Zum Start der Impfzentren

Impf-Desaster in NRW: Dortmunds OB wütend – „nicht einfach, die Fassung zu wahren“

Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD, l.) übt in der Corona-Krise massive Kritik an der Arbeit der Landesregierung um Armin Laschet (CDU).
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Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD, l.) übt in der Corona-Krise massive Kritik an der Arbeit der Landesregierung um Armin Laschet (CDU).

Der Start der Impfzentren in NRW wird überschattet durch heftige Kritik aus NRW-Städten wie Dortmund. Im Fokus: Armin Laschet und die schwarz-gelbe Landesregierung.

Dortmund - Am Montag (8. Februar) wurde im Impfzentrum von Dortmund die erste Corona-Impfung gespritzt, aber Friede, Freue, Eierkuchen herrscht angesichts des Starts der Massenimpfungen in der Warsteiner Music Hall nicht. Im Gegenteil: Hinter den Kulissen scheint es mächtig zu brodeln. Der Grund? Das offenbar chaotische Corona-Management der schwarz-gelben Landesregierung.

NameThomas Westphal
FunktionOberbürgermeister Stadt Dortmund
ParteiSPD

Dortmund kocht wegen Corona-Mails aus Düsseldorf

Inzwischen schon fast gefürchtet sind die sogenannten „Freitagsmails“ der NRW-Landesregierung. In regelmäßigen Abständen flattern sie den Kommunen in NRW mit Hiobsbotschaften ins Haus, bevorzugt zum Ende der Woche, wenn die Verwaltung bereits im Feierabend ist.

Eine solche, so Dortmunds Sozialdezernentin Birgit Zoerner bei einer Pressekonferenz am Dienstag (9. Februar), sei der Stadt zuletzt am vergangenen Freitag zugestellt worden. Wie schon in Mails zuvor wartete darin eine böse Überraschung. Plötzlich, so Zoerner, soll die Terminabstimmung für die Impfung der Gruppe der unter 80-Jährigen von der Stadt durchgeführt werden und nicht von den Kassenärztlichen Vereinigungen.

Städte in NRW sollen jetzt Termine für Impfungen der unter 80-Jährigen machen

„Das kam für uns völlig überraschend“, meint die Dezernentin. Die Stadt solle nun schaffen, wofür den Kassenärztlichen Vereinigungen zuvor mehrere Wochen an Vorlauf benötigt hätten. Zoerner kocht: „Und uns erreicht dann am Freitagabend, ohne, dass wir eine Kenntnis darüber haben, der Hinweis, dass wir das ab Sonntagabend zu leisten haben - mit einer Frist von ‚sofort‘. “

Die Hiobsbotschaft, so die Sozialdezernentin, sei mitten in die letzten Vorbereitungen für die Impfzentren in die Verwaltung geplatzt. Die Umsetzung sei aber so schnell nicht umsetzbar. „Wir werden hier definitiv keinen Schnellschuss setzen“, meint Zoerner und deutet Verzögerungen bei der Vergabe der Impftermine für unter 80-Jährige an, die in den kommenden Wochen mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft werden sollen. Für die Gruppe der über 80-Jährigen gäbe es zudem jetzt schon erst Mitte April wieder Impftermine.

Corona-Desaster: Dortmunds Oberbürgermeister kritisiert Landesregierung von NRW

Auch Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) zeigt sich wütend bis resigniert ob der schlechten Zusammenarbeit mit der Landesregierung um NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. „Es ist nicht ganz einfach, die Fassung zu wahren“, gibt Westphal zu.

Video: NRW - Schwierigeiten bei Vergabe der Impftermine drohen

Das Dortmunder Stadtoberhaupt wolle jetzt aber keine Brandreden halten, sondern er alles dafür tun, um den Impferfolg trotzdem zu ermöglichen.

Dortmund: Kommunikation in Corona-Kriste mit dem Land ist nicht die Beste

Wird zwischen den Städten und dem Land eigentlich noch kommuniziert, Herr Westphal? „Ja, schon“, lautet seine Antwort, aber es würde nicht das kommuniziert, was wesentlich sei. Birgit Zoerner ergänzt: „Es wird geredet, aber nicht zielgerichtet.“ Westphal wolle die Pandemie nun abwarten, danach solle alles auf den Tisch kommen, was schiefgelaufen sei.

Stadträtin Birgit Zoerner ist nicht glücklich über die Zusammenarbeit mit der Landesregierung aus CDU und FDP.

Abgesehen von der offenbar katastrophalen Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen vermeldet Dortmund indes einen positiven Trend bei der 7-Tages-Inzidenz. Sie lag am Montag (8. Februar) laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei 65,8 - der niedrigste Wert seit Mitte Oktober 2020. Damit nähert er sich der magischen Grenze von 50, die als Zwischenziel der Bundesregierung postuliert wurde (Hier mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de lese).

Lockerungen in der Corona-Krise: In Dortmund ist man vorsichtig

Zeit also für Lockerungen? Laut Westphal sei es noch nicht an der Zeit, zumal das Ziel von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen noch nicht erreicht wurde. Und dann, so Westphal, lauerten ja noch verschiedene Mutationen des Coronavirus.

Wie verschiedene Politiker zuvor befürwortet aber auch Thomas Westphal die möglichst baldige Öffnung der Schulen und Kitas. Der SPD-Mann setzt sich allerdings für eine Mischform aus Distanz- und Präsenzunterricht ein und fordert einen sogenannten Stufenplan zum Wiederhochfahren des Schulbetriebs. Nur, so Westphal, müsse das vorbereitet werden - und nicht in der Nacht von Sonntag auf Montag in aller Eile passieren.

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