Kaum zu glauben, aber wahr. Jedes Jahr werden mehrere hundert Gefangene vor Weihnachten aus dem Gefängnis entlassen. Für die sogenannte Weihnachtsamnestie (Straferlass) gibt es strenge Regeln.

Dortmund – Bislang wurden 710 Gefangene entlassen. „Die Zahlen werden aber durchaus noch steigen“, sagt Detlef Feige, Pressesprecher des Justizministeriums NRW. Die Weihnachtsamnestie ist nichts Neues. In den vergangenen Jahren waren es im Schnitt 800 bis 900 Personen, die Weihnachten zu Hause feiern durften. Seit 1983 gibt es den „Brauch“ der vorzeitigen Entlassungen schon.

Der Grund ist leicht erklärt. Deutschland ist ein christlich geprägter Staat und deshalb werden hier Gefangene, die sowieso kurz vor der Entlassung stehen, in der Weihnachtszeit frei gelassen. „Damit soll den Gefangenen das Feiern im Kreise ihrer Familien ermöglicht werden“, so Feige. Die Bundesländer entscheiden selbst, ob sie beim Straferlass mitmachen oder nicht.

Voraussetzungen für den Straferlass

Aber keine Sorge, wer noch zehn Jahre abzusitzen hat, wird garantiert nicht aus dem Gefängnis entlassen. Nur Personen, die sowieso zwischen Anfang November und dem 6. Januar 2017 in die Freiheit kommen, können auf die Amnestie hoffen.

Der Straferlass wird übrigens nicht von allen Gefangenen angenommen. Manche wollen lieber im Gefängnis bleiben, weil sie sich dort sicherer fühlen, sagt der Pressesprecher des Justizministeriums.

Wer wegen einer dieser Straftaten verurteilt wurde, hat übrigens keine Chance auf die Amnestie:

  • Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen
  • Sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen
  • Vergewaltigung
  • Sexuelle Nötigung
  • Sexuelle Übergriffe
  • Zuhälterei

Auch wer sich in der Haft erneut strafbar gemacht hat, sollte eher nicht mit der vorzeitigen Strafentlassung rechnen. Außerdem muss geklärt sein, wie es nach dem Gefängnis weitergeht, also wo lebt die Person dann und wie verdient sie sich ihr Geld.