Demo vor Konzerthaus: Linkes Bündnis fordert offene U-Bahn-Stationen für Obdachlose

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Das linke Bündnis "Aufstehen" demonstrierte am Montag (21. Januar) vor dem Konzerthaus an der Brückstraße für eine humanere Obdachlosen-Politik. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24

Dortmund/NRW - Während die Stadt Dortmund am Montag im Konzerthaus zum Neujahrsempfang lud, gab es vor dem Gebäude an der Brückstraße eine Demo für Obdachlose.

Während am Montagabend im Dortmunder Konzerthaus beim Neujahrsempfang der Stadt die Sektkorken knallten, demonstrierte das linke Bündnis "Aufstehen" in der Kälte für einen humaneren Umgang mit Obdachlosen. Eine Forderung: die Öffnung der Dortmunder U-Bahn-Stationen.

Bier und Sekt floss am Montag (21. Januar) in Strömen, als sich die Repräsentanten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung oder Sport im Konzerthaus zum Neujahrsempfang der Stadt trafen. Demonstrierende Menschen vor dem mächtigen Glasgebäude auf der Brückstraße passten da nicht wirklich ins glamouröse Bild.

Anhänger des linken Bündnisses "Aufstehen" - im August 2018 von Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht ins Leben gerufen - demonstrierten auf dem Boden liegend und eingepackt in Schlafsäcken für eine schnellere und bessere Hilfe für Obdachlose.

Offene U-Bahn-Stationen für Obdachlose

Wie eine Sprecherin der Aktivisten - selbst SPD-Mitglied - gegenüber Dortmund24 sagte, fordere das Bündnis unter anderem die Öffnung der Dortmunder U-Bahn-Stationen für Obdachlose. Dort sollten sie sich dann im aktuell kalten Winter vor der den tiefen Temperaturen schützen können.

DSW21 als Betreiberin öffnet derzeit ihre U-Bahnstationen aber nicht - aus Sicherheitsgründen. Demnach könnten Menschen durch Werkstattfahrten, die etwa zwischen 0.30 Uhr und 3 Uhr stattfänden, gefährdet werden.

Ganz dicht hält DSW21 ihre Stationen aber nicht. Der Aufenhalt im Tunnel unter dem Königswall zwischen Freistuhl und Hauptbahnhof werde für Obdachlose seit Jahren von den Dortmunder Stadtwerken akzeptiert, sagt DSW21-Sprecher Bernd Winkelmann gegenüber Dortmund24. "Viele Obdachlose wissen das auch", sagt er, "aber sie fühlen sich dort nicht unbedingt sicher".

Fahrgäste könnten sich gestört fühlen

Grundsätzlich gäbe es tagsüber auch die Möglichkeit, sich für ein Stündchen in den U-Bahn-Stationen aufzuwärmen. Es dürfe, so Winkelmann, nur nicht Überhand annehmen, um andere Fahrgäste nicht zu stören. Die Fahrt in U-Bahnen ohne Ticket sei dagegen auch für Obdachlose nicht erlaubt, um Wärme zu tanken.

Doch nicht nur gegen die Verkehrsbetriebe richten sich die Forderungen von "Aufstehen". So kritisiert das Bündnis auch die Öffnungszeiten der Dortmunder Wohnungslosenhilfe. Sie ist an vier Tagen die Woche zwischen 8 Uhr und 10.30 Uhr geöffnet. "Das ist völlig unzureichend", findet das Bündnis und fordert stattdessen aufsuchende Hilfe.

Kritik an der Stadt

Darüber hinaus gibt es Kritik am grundsätzlichen Engagement der Stadt. Seit Jahren, so das Bündnis, machten Ehrenamtliche die Arbeit, die eigentlich die Stadt gewährleisten müsste. In Dortmund sind das unter anderem die Diakonie und das Gast-Haus an der Rheinischen Straße. Die Stadt unterdessen betreibt unter anderem eine Notschlafstelle für Männer an der Unionstraße sowie eine für Unterkunft Frauen in der Innenstadt-Ost.

Tiere ausgeschlossen

Obdachlose mit Hunden werden aus den Übernachtungsstellen der Stadt aber ausgeschlossen - das will das Bündnis ändern. Andere Gäste der Unterkunft, so das Argument der Stadt, könnten sich von den Tieren gestört fühlen und vielleicht auch allergisch reagieren.

Für äußerste Notfälle hat die Stadt Dortmund eine Betreuung für die Tiere eingerichtet. Wenn man sie bis 16 Uhr abgibt und am Folgetag bis 10 Uhr abholt, können die Tiere im Tierschutzzentrum Dortmund an der Hallerey 39 in Dorstfeld untergebracht werden. Das gelte aber nur als Übergangslösung für extrem kalte Tage.

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Außerdem fordert "Aufstehen" langfristige Finanzierung freier Träger, um für die Obdachlosenehilfe Planungssicherheit zu haben. Bislang ist es so, dass Mittel regelmäßig neu beantragt werden müssen.