Covid-19-Pandemie

Coronavirus: IT-Firma aus Dortmund bringt Quarantäne-App heraus - so funktioniert sie

Wer wegen des Coronavirus in Quarantäne muss, kann künftig über eine App mit dem Gesundheitsamt kommunizieren. In Dortmund wurde das Programm jetzt vorgestellt.

  • Ein Unternehmen aus Dortmund hat eine Quarantäne-App entwickelt.
  • Sie soll Covid-19-Patienten helfen und dem Gesundheitsamt die Arbeit erleichtern.
  • Die "Gesa"-App soll damit auch zur Eindämmung des Coronavirus beitragen.

Dortmund - Ein IT-Unternehmen aus Dortmund hat eine Quarantäne-App für Coronavirus-Infizierte auf den Markt gebracht. Anlass war eine Erkrankung im eigenen Betrieb. Das Programm soll die Quarantäne für Covid-19-Patienten verbessern - und das Gesundheitsamt entlasten.

Unternehmen

Materna

Branche

IT und Kommunikation

Sitz

Voßkuhle 37, Dortmund

CEO

Martin Wibbe

Mitarbeiter

2.300

Gründung

1980

Coronavirus: Dortmund stellt Quarantäne-App für Covid-19-Patienten vor 

Bei der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie geht es in vielen Städten noch immer drunter und drüber. "Viele Gesundheitsämter bewegen sich am Limit", sagt Rainer Feinen, Leiter der Abteilung Healthcare bei Materna. Das Unternehmen aus Dortmund hat bereits die Warn-App "Nina" entwickelt.

Darauf, eine eigene App für die Quarantäne zu programmieren, kam das IT-Unternehmen aus Dortmund aus einem besonderen Anlass: "Eine Kollegin von uns aus Frankfurt wurde in Quarantäne immer angerufen. Irgendwann kam dann kein Anruf mehr", erzählt Feinen. Es kam raus: Das Gesundheitsamt vor Ort kam nicht mehr hinterher. "So kam es zur Idee", sagt der Mediziner.

Coronavirus in Dortmund: Gesundheitsamt arbeitete wegen Covid-19 am Limit

Diese Erfahrung hat auch Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts in Dortmund, gemacht. Denn trotz guter Personalausstattung stieß seine Behörde in der Coronavirus-Pandemie an Grenzen.

"7000 Quarantänen bedeuten 48.000 Telefongespräche", sagt er. "Wir waren nicht in der Lage, diese Telefonate zu führen." Es gebe sinnvollere Methoden, seine Lebenszeit zu verbringen, sagt Renken pragmatisch - auch für die angerufenen, denen es oft vergleichsweise gut gehe. Denn: Nur höchstens 20 Prozent der Infizierten bräuchten in Quarantäne eine enge Betreuung.

Dennoch rechnen Experten bis Ende des Jahres mit bis zu 500.000 Covid-19-Infektionen in Deutschland. Dann müssen die Kommunen rund 2,5 Millionen Quarantäne-Fälle betreuen.

Quarantäne-App aus Dortmund ist kein Tracking-Programm

Einen großen Teil der nötigen telefonischen Abfragen der Covid-19-Patienten soll nun die "Gesa" genannte Gesundheits-Status-App auffangen, sagt Birgit Zoerner, Leiterin des Krisenstabs in Dortmund: "Man kann den Status der Person unter Quarantäne digital auswerten."

Mit der öffentlich kontrovers diskutierten Tracking- oder Tracing-App von Bundesregierung und Robert-Koch-Institut habe Gesa nichts zu tun, sagt sie. Das Programm soll lediglich den Verlauf der Quarantäne aufzeichnen.

Dass die App erst jetzt kommt, wo die Infektionszahlen in Dortmund nur noch sehr gering sind, sieht Zoerner nicht als Problem. Im Gegenteil: "Wir gehen davon aus, dass die Zahlen irgendwann wieder ansteigen werden."

Die Quarantäne-App soll künftig auch für andere Erkrankungen nutzbar sein.

Gesa-App aus Dortmund: Nur Infizierte können Quarantäne-App nutzen

Nutzen kann die Gesa-App nur, wer nachweislich mit Covid-19 infiziert ist und die Quarantäne antreten muss. Er bekommt vom Gesundheitsamt dann eine ID zur Anmeldung.

Betroffene melden dann täglich ihren Status:

  • Wie geht es mir? (von 1 bis 6)
  • Welche Symptome habe ich? (Husten, Geschmacksverlust, Körpertemperatur)

"Das wird dann mit dem System im Gesundheitsamt koordiniert", sagt Feinen. Der Status wird dort in grün (alles gut, kein Anruf), gelb (etwa bei längerem Fieber) und rot (unbedingt anrufen) aufgeschlüsselt. Außerdem hat die Behörde so endlich einen Überblick über einen Teil der Personen in Quarantäne.

Auch ein Countdown sei enthalten, um zu wissen, wann die Quarantäne endet. Den Verlauf könne man auch selbst mit seinen Symptomen abgleichen.

IT-Unternehmen Materna aus Dortmund hält Quarantäne-App für sehr effektiv

Das Unternehmen Materna ist mit der App zufrieden: "Wir denken, dass wir damit etwas entwickelt haben, was der Stadt Dortmund den Bürger und im speziellen auch dem Gesundheitsamt helfen wird, in der aktuellen Situation oder allgemein mit Quarantäne-Fällen effektiver umzugehen", sagt Martin Wibbe, Vorstandvorsitzender des IT-Unternehmens mit Sitz an der Voßkuhle.

Oberbürgermeister Ullrich Sierau würdigte das Programm als "Beitrag zur Gesundheitsvorsorge". Gesundheitsämter könnten durch die App nicht notwendige Personalkosten einsparen. Komplett serienreif ist das Programm aber noch nicht.

Das Unternehmen aus Dortmund erhofft sich nun zahlreiche Anfragen anderer Städte nach der Quarantäne-App. Sie soll auch für andere Krankheiten nutzbar sein, wie etwa Tuberkulose. So günstig wie die Stadt Dortmund - nämlich kostenlos - werden andere das Programm jedoch nicht nutzen können.

Rubriklistenbild: © Roland Gorecki/Dortmund Agentur

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