Zahlen und Fakten auf einen Blick

Ruhrgebiet in der Coronavirus-Krise: Die Städte im Vergleich - wer die Nase im Kampf gegen Covid-19 vorne hat

Wie hart hat das Coronavirus die größten Städte im Ruhrgebiet getroffen?
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Wie hart hat das Coronavirus die größten Städte im Ruhrgebiet getroffen?

Die Corona-Kurve ist erst einmal abgeflacht. Das Coronavirus traf die Städte unterschiedlich. Zeit für eine erste Bilanz. 

  • Seit dem 20. März veröffentlichen die Städte im Ruhrgebiet die Zahlen der Coronavirus-Infizierten und Toten.
  • Bei den zehn größten Städten zeigen sich in den Statistiken deutliche Unterschiede.
  • Regionale Besonderheiten spielen auch eine Rolle bei der Interpretation der Zahlen.

Ruhrgebiet/NRW - Zusammen leben in den zehn größten Städten des Ruhrgebiets aktuell rund 3,2 Millionen Menschen. Zusammengenommen sind Dortmund, Essen, Duisburg und Co. eine echte Großstadt und größer als Hamburg oder München. Hätte hier das Coronavirus nicht leichtes Spiel gehabt? Zeit für einen Blick auf die Zahlen. Wie haben sich die Top-Ten-Städte im Ruhrgebiet im Kampf gegen die Pandemie geschlagen?

Ruhrgebiet: Mülheim hat die wenigsten bestätigten Corona-Fälle

Fangen wir mit einem Blick auf die bestätigten Corona-Fälle seit Beginn der Pandemie (in diesem Fall 20. März) an, ergibt sich folgendes Ranking (Zahlen pro 100.000 Einwohner):

Stadt

bestätigte Corona-Fälle

seit Pandemie-Beginn pro 100.000 Einwohner

1.

Mülheim an der Ruhr

112,4

2.

Herne

118,9

3.

Oberhausen

120,5

4.

Dortmund

123,2

5.

Bochum

135,2

6.

Essen

139,3

7.

Gelsenkirchen

149,6

8.

Hagen

167,9

9.

Duisburg

210,6

10.

Hamm

263,5

 

Auffällig: Die beiden kleinsten Städte aus den Top-10 im Ruhrgebiet - also Herne mit rund 156.000 Einwohnern und Mülheim mit rund 172.446 - haben die wenigstens bestätigten Fälle pro 100.000 Einwohner. Auch interessant: Acht der zehn größten Revier-Städte haben eine geringere Fallzahl, als der NRW-Schnitt von 203 Fälle pro 100.000 Einwohner laut Robert-Koch-Institut (Stand 18. Mai 2020).

Coronavirus: Dortmund sticht als Großstadt positiv heraus

Dortmund als größte Stadt im Ruhrgebiet mit knapp über 600.000 Einwohnern kommt auf einen ebenfalls relativ niedrigen Wert an Infizierten. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Eine wesentliche Erklärung ist laut Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts in Dortmund: Sein Amt habe schlichtweg ausreichend Personal im Infektionsschutz, um eine solche Krise stemmen zu können. "Das ist auch sehr sinnvoll, wenn wir in einem solchen Fall in der Lage sein sollen, die Bevölkerung von Anfang an zu schützen", sagte er jüngst.

Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts in Dortmund.

In Dortmund wurde also gut und viel getestet. Infizierte konnten dadurch isoliert werden. In einer Nachbarkommune Dortmunds - mutmaßlich Hagen, habe man laut Renken nur zwei Gesundheitsaufseher zur Verfügung. Und siehe da: Hagen mit seinen rund 188.000 Einwohnern rangiert auf den unteren Rängen der zehn größten Städte im Ruhrgebiet.

Zum Vergleich: Seit Beginn der Pandemie zählt Dortmund (Stand 18. Mai 2020) 723 bestätigte Corona-Fälle bei einer Einwohnerzahl von knapp über 600.000. In Hagen sind es 317 Fälle. Dabei hat die Stadt weniger als ein Drittel der Einwohner von Dortmund.

Coronavirus: Vorsicht bei Betrachtung der Zahlen ist angesagt

Achtung: Wer sich angesteckt hat, aber nicht getestet wurde, wird nicht gezählt. Da nicht jeder Symptome verspürt und nicht jeder Verdachtsfall getestet wird, liegt die Dunkelziffer wahrscheinlich höher.

Ein Augenmerk sollte man auch auf lokale Besonderheiten legen. In Hamm etwa, das am 18. Mai unter den zehn größten Städten die höchste Infiziertenzahl pro 100.000 Einwohner hatte, hatte es einen Ausbruch des Coronavirus in zwei Seniorenheimen gegeben. Dieser Trieb die Zahl der Infizierten - und auch der Toten - massiv nach oben.

Ruhrgebiet: Zahl der Toten durch das Coronavirus

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Blick auf die Zahl der Corona-Toten in den jeweiligen Städten pro 100.000 Einwohnern.

Stadt

Bestätigte Corona-Tote pro 100.000 Einwohner

1.

Herne

0,6

2.

Dortmund

1,0

3.

Oberhausen

3,3

4.

Gelsenkirchen

4,6

5.

Bochum

4,9

6.

Mülheim

5,3

7.

Hagen

5,8

8.

Essen

6,2

9.

Duisburg

9,0

10.

Hamm

20,1

Auch in dieser Statistik hat Herne einen guten Wert. Warum die Stadt in den Statistiken so gut wegkommt, ist schwer zu sagen. Die Stadt selbst konnte auf Anfrage der WAZ keine Erklärung liefern.

Erstaunlich ist auch die relativ niedrige Zahl der Corona-Toten pro 100.000 in Dortmund, die sich deutlich von der einer vergleichbaren Stadt wie Essen unterscheidet. Dass Dortmund so gut wegkommt, kann zum Beispiel damit zu tun haben, dass die Stadt ihre Corona-Toten anders zählt als viele andere Städte. Während manche Städte alle Toten auflisten, bei denen eine Corona-Infektion nachgewiesen wurde, berichtet die Stadt Dortmund nur von Toten, bei denen die Corona-Infektion ursächlich für den Tod war.

Trauriges Schlusslicht ist in dieser Statistik Hamm mit 20,1 Corona-Toten pro 100.000 Einwohnern seit Beginn der Pandemie (Stand 18. Mai 2020). Wichtig zu wissen: In der Stadt am östlichen Rand des Ruhrgebiets gab es einen Ausbruch des Coronavirus in einem Seniorenheim.

Coronavirus: Ausbruch in Seniorenheimen in Hamm und Duisburg

Auch Duisburg hatte einen Ausbruch in einem Seniorenheim, wo laut WAZ gleich elf Menschen starben und 90 sich infizierten. Herne, das extrem wenige Corona-Tote hatte, ist von solch einem Ausbruch verschont geblieben - und hatte neben offenbar guten Hygiene-Maßnahmen auch ein Quäntchen Glück.

Auch hier ist eine Einordnung der Zahlen wichtig. Ob die Menschen an Covid-19 - der durch das Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit - oder an einem anderen Leiden sterben, wird derzeit in den meisten Fällen nicht geprüft. Fest steht nur, dass sie Covid-19 positiv waren, als sie starben. Gezählt werden auch nur Gestorbene, die auch getestet wurden.

Video: Merkel: "Kein Land kann die Krise allein lösen"

Coronavirus: Städte, aber auch Nationen haben krasse Unterschieden

Nicht nur im Vergleich der Städte gibt es krasse Unterschiede was die Todeszahlen betrifft. Auch im Nationenvergleich fallen Unterschiede auf. 

Einen Grund für diese Diskrepanzen sieht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in den unterschiedlichen Bedingungen, der Altersstruktur, den medizinischen Möglichkeiten und – nicht zuletzt – in der Anzahl der Tests, die durchgeführt werden.

Hinweis: Die Angaben beruhen auf Zahlen der Städte sowie einer Statistik des Wochenblatts "Die Zeit".