch ist dabei bereits, den Flughafen in Kabul zu erreichen. Wie die ARD berichtet, sei am Freitag (20. August) ein Deutscher auf dem Weg zum Flughafen durch Schüsse verletzt worden. Auch er sollte bald ausgeflogen werden.

Dortmund bietet Flüchtlingen einen „sicheren Hafen“

In NRW bereitet man sich unterdessen darauf vor, geflüchtete Ortskräfte und afghanische Bundeswehr-Helfer aufzunehmen. Angesicht der Lage soll die Aufnahme schnell und unbürokratische erfolgen. 1.800 Menschen wurden bereits aus Afghanistan ausgeflogen. Schätzungen zufolge warten jedoch noch rund 10.000 Menschen darauf, ausgeflogen zu werden. Denn nicht nur die Ortskräfte, auch deren Angehörige sind in Afghanistan nicht länger sicher.

Wie viele der Menschen Zuflucht in Dortmund finden werden, ist noch nicht bekannt. Ein Stadtsprecher bestätigte gegenüber Radio 91.2 aber bereits, dass Dortmund von den Taliban bedrohte und verfolgte Menschen auf Afghanistan aufnehmen will und wird.

Dramatische Lage in Afghanistan: In Dortmund sollen Menschen Zuflucht finden

Schwer bewaffnete Taliban-Kämpfer patrouillieren nach ihrer Machtübernahme durch Kabul (Symbolbild).

NRW-Integrationsminister Joachim Stamp erklärte gegenüber der Rheinischen Post, dass es angesichts der dramatischen Lage in Afghanistan jetzt nicht darum ginge, zu diskutieren, welche Bundesländer wie viele Menschen aufnehmen, sondern, „die Menschen, die uns vor Ort geholfen haben aufzunehmen“.

Die Verteilung der geflohenen Menschen übernimmt zunächst das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, im weiteren Verlauf übernehmen die jeweiligen Bundesländer die Verteilung. In Dortmund leben aktuell bereits 178 Menschen aus Afghanistan. Das sind rund 6 Prozent aller Asylsuchenden Menschen, die insgesamt in Dortmund untergebracht wurden.

Demonstranten in Dortmund fordern Luftbrücke, um Menschen aus Afghanistan in Sicherheit zu bringen

Im Vorfeld der Ankündigung, Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen, hatten sich bereits am Montagabend (16. August) rund 80 Menschen in Dortmund zu einer spontanen Demo versammelt. Sie forderten unter anderem, dass eine Luftbrücke eingerichtet werden soll, über die auch Nicht-Deutsche aus Afghanistan nach Deutschland geholt und in Sicherheit gebracht werden sollten.

Wie die Ruhr Nachrichten berichteten, kritisierten die Demonstranten vor allem die Warnung Armin Laschets, dass sich „2015 nicht wiederholen“ dürfe. Der CDU-Kanzlerkandidat hatte damit auf die große Flüchtlingskrise von vor sechs Jahren angespielt.

Besonders für Frauen, Helfer der Regierung oder Ortskräfte, die westliche Hilfsorganisationen in der Vergangenheit unterstützten, ist die Lage in Afghanistan gefährlich. Sie müssen Vergeltungsaktionen der Taliban fürchten. Einem UN-Bericht zufolge, seien die militant-islamistischen Taliban gezielt auf der Suche nach vermeintlichen Kollaborateuren, berichtet die Welt.