Religiöse Proteste

Neue Abtreibungsklinik in Dortmund: Radikale Kritiker befürchten 4. Weltkrieg

Eine neue Abtreibungsklinik entsteht in Dortmund-Körne. „Religiöse Fanatiker“ vergleichen Schwangerschaftsabbruch mit Judenvernichtung.

Dortmund – Die Eröffnung einer neuen Praxisklinik in Dortmund-Körne, in der auch Schwangerschaftsabbrüche möglich sind, sorgt für ordentlich Aufruhr. Während die Grünen sich über diese „gute Nachricht‘‘ freuen, treffen sich Kritiker zu abstoßenden Protesten vor der Klinik. Diese bezeichnen sie als „Körne-Babycaust-Center“.

Absurde Proteste vor Abtreibungsklinik in Dortmund: Radikale wollen 4. Weltkrieg verhindern

Laut den Protestierenden sei nicht nur das Menschenrecht auf Leben eingeschränkt. Sie befürchten auch noch den Beginn des 4. Weltkrieg, wie sie DerWesten mitteilten. Der 3. Weltkrieg tobe demnach bereits – gegen ungeborenes Leben.

Aufgerufen wurde zu dem Protest am Sonntag (27. November) über die internationale katholische Plattform „Gloria.tv“. Laut der freien Journalistin Sophie Schädel sollen sich daraufhin bis zu 60 Abtreibungsgegner vor der Klinik in Dortmund versammelt haben.

Fassungslos: Grüne in Dortmund reagieren auf Äußerungen „religiöser Fanatiker“

Jetzt gibt es Gegenwind aus der Lokalpolitik: „Wenn nun verblendete religiöse Fanatiker*innen gegen die neue Klinik demonstrieren und Schwangerschaftsabbrüche mit dem Holocaust vergleichen, dann ist das nicht nur ekelhaft gegenüber den betroffenen Personen. Es verhöhnt auch die Opfer des Holocausts‘‘, ssagt Jenny Brunner, Ratsmitglied der Grünen, am Montag (28. November).

Deren Ziel sei es schließlich „eine gute medizinische Versorgung für einen Schwangerschaftsabbruch in Dortmund‘‘ zu gewährleisten. Deshalb stehen sie auch „solidarisch an der Seite der neuen Klinik‘‘ (mehr News aus Dortmund bei RUHR24).

Abtreibung in Dortmund bisher kaum möglich – Grünen kritisierten schlechte Versorgung

Nur drei Ärzte in Dortmund führen aktuell Schwangerschaftsabbrüche durch. Dass das zu wenig ist, sehen auch die Grünen so. „Denn je weniger Möglichkeiten es gibt, desto länger werden die Wartezeiten. Das verschärft die ohnehin schon schwierige Situation, in der sich Schwangere mit ihrer Entscheidung für einen Abbruch befinden‘‘, erklärt Jenny Brunner weiter.

Paragraf 219a wurde von der Bundesregierung in diesem Jahr abgeschafft.

Aufhebung des Werbeverbots für Abtreibungen: Umschwung in der Gesellschaft

Schwangerschaftsabbrüche als „Tabu-Thema‘‘ zu behandeln, ist nicht mehr zeitgemäß. Das sah auch die Bundesregierung so und schaffte daher im Juli dieses Jahres noch den Paragrafen 219a ab. Dieser beinhaltete ein Werbeverbot für Abtreibungen.

Bundesfrauenministerin Lisa Paus (Grüne) betonte im Juni in der Debatte im Bundestag, dass durch die Entscheidung die Selbstbestimmung der Frauen in Deutschland gestärkt würde. Es sei „ein guter Tag für die Frauen“ im Land. Doch wie der Protest in Dortmund zeigt, ist dieser Umschwung im Denken noch nicht bei allen angekommen.

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