Bild: Darius Bothe

Was bietet Dortmund kulinarisch? Was ist neu, was noch unbekannt? Wir haben den Dortmunder Food-Blogger Darius Bothe von Foodloaf gebeten, an dieser Stelle in einer Kolumne neue Restaurants und Futterbuden zu testen.

Wir in Dortmund können uns glücklich schätzen.  Wenn es einem nach Kaffee und Kuchen wie sonntags bei der Oma dürstet und hungert, so haben wir gleich drei erstklassige Möglichkeiten, um uns gemütlich und urig hinzusetzen und uns mit prächtigen Torten und Kuchen den Bauch vollzuschlagen. Und das Beste: Diese drei Cafés sind alle zentral, mitten in der Innenstadt. Das schreit doch geradezu nach einer „Tortentour“, oder?! Einmal Buttercreme hier, einmal Käse-Sahne dort, zum Abschluss Puddingcreme…

Diese drei Cafés, das Café Koehler`s  (ehemals Café Strickmann), das Café-Hemmer und das Café Kleimann sind bereits seit unzähligen Jahren vor Ort um uns mit Glück und Kalorien zu versorgen. Hier lest ihr meinen Eindruck mit ein paar Randinfos zu diesen drei Urgesteinen – natürlich mit ausgiebiger Geschmacks-Beurteilung.

Und es sei euch direkt gesagt – dieser Bericht zielt mit Absicht nur auf diese drei Cafés, da diese vom Stile her ähnlich („Oma-mäßig“ eben) und alle sehr zentral innerhalb des Walls gelegen sind. Sicherlich gibt es noch mehr tolle Kuchen und Torten zu essen. Sei es in „modernen“ Cafés (z.B. im Kreuzviertel), anhand von Rezepten auf Foodloaf oder auch bei eurer eigenen Oma ;-).  Fühlt euch aufgefordert eure Lieblings-Cafés in die Kommentare zu schreiben, das Team von Dortmund24 und ich freuen uns über eure Anregungen – wo sollten wir eurer Meinung nach mal hingehen, Kuchen spachteln und warum?

Und nun weitet euren Gürtel – es gibt Torten!

Café Koehler’s Feinkost

Café Koehler’s Feinkost in der Wißstraße 26-28. Foto: Darius/FoodLoaf

Wahrscheinlich kennt jeder Dortmunder diese Begriffe: Café Strickmann und Köhler Feinkost. Das Café Koehler, auf der Wißstraße 26-28, ist quasi die „Fusion aus beiden“. Die Firmengeschichte klärt auf:

Koehler`s Historie

Im Jahr 2002 erfolgte durch den Unternehmer Dieter Borgmann die Zusammenlegung zweier alt eingesessener Dortmunder Unternehmen, zwei mit Stil und Tradition – Feinkost Köhler (seit 1853) und Café Strickmann (seit 1925).

Mit dem neuen Konzept werden die traditionsreichen Geschäftsfelder unter dem Motto „Vom Guten das Besondere“ fortgesetzt.“

Damit dürfte auch ein oft vorkommender Zwist erklärt sein, den ich immer mal wieder lese, wenn das „Café Strickmann“ oder „Café Koehler“ erwähnt wird. Unnützes Randwissen: Ich kenne übrigens persönlich die Besitzer des ehemaligen Feinkost Koehler – eine der Töchter war meine Freundin (nicht so eine, da waren wir noch zu jung für damals) über viele Jahre. Damals, als der Schnee noch schwarz und alles aus Holz war…

Einrichtung

Jedenfalls liebe ich persönlich dieses Café! Ihr könnt es euch leicht machen, um euch zu überzeigen: Einfach nur reingehen! Es ist wie eine Zeitmaschine. Draußen 2018, drinnen… keine Ahnung welcher Stil genau, aber 40er, 50er, 60er? Toll!

Wie in einem Wohnzimmer. Foto: Darius Bothe
Wie in einem Wohnzimmer. Foto: Darius/FoodLoaf

Ich möchte hier gar nicht an das immens umfangreiche Sortiment eingehen, welches eben nicht nur Kaffee & Kuchen + Restaurant abdeckt, sondern eben auch Feinkost anbietet (Stopfleber inklusive). Man fühlt sich direkt wie in der Zeit zurückversetzt. Kein Café versprüht meiner Meinung so viel Charme von damals wie das Café Koehler. Teppich, alte Tische und Stühle mit Polsterungen und Mustern wie früher. Alte Kronleuchter, passend gekleidete Angestellte und die ebenfalls passende Kundschaft, meist älteren Semesters. Es ist einfach perfekt!

Kaffee & Kuchen

Der normale Kaffee schmeckt zwar wie Spülwasser (finde ich zumindest), aber der Schümli-Kaffee ist dafür mehr als erhaben. Doch die wahren Stars im Café Koehler sind die Torten und Kuchen. Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll mit dem Schwärmen! Natürlich habe ich nicht alle probiert, aber es sei euch gesagt, dass die Dinger alle fantastisch aussehen und die, die ich probiert habe schmecken großartig.

Torte im Café Koehler’s Feinkost. Foto: Darius Bothe
Torte im Café Koehler’s Feinkost. Foto: Darius/FoodLoaf

Meine Ma schwört zum Beispiel auf den Apfelkuchen – schön mit dick Sahne. Alles handgemacht und nichts sieht aus wie von der Stange. Solche Torten bekommt man nur dort oder in den anderen beiden Cafés aus diesem Bericht. Es gibt zudem auch Kleingebäck (Schweineohren, Kekse, Berliner & Co.)und immer saisonal sich ändernde Produkte.

Ich bestellte zuletzt eine Baumkuchentorte (seht das Bild): dekadent gut! Baumkuchen im Rand, dazwischen so etwas wie Mürbeteigschichten. Die sah vor allem großartig aus und macht mehr als satt.

Café Hemmer

Das Café Hemmer liegt auf dem Ostenhellweg. Foto: Darius/FoodLoaf

Zwar wollte ich auch für das Café Hemmer etwas Firmengeschichte hier einfügen, doch meine eMail mit dem Wunsch nach ein paar Infos blieb unbeantwortet. Ich denke aber, dieses kleine Gedicht aus der Speisekarte ist ein netter Ersatz:

„Es lohnt der Weg sich
selbst von weit
für den, der schätzt
die Köstlichkeit
von all‘ dem herrlichen süßen Sachen,
die Ihm und ander’n
Freude machen.
Ob selbst genossen
ganz in Muße –
ob mitgebracht zum lieben Gruße –
ein jeder denkt
im stillen sich:
Solch Qualität ist meisterlich.
Was hab ich doch versäumt bisher
bei HEMMER, ja
das schmeckt’s nach mehr.“

Einrichtung

Das Café Hemmer begrüßt wie auch die beiden anderen Cafés den Gast zunächst mit einer ausladenden Theke voller Kuchen, Torten und Gebäcken, so dass einem nichts ferner ist als umzudrehen und rauszugehen. Taktik ist das wohl! Da werden in diesen Cafés die niederen Instinkte des Menschen angeregt: die Gier nach Fett und Zucker (= Energie) und er kann kaum widerstehen als sich eine Buttercreme zu bestellen! Nun, bei meinem letzten Besuch wurde es die Apfeltorte und der obligatorische Kaffee.

Die Einrichtung: schummrig gemütlich. Foto: Darius Bothe
Die Einrichtung: schummrig gemütlich. Foto: Darius/FoodLoaf

Auch das Café Hemmer versprüht alten Charme. Zwar wirkt die Einrichtung nicht so leicht feudal  und hochwertig wie im Café Koehler, und hat eher etwas Charme wie ein Speisesaal eines Altenheimes, aber es ist überaus gemütlich! Gedämpftes Licht, Vorhänge und Gardinen, ein paar Pflänzchen und natürlich Teppichboden.  Auch hier kehrt man gerne ein und fühlt sich einfach irgendwie wohl.

Kaffee & Kuchen

Die etwas schnippische Bedienung brachte Kaffee und den vorher vorne ausgesuchten Kuchen recht geschwind. Gut so, denn so musste ich nicht lange darauf warten den vorzüglichen Apfelkuchen zu probieren! Die Äpfel waren klein gewürfelt und hatten noch etwas Biss. Die Süße war klasse und der sehr dichte und kompakte Nussboden passte perfekt. Wenn ihr Äpfel mögt, probiert diesen Kuchen, wenn er verfügbar ist!

Apfeltorte und Nussboden – ein Genuss! Foto: Darius Bothe
Apfeltorte und Nussboden – ein Genuss! Foto: Darius/FoodLoaf

Beim „normalen“ Kaffee habt ihr übrigens drei Auswahlmöglichkeiten: Filterkaffee, Café Creme, Schümli Kaffee. Gibt’s nur dort!

Café Kleimann

Das Café Kleimann findet ihr am Petrikirchhof 8. Foto: Darius/FoodLoaf

Auch hier etwas Geschichte:

„Seit 5 Generationen sind wir stets um Ihr Wohl bemüht.

Im Jahre 1903 eröffneten Gerhard und Josefine Kleimann die Konditorei an der Kampstraße. 1930 übernahm ihr Sohn Wilhelm Kleimann mit seiner Frau Elisabeth die Konditorei und eröffneten 1955 das Café. 1970 führte ihr Sohn Dieter Kleimann mit Frau Marianne das Café zu einem Treffpunkt der gepflegten Gastlichkeit. Seit 1995 führt ihre Tochter Barbara Kleimann-Schröder mit Mann Volker die Tradition, um Ihr Wohl bemüht zu sein, fort. Seit 2008 verstärkt ihr Sohn Sebastian Schröder das Kleimann – Team und setzt die Familientradition in der 5. Generation fort.“

Einrichtung

Das Café Kleimann ist das hellste der drei Cafés. Dies liegt an den großen Fensterfronten, durch die man auf das Treiben auf der Kampstraße schauen kann. Die Einrichtung entspricht ungefähr der des Café Hemmer. Etwas einfacher als und nicht so stilvoll wie im Café Koehler, aber trotzdem gemütlich. Zudem ist das Platzangebot reichlich, wobei man teils schon etwas gedrängt sitzt, je nachdem wo man Platz nimmt.

Vogelkäfig und große Fenster wirken sehr freundlich und einladend. Foto: Darius Bothe
Vogelkäfig und große Fenster wirken sehr freundlich und einladend. Foto: Darius/FoodLoaf

An einem frühen Sonntagnachmittag war es sehr voll,  so dass man, zumindest wenn man mehr als zwei Personen ist, reservieren sollte.

Das Café Kleimann hat eine ganz tolle Besonderheit: Sittiche/kleine Papageien in einer großen Voliere, mitten im Café! Okay, wen so was nervt (denn die machen entsprechende Geräusche), der dürfte weniger erfreut sein. Doch wer dem nichts entgegen zu setzen hat, der hat was zu gucken und zumindest Kinder hat man so vom Hals und kann sich mehr auf den Kuchen konzentrieren – die Kinder dürften an den Tieren ihre Freude haben.

Kaffee und „Kuchen“

Als ich im Café Kleimann war, habe ich mir einen kleinen „Ausreißer“ geleistet. Statt Kuchen gab es Bratapfel (!). Wo bekommt man bitte heutzutage Bratapfel fest auf der Speisekarte?! Da musste ich zuschlagen, auch wenn mich der „Kleimann“-Kuchen mit Weinbrand-Marzipan Füllung sehr interessiert hätte… Kuchen + Alkohol. Zwei gute Dinge kombiniert 😉

Bratapfel im Café Kleimann – muss ich mehr sagen? Foto: Darius/FoodLoaf

Der Bratapfel hat mir die Zunge verbrannt, weil ich so gierig war… nachdem ich dann aber geduldig und fleißig gepustet habe, gab es tollen säuerlichen Apfel, Mandeln und Rosinen. Vanillesauce wäre zwar super gewesen, aber optional hätte man die bestimmt dazu nehmen können. Toll, und mal was ganz anderes!

Was bleibt abschließend zu sagen?

Einfach mal diese drei Cafés besuchen und sich eine eigene Meinung bilden! Und es sei euch nochmals gesagt: Wir freuen uns über Anregungen eurerseits – nutzt die Kommentarfunktion!

 Der Blogger

Darius Bothe kommt aus Dortmund und schreibt auf seinem Blog „FoodLoaf.com“ über Essen, Fitnessprodukte und Restaurants. Angefangen hat alles mit Eis-Tests auf Youtube. Außerdem ist Darius Biochemiker. Deshalb weiß er ganz genau, warum die Hefe im Pizzateig aufgeht und das Bier so schön perlt.