Vier Tage lang steht Dortmunds Innenstadt komplett unter Strom: Europas größtes E-Bike-Festival läuft. Wir haben uns vor Ort umgesehen und zeigen euch die fünf coolsten Ideen.

Dortmund  – Wer vor ein paar Jahren noch über E-Bikes nachdachte, der hatte oft den Opa mit Hut im Kopf, der noch Rad fahren möchte und dabei Hilfe braucht. Das E-Bike galt lange als Fahrrad der Senioren, half ihnen, Steigungen in der Stadt zu meistern und die nachlassende Kondition vergessen zu machen.

Das Image hat sich inzwischen gewandelt. Immer mehr Menschen sind in der Stadt mit E-Bikes unterwegs – und es sind bei Weitem nicht nur Senioren.

Dass die E-Bike-Hersteller auch das junge Publikum im Blick haben, beweist das E-Bike-Festival rund um die Reinoldikirche. E-Bikes mit tiefem Einstieg, Rückspiegel und vorgelagertem Rattankorb sieht man hier nicht ausschließlich: im Gegenteil. Wir haben für euch fünf coole E-Bike-Ideen entdeckt:

1. Stufentandem mit E-Motor

Tandem mit Motoren - sogenannte Stufentandems - sind die Spezialität von Stephan Moldenhauer und seiner Waltroper Firma Hasebikes.
Stephan Moldenhauer (vorne) von Hasebikes aus Waltrop verkauft elektrisch betriebene Tandems und sogenannte Delta-Trikes. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Stephan Moldenhauer von Hasebikes aus Waltrop ist einer der ganz besonderen Händler auf dem E-Bike-Festival. Er verkauft elektrisch unterstützte Tandems, die man in mehrfacher Hinsicht nutzen kann. „Mann kann vorne sein Kind, seinen Partner oder eine gehandicapte Person transportieren – und wenn’s sein muss sogar den Einkauf“, sagt der Fahrradexperte. Um die 6000 Euro kostet das Rad, das mit bis zu 225 Kilogramm beladen werden kann. Etwa 50 Kilometer weit kommt man damit mit einer Akkuladung. Moldenhauer: „Wir exportieren dieses Rad in die ganze Welt, sogar in den USA und in Australien wird es gekauft.“

2. Fatbike mit E-Motor

Fatbikes gibt es mittlerweile auch mit Motor
Dieses Fatbike, Modell „Fat Spider“, von der Firma Wattitud kostet 2990 Euro. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Uhren, Thermometer, Lederapplikationen und richtig fette Reifen: Das sind die Fatbikes, die die belgische Firma Wattitud an den Mann bringt. „Die Leute bleiben schon stehen, wenn sie jemanden mit so einem Rad sehen“, sagt Verkäuferin Anja Bergen. Stolze 26 Kilogramm wiegt das Gerät, fährt sich aber erstaunlich leicht. Klar: Der eingebaute Motor tut sein Übriges. „Vor allem in Belgien, wo es in den Städten viel Kopfsteinpflaster gibt, wird es gerne genutzt“, sagt Bergen. Vor allem aber kommt es bei den Fatbikes auf den Style an. Einige Modelle haben sogar integrierte Uhren und Thermometer. „Diese Modelle lässt man abends lieber nicht draußen stehen“, sagt ein Mitarbeiter der Firma schmunzelnd.

3. Cargo Pedelec

Die Hochschule Bochum möchte künftig solch ein elektrisch unterstütztes Fahrzeug herstelllen. Es heißt eelo 2.0
Dieses Cargo Pedelec ist eine Prototyp von Studenten der Hochschule Bochum. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Ist das das Fahrzeug der Zukunft? Wenn es nach den Studenten der Hochschule Bochum geht, soll das Cargo Pedelec „Eelo“ künftig die motorisierten Autos aus den deutschen Innenstädten verdrängen. Zwei Personen finden vorne Platz, hinten drei kleine Kinder. „Oder man nimmt hinten die Sitze raus, dann gehen fünf Kästen Bier rein“, sagt Entwickler Lukas Wienstroer. Die Philosophie hinter dem Projekt lautet „Back to the Basics“. Heißt: Es werden nur unbedingt nötige Teile verbaut, um Ressourcen zu schonen. „Es ist ein nachhaltiges Projekt, wir wollen damit ein Statement setzen“, sagt Wienstroer. Bislang seien viele Menschen skeptisch, ob das Projekt sich durchsetzen wird. Um es zu realisieren (bislang gibt es nur einen Prototypen von Eelo), sind die Studis auf Unterstützung angewiesen: finanziell und moralisch. Sollte das klappen, sollen die Pläne für das Gefährt patentfrei für Nachahmer zur Verfügung gestellt werden.

4. Smart Ped

Diese Smart Peds (Roller) haben einen integrierten Motor
Diese Smart Pads, auch E-Roller genannt sind eine Rarität auf der E-Bike-Messe. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Nicht alles, was auf der E-Bike-Messe in Dortmund angeboten wird, hat zwei Pedalen. Es reicht manchmal aus, nur zwei Räder zu haben. So wie die Smart Peds der Firma Bikeasy aus Hamburg. Mit 11 Kilo ist der Tretroller zwar nicht ganz so leicht, hat aber je nach Straßenprofil eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern. Pfiffig: Der Motor wird über eine App gesteuert, über die man einstellen kann, ab wann er sich einschaltet.

5. E-Bike im urban Style

Christian Neumann von BikeEasy beim Ebike Festival in Dortmund
Christian Neumann ist Vertriebsleiter beim Hamburger Unternehmen Bikeasy und verkauft stylische E-Bikes wie dieses. Foto: Daniele Giustolisi/Dortmund24

Das soll ein E-Bike sein? Sieht eher aus wie eines dieser stylishen Fixis, die man immer häufiger auch durch Dortmund sausen sieht. Tatsächlich ist am Hinterrad ein Motor mit integriertem Akku eingebaut, der sich per Smartphone-App steuern lässt. So kann man zum Beispiel einstellen, ab welcher Steigung der Motor beim Fahren unterstützt. Ein Sensor im Motor registriert das und gibt das Signal zur Unterstützung. Auch cool: Lässt man die Pedalen rückwärts laufen, lädt sich dadurch der Akku auf. Ansonsten wird ganz normal per Stecker aufgeladen. Knapp 3000 Euro kostet das Fahrrad. „Wir haben auch viele ältere Kunden, die sich nur das Hinterrad einbauen lassen, um über die Berge zu kommen“, sagt Bikeasy-Vertriebsleiter Christian Neumann.

Info: Das Festival läuft am Samstag (8. April) noch bis 23 Uhr (die meisten Händler haben aber nur bis 19 Uhr geöffnet) und Sonntag (9. April) ab 10 Uhr und bis 17 Uhr. Das gesamte Programm findet ihr hier. Das Festival ist übrigens gratis.