Seit dem sogenannten Dieselskandal stehen die Autoindustrie und die Verkehrspolitik auf Bundesebene Kopf. Aber auch Dortmund muss sich Sorgen machen, falls es bald ein Diesel-Fahrverbot gibt. Dann müssen wir im schlimmsten Fall hungern.

Hungern wegen dem Diesel-Fahrverbot? Klingt abwegig, ist es aber nicht. Die meisten Handwerksbetriebe, also auch Bäcker und Fleischer, fahren mit Dieselfahrzeugen, erklärt Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund. Wenn die Fahrzeuge nicht mehr auf die Straße dürfen, können keine Zutaten für das Brot, kein Fleisch und keine Produkte mehr transportiert werden. Heißt: Die Auslagen beim Bäcker und Metzger bleiben leer.

Die grüne Plakette reicht nicht mehr

Das Problem lässt sich auch so schnell nicht beheben. „Die Fahrzeuge haben normalerweise lange Laufzeiten, ein schwerer LKW beispielsweise 15 Jahre“, erklärt Schröder. Die Laufzeit der meisten Fahrzeuge habe gerade erst neu angefangen, weil die Fahrzeuge auf die Standards für die grünen Plaketten umgerüstet wurden. „Und jetzt stellt sich heraus, dass die grüne Plakette auch nicht mehr reicht.“

Eine schnelle Auswechslung der Fahrzeuge ist auch nicht möglich, weil es zu viele sind. Laut Schröder arbeiten in Dortmund im Handwerk etwa 32.000 Menschen. „Wenn nur jeder Dritte davon ein Fahrzeug fährt, wären das 10.000 Fahrzeuge.“ Unmöglich also, sie alle schnell umzurüsten.

Die Stadt kann nichts machen

Oberbürgermeister Ullrich Sierau ist auch entschieden gegen ein Diesel-Fahrverbot. Aber er und die Stadt könnten nichts machen, erklärt er. Ein geforderter kommunaler Dieselgipfel würde nichts bewirken, weil die Stadt in dem Bereich gar keine Kompetenzen hat. Die Stadt kann nur auf andere Art und Weise gegen die Luftverschmutzung vorgehen. Das macht sie auch bereits. Zum Beispiel hat die Stadt 30 Prozent ihres Fuhrparks (26 Fahrzeuge) auf elektro umgestellt und strebt künftig eine Quote von 80 Prozent an. Außerdem hat sie sich um Fördermittel für eine emissionsfreie Innenstadt beworben.

Auch die Grünen gegen Diesel-Fahrverbot

Nicht einmal die Grünen in Dortmund sind für ein Diesel-Fahrverbot. „Ich glaube, damit bestrafen wir die Falschen“, sagt Ingrid Reuter von den Grünen. Man habe gedacht, dass Diesel-Fahrzeuge umweltfreundlicher als andere Verbrennungsmotoren seien. „Das hat sich jetzt als schlechte Luftnummer herausgestellt.“ Die Kosten dafür dürfen aber nicht die Kunden tragen, sondern die Nachrüstung müsste nach Ansicht Reuters auf Kosten der Industrie geschehen.

In Dortmund selbst müsse man vermehrt durch andere Maßnahmen für eine Verkehrswende und bessere Luft sorgen. Reuter schlägt vor, dass der ÖPNV, Radverkehr und Elektroautos attraktiver gemacht werden sollten. „In der Stadt braucht man gar kein Auto“, meint Reuter.