Kommentar

Masken-Irrsinn in Bochum und Dortmund: Wer soll das noch verstehen?

Menschen mit Maske auf dem Westenhellweg in Dortmund
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In der Fußgängerzone auf dem Westen- und Ostenhellweg in Dortmund gilt die Maskenpflicht.

In Dortmund gilt auf dem Westenhellweg die Maskenpflicht, im Ruhr Park Bochum gilt sie nur in den Shops. Solche Corona-Regeln sind Irrsinn, kommentiert RUHR24-Redakteur Christian Keiter.

Dortmund/Bochum - Zu welchem Unsinn uneinheitliche Corona-Regeln führen können, zeigt sich im Ruhrgebiet exemplarisch für das ganze Land. Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen hat die Stadt Dortmund die Maskenpflicht in der Fußgängerzone auf dem Westenhellweg und dem Ostenhellweg angeordnet.

Coronavirus: Masken-Regeln in Dortmund und Bochum ohne Sinn und Verstand

Das ist ein durchaus nachvollziehbarer Schritt. Zwar gilt es mittlerweile als wissenschaftlicher Konsens, dass das Risiko einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus (alle Entwicklungen im NRW-Ticker) im Freien um ein vielfaches geringer ist als in geschlossenen Räumen. Trotzdem hat es bereits Freiluftveranstaltungen gegeben, die sich zu Corona-Clustern entwickelten - wie ein großes Biker-Treffen in den USA.

Wo Mindestabstände nicht eingehalten werden können, wird das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes empfohlen - egal ob draußen oder drinnen. Zu Stoßzeiten ist das auf dem Westen- und Ostenhellweg in Dortmund nicht selten der Fall. So weit, so nachvollziehbar.

Rund 13 Kilometer Luftlinie vom Dortmunder Westenhellweg entfernt befindet sich der Ruhr Park Bochum. Das Infektionsgeschehen in der Nachbarstadt unterscheidet sich nicht nennenswert von dem im Dortmund - die Corona-Regeln schon. Die Inzidenz beträgt in Bochum laut dem nordrhein-westfälischen Landeszentrum Gesundheit (LZG) 47,6 - in Dortmund liegt sie bei 42,8 (Stand 14. Oktober, 0 Uhr).

Unsinnige Corona-Regeln in Dortmund und Bochum stehen sinnbildlich für die Corona-Politik

Dennoch freute man sich im Ruhr Park Bochum bereits Ende September darüber, dass die Maskenpflicht in den offenen Bereichen des Centers entfällt. Anders als in Dortmund ist das Tragen einer Maske nur noch in den Shops verpflichtend. Warum? Wer soll solche Corona-Maßnahmen noch verstehen?

Im Ruhr Park in Bochum gilt die Maskenpflicht nur noch in den Shops.

Dass Deutschland bisweilen relativ glimpflich durch die Covid-19-Pandemie gekommen ist, ist im Wesentlichen auf zwei Dinge zurückzuführen. Angesichts der schrecklichen Bilder aus den Nachbarländern wurde im März etwas früher reagiert, als das in anderen Teilen Europas möglich war. Zum anderen wurden sämtliche getroffenen Maßnahmen verständlich kommuniziert.

Corona-Regeln nicht nur in Dortmund und Bochum ein Problem - bloß kein „Weiter so“

Die Bereitschaft zu Einschränkungen und das Vertrauen in die politischen Entscheidungsträger war und ist in Deutschland hoch. 71 Prozent der Befragten einer Spiegel-Umfrage von Anfang Oktober gaben an, die derzeitigen politischen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus für angemessen zu halten.

Der sich momentan anbahnende Flickenteppich aus Corona-Regeln und die politische Süppchenkocherei drohen dieses Kapital zu verspielen. Der Masken-Irrsinn auf dem Dortmunder Westenhellweg und im Ruhr Park Bochum steht sinnbildlich für ein bundesweites Problem.

Video: Spitzen von Bund und Ländern beraten über Corona-Lage

Es bleibt zu hoffen, dass die heutige Konferenz der Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem willkürlich wirkendem Erlass von Corona-Regeln einen Riegel vorschiebt. Ein „Weiter so“ kann niemand ernsthaft wollen.

Dieser Kommentar entspricht der Meinung des Autors und muss nicht zwangsläufig die Meinung der gesamten Redaktion widerspiegeln.