Bild: Regionalverband Ruhr

Auch wenn viel von der „Metropole Ruhr“ die Rede ist, fühlt es sich häufig so an, als würden Welten zwischen den verschiedenen Städten des Ruhrgebiets liegen. Ein neuer Regionalplan Ruhr soll das Revier nun enger zusammenwachsen lassen und dadurch auch bundesweit und international konkurrenzfähiger machen.

Im Regionalplan Ruhr soll städteübergreifend geplant werden, wo im Ruhrgebiet Wohnflächen oder Gewerbegebiete entstehen sollen, wo Freiflächen für die Landwirtschaft, oder Naherholungsgebiete bleiben sollen. Auch wie die Region ihre Energieversorgung sichert, soll der Regionalplan beantworten.

Schon in der Vergangenheit gab es Regionalpläne, allerdings keinen einheitlichen für das gesamte Ruhrgebiet. Das Revier gehört nämlich anteilig zu drei verschiedenen Regierungsbezirken: Arnsberg, Münster und Düsseldorf. Dementsprechend wurde die Zukunft des Ruhrgebiets von diesen drei Standorten aus geplant. Die Vorstellungen und Zukunftsvisionen der Verantwortlichen in den Regierungsbezirken waren dabei nicht immer die selben. „An den Grenzen gab es immer Brüche“, sagt Martin Tönnes, Beigeordneter im Bereich Planung des Regionalverbands Ruhr.

Kooperationen zwischen den Städten

Durch die gemeinsame Planung sollen nicht nur lokal, sondern auch regional bedeutsame Gewerbe- und Industriegebiete entstehen, um Unternehmen anzulocken und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Auch der Wohnungsmarkt soll durch regionale Planungen entlastet werden. Wenn in einer Stadt Bauflächen für neue Wohnungen fehlen, sollen Kooperationen mit Nachbarstädten weiterhelfen.

Der Regionalplan soll dabei Entwicklungslinien für die nächsten 20 Jahre vorgeben und als planerische Grundlage für die Flächennutzungspläne der Kommunen dienen. Das erklärte der Regionalverband Ruhr bei der Vorstellung des Regionalplans am Dienstag (14. November).

Damit der Plan inkraft tritt, müssen jedoch noch das Ruhrparlament, die Stadträte im Einzugsgebiet sowie die Landesregierung zustimmen. Danach könnte der Regionalplan schon ab 2019 gültig sein.

Welche Veränderungen bringt der neue Regionalplan für Dortmund?

Der Regionalplan Ruhr sieht für Dortmund neue Gewerbe- und Industrieflächen mit einer Größe von insgesamt 510 Hektar vor. Im Ruhrgebiets-Durchschnitt entstehen pro Hektar 31 Arbeitsplätze. In Dortmund könnte dieser Wert sogar etwas besser sein, wie Martin Tönnes vom Regionalverband Ruhr erklärt. Er rechnet daher mit mehr als 16.000 neuen Arbeitsplätzen.

Eine Besonderheit des neuen Regionalplans sind sogenannte regionale Kooperationsstandorte, an denen zwei oder mehr benachbarte Städte besonders große Gewerbeflächen gemeinsam entwickeln. In Dortmund sind zwei solcher Standorte geplant. Auf dem Gelände des stillgelegten Steinkohlekraftwerks „Gustav Knepper“ soll in Kooperation mit der Stadt Castrop-Rauxel ein 68 Hektar großes Gewerbegebiet entwickelt werden. Dort sollen sich vor allem Unternehmen ansiedeln, die besonders große Flächen benötigen. „Die Industrie- und Handelskammern haben an uns heran getragen, dass solche Flächen fehlen, darum haben wir das in der Planung verankert“, sagt Martin Tönnes.

Am Stadtteil Groppenbruch, ebenfalls in Mengede, soll außerdem gemeinsam mit der Stadt Lünen ein neuer Gewerbe- und Industriestandort entwickelt werden.

Platz für 17.000 neue Wohneinheiten

Nicht nur Gewerbeflächen sind im Regionalplan verankert. Dort ist auch erfasst, wie viel Platz in den kommenden 20 Jahren für den Bau neuer Wohnungen zur Verfügung steht. In Dortmund sind das 400 Hektar, die Platz für etwa 17.000 neue Wohneinheiten bieten sollen, wie Martin Tönnes erklärt.

All diese Pläne seien jedoch nicht in Stein gemeißelt, sagt Planer Martin Tönnes: „Wir werden die Entwicklungen beobachten. Und wenn wir erkennen, dass Gewerbe- oder Wohnflächen knapp werden, dann schauen wir, wo wir neue zur Verfügung stellen können.“

Der einheitliche Regionalplan sei etwas vollkommen neues, so Tönnes. „Das gibt es in NRW sonst nicht nochmal.“ Schon durch die Gespräche von Stadt-Vertretern aus so verschiedenen Städten wie Dortmund und Wesel im Entwicklungsstadium des Regionalplans sei das Ruhrgebiet ein Stück enger zusammengerückt. „Dort wurde erkannt, dass die Städte ganz ähnliche Probleme haben.“