Darius testet: Das bekommt ihr im Scoozi auf den Teller

Darius testete das Scoozi in Dortmund für euch. Bild: Darius Bote / Foodloaf
+
Darius testete das Scoozi in Dortmund für euch. Bild: Darius Bote / Foodloaf

Dortmund/NRW - Es gibt Neuzuwachs was die Gastronomie in der City angeht. Das „Scoozi“ eröffnet in den Räumlichkeiten des ehemaligen Salinas 2.0.

Was bietet Dortmund kulinarisch? Was ist neu, was noch unbekannt? Wir haben den Dortmunder Food-Blogger Darius von Foodloaf gebeten, an dieser Stelle in einer Kolumne neue Restaurants und Futterbuden zu testen.

Es gibt Neuzuwachs was die Gastronomie in der City angeht. Das „Scoozi“ eröffnet in den Räumlichkeiten des ehemaligen Salinas 2.0. Statt Tapas gibt es nun also italienisches Essen. Ich war kurz nach der Eröffnung dort und möchte euch folgend meine Eindrücke schildern. Hoffentlich tritt es nicht in die gleichen Fußstapfen wie der Vorgänger…

Das Lokal

Das Scoozi befindet sich in der Kleppingstraße 9-11, gleich neben dem Extrablatt. Tatsächlich haben beide Läden wohl auch den gleichen Besitzer. Interessant, wie man sich selbst Konkurrenz macht. Wobei: Das Extrablatt ist abends an den Wochenenden und auch oft morgens dermaßen voll, dass es wirklich keinen einzigen Platz mehr gibt. Also warum nicht nebenan direkt was Neues aufmachen, um die Leute „aufzufangen“? Keine verkehrte Idee, so gesehen.

Irgendwie kam mir alles so bekannt vor beim Betreten des Scoozi. Es sieht dem Vorgänger etwas ähnlich. Klar, die farbliche Stimmung ist eine andere, aber die Anordnung der Tische ist gleich und auch die Atmosphäre an sich. Es wirkt hell und irgendwie „klar“. Auf alle Fälle gefällt es mir mehr als das Salinas, da die Farben nicht so „billig“ wirken und wärmer sind. Indirektes Licht an den Wänden macht seinen Beitrag dazu.

Einen Designpreis gewinnt das Scoozi meiner Meinung nach trotzdem nicht. Ich finde, es ist irgendwie zu klar strukturiert und nicht „organisch“. Schwer zu beschreiben. Es hat teilweise etwas von einer Kantine. Die Sitznischen an den Wänden sehen hingegen sehr gemütlich aus.

Was mir sehr gut gefallen hat, war der hintere Wintergarten. Da ist es schön hell und auch die Tische und Sessel gefallen mir dort. Sie wirken zwar deplatziert zum vorderen Bereich, aber sind Eyecatcher. Es hat etwas von einem Wohnzimmer. Zwar nicht gut geeignet zum Essen, aber zum Verweilen und Quatschen perfekt. Schön da! Vorne und hinten raus kann man auch draußen sitzen.

Das Angebot

Nun, „Scoozi“ (so viel wie „entschuldigen Sie“) ist ja italienisch, und so sollte man italienische Speisen erwarten. Das kommt tatsächlich halbwegs hin, wenn man jetzt auch keinen richtigen Italiener erwarten sollte. „Von allem etwas“ beschreibt die Auswahl ganz gut.

Das Italienische im Scoozi ist Pizza und Pasta, Salate und ein paar Antipasti. Die Salate sind tatsächlich mit entsprechenden Zutaten auf „italienisch“ getrimmt: Gambas, Parmesan, Ziegenkäse, Trüffelhonig. Fraglich ist, warum es keinen Parmaschinken gibt – italienischer geht es doch gar nicht?! Vor allem der Salat mit Pulled Pork und BBQ-Sauce ist nicht so richtig italienisch. Fehlt nur noch Döner auf der Speisekarte.

Die Auswahl der Antipasti ist zwar klein, aber wohl gewählt: Da gibt es z.B. Gambas Picante, Vitello Tonato oder auch Rindercarpaccio und diverse Bruschetta.

Viele der Speisen bekommt man so oder so ähnlich auch woanders, so dass meiner Meinung nach das Scoozi nicht als viel „italienischer“ als andere Läden dieser Art ist. Dabei ist die Ursache nicht, dass das Scoozi viel zu wenig italienisch ist, sondern eher, dass „die anderen“ eben auch italienische Sachen anbieten. Das ist grundsätzlich nicht schlimm, so muss das Scoozi eben nur versuchen sich durch die Qualität etwas abzuheben.

Übrigens gibt es auch Burger (Italien eben), Suppen und, Achtung, Wokgerichte. Wie wäre es mit Möhren-Ingwer- oder Thai-Curry-Süppchen? So typisch italienisch eben.

Zum Frühstück gibt es z.B. Pancakes (…) oder Avocado-Brote und belegte Baguettes. Warum eigentlich Baguettes? Vor allem sieht dieses „Baguette“ gar nicht aus wie eines, sondern eher wie Ciabatta. Wer hat die Speisekarte geschrieben? Wenn ein Gast in eine italienische Bar geht, will er doch „Ciabatta“ lesen und nicht „Baguette“.

Letztlich finde ich die Auswahl im Scoozi aber gelungen. Jeder dürfte etwas finden, auch wenn er kein italienisch will. Nimmt man eben einen Burger. Letztlich ist es auch im Sinne der Kundenzufriedenheit eine große und unterschiedliche Auswahl an Speisen anzubieten.

Die Bestellung

Bevor es wieder heißt, ich meckere zu viel, möchte ich euch folgendes Zitat der Scoozi-Webseite Moers zeigen:

„Wir legen besonderen Wert auf die Qualität und Frische der Zutaten wie auch auf die sorgfältige Zubereitung aller Speisen. Da wir unsere Gäste mit einer facettenreichen Küche verwöhnen möchten, bieten wir je nach Saison immer neue kreative Gerichte auf unseren Tafeln an.“

Gelesen? Gut, dann nun hier den Ablauf unserer Bestellung, der Teil mit der Pizza Calzone. Nicht wortwörtlich, aber doch inhaltlich gleich. Urteilt selbst:

Frische Zutaten oder vorgefertigt?

Meine Begleitung: „Die Pizza Calzone bitte statt mit Champignons mit Blattspinat“ Die Bedienung ging, wohl zur Küche, kam kurze Zeit später wieder. Bedienung: „Wir haben kein Blattspinat“ Ich: „Das kann ja nicht sein, Sie haben ja auch Gnocchi mit Blattspinat“ Bedienung: „Stimmt, ich gehe nochmal fragen“ Sie ging, kam zurück. Bedienung: „Unsere Gorgonzola Sauce ist bereits vorbereitet/vorgefertigt mit dem Spinat“

Ich: „Dann nehmen wir das gegrillte Gemüse statt den Champignons“ Die Bedienung ging, kam wieder. Bedienung: „Das kostet 2,50 € extra“ Meine Begleitung: „Dann bitte Kirschtomaten“ (Anmerkung: Wohl weil 2,50 € Aufpreis recht frech erscheinen).

Das wurde dann auch so gemacht. Die 5-6 Kirschtomaten die dann in der Calzone waren kosteten jedenfalls nichts extra. Erfreulich. Die Calzone kostete 10,95 €. Jedenfalls kein Blattspinat, wenn man Pizza anbietet und vorgefertigte Sauce – schade!

Ich bestellte Pecorino al Forno - gratinierte Feige mit Ziegenkäse, italienischer Landschinken und Birnenchutney, dazu „Baguette“. Erst beim Tippen dieser Zeilen fällt mir übrigens auf, dass der Landschinken fehlte… Der hätte laut Beschreibung drauf sein müssen. Ist mir, als die Bestellung kam, wohl nicht mehr bewusst gewesen. Das Ganze dann für 10,95 €.

Dazu bestellte ich dann noch Ravioli Pomodoro mit Ricotta, Basilikum, Parmesan und Pinienkernen gefüllt. Dazu fruchtige hausgemachte Tomatensauce, Kirschtomaten, Basilikum und Parmesan.

Saftige Pizza Calzone

Die Pizza Calzone war von der Größe her sehr beeindruckend. Außen war der Teig schön dick zusammengedrückt und fluffig, der Teil mit der Füllung war dünn ausgerollt. Leider war oben drauf, wie man das eigentlich meiner Meinung nach macht, keine Sauce oder Käse drauf. So sah sie nicht soooo appetitlich aus, wie wenn schöner geschmolzener Käse im Kontrast zu Tomatensauce einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

Ich probierte nur und fand, dass sie innen schön saftig war. Meine Begleitung aß sie jedenfalls auf und sie schmeckte ihr. Die Sauce sei sehr lecker gewesen und würde wie selbstgemacht schmecken. Schön! Auf der Karte steht „selbstgemacht“ und so schmeckte sie. Das ist nicht überall so.

Meine „überbackenen“ Feigen waren leider eher warm als heiß und nicht wirklich überbacken. Das „Baguette“ war ein „Ciabatta“ und erinnerte an Aufback-Ciabatta vom Discounter. Die Feigen waren gut, nicht zu matschig, nicht zu hart. Der Ziegenkäse war lecker, nur leider nicht gut angebacken. Schön war, dass oben drauf ein paar karamellisierte Walnüsse waren. Das Birnenchutney war okay, aber nichts Besonderes. Der Landschinken fehlte wie erwähnt, was mir aber da nicht aufgefallen war, sonst hätten Sie es sicher korrigiert.

Der Preis mit knapp 10,95 € erscheint mir zu hoch. Maximal 8 € hätte es für die Menge auch getan.

Die Ravioli waren lecker – was vor allem an der Sauce lag. Die war super. Die Ravioli selbst hatten einen guten Garpunkt und die Füllung war okay. Selbstgemacht waren sie freilich nicht. Die Füllung klang besser, als sie war. Die Menge war okay, aber den Preis von 12,95 € fand ich dafür viel zu hoch. Das nächste Mal am besten nur Nudeln mit dieser tollen Tomatensauce.

Der Latte Macchiato schmeckte übrigens und war preislich mit 3,10 € in Ordnung. Dazu gab’s einen Cookies statt die üblichen billigen Kaffeekekse in der Tüte. Ein kleines, nettes Detail.

Fazit

Nun ja, ich muss sagen, vom Essen habe ich mir in Anbetracht der Preise und dem Wohlklang der Worte auf der Speisekarte mehr erwartet. Es schmeckte alles gut, aber es war nichts Besonderes. Doch muss man hier denke ich auch sagen, dass man in solchen Ketten bzw. Cafés/ Bars wie eben Scoozi, Alex, Extrablatt & Co. nicht viel mehr erwarten darf. Wenn ich gut essen gehen will, gehe ich in ein Restaurant. Dafür kann man in diesen besagten „Restaurantbars“ gesellig sitzen, etwas trinken und dazu was Essen, wenn man Hunger hat. Das Essen ist mehr „Zugabe“ als Mittelpunkt, und das habe ich im Scoozi bemerkt. Ich hätte damit auch kein Problem, wenn die Preise nicht so hoch gegriffen wären. Mit etwas Feinschliff an der Einrichtung und Anpassung der Preise bzw. der Speisen könnte es jedenfalls toll werden im Scoozi. Geht gerne einmal hin und macht euch ein eigenes Bild.

Einen Punkt muss ich allerdings noch erwähnen: Warum zur Hölle lief kein Eros Ramazotti?! 😉

Übrigens hat auf der Kleppingstraße jetzt auch das 60Seconds to Napoli eröffnet. Und ratet mal, wer es für euch getestet hat?

Info

Darius kommt aus Dortmund und schreibt auf seinem Blog Foodloaf über Essen, Fitnessprodukte und Restaurants. Angefangen hat alles mit Eis-Tests auf Youtube. Außerdem ist Darius Biochemiker. Deshalb weiß er ganz genau, warum die Hefe im Pizzateig aufgeht und das Bier so schön perlt.