"Ziele massiv gefährdet"

Forderung für mehr Kurzarbeitergeld: Unternehmer schlagen Alarm - Massenarbeitslosigkeit droht

Arbeitnehmer fordern in der Coronavirus-Krise mehr Kurzarbeitergeld. Doch Unternehmer in Dortmund schlagen jetzt Alarm - "Massenarbeitslosigkeit" droht.

  • Aufgrund des Coronavirus melden viele Unternehmen in NRW Kurzarbeit an.
  • Arbeitnehmer erhalten dadurch ein reduziertes Gehalt.
  • Die Forderung nach mehr Geld sorgt bei Unternehmer für Unverständnis - doch es könnte eine Lösung geben.

Dortmund - Das Coronavirus und die damit einhergehenden Restriktionen machen die Wirtschaft in Dortmund und Umgebung derzeit zu schaffen. Nicht wenige Betriebe müssen Kurzarbeit einführen, um Kündigungen zu vermeiden. 

Heißt: Arbeitnehmer erhalten während dieser Zeit nur noch 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns, Arbeitnehmer mit mindestens einem Kind erhalten 67 Prozent. Bezahlt wird das Gehalt durch die Bundesagentur für Arbeit. Aber reicht das, gerade wenn der Lohn ohnehin nicht gerade hoch ist?

Immer öfter fordern Arbeitnehmer die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf bis zu 90 Prozent. Doch die Unternehmensverbände für Dortmund und Umgebung schlagen deshalb Alarm.

Coronavirus: Kurzarbeitergeld erhöhen? Unternehmer schlagen Alarm

In einem Presseschreiben warnen sie nun, die Verhinderung betriebsbedingter Kündigungen könnte durch die Forderung nach Aufstockung des Kurzarbeitergeldes gefährdet sein. Ernst-Peter Brasse, Geschäftsführer der Unternehmensverbände für Dortmund und Umgebung, bezeichnet solche Forderungen sogar als "fahrlässig und kontraproduktiv" und "Sarkasmus".

Die erweiterten Regelungen zur Kurzarbeit aufgrund der Coronakrise in NRW zielten auf die "Rettung von Arbeitsplätzen und Unternehmen und nicht um die Verteilung staatlicher Wohltaten" ab, so Brasse, dem es darum gehe "Massenarbeitslosigkeit zu vermeiden".

Kurzarbeitergeld erhöhen? Unternehmer wollen wegen Coronavirus keine Verteilungskämpfe

Die Metall- und Elektroindustrie habe laut Brasse bereits den Ernst der Lage erkannt und "geräuschlos" den Tarifabschluss ermöglicht.  Brasse: "Wer diese Lage auf betrieblicher Ebene für Verteilungskämpfe nutzt, hat die Auswirkungen der Pandemie auf die Wirtschaft, das eigene Unternehmen und den eigenen Arbeitsplatz nicht verstanden."

Gewerkschaften wie Verdi unterdessen verweisen unterdessen darauf, dass der Verzicht auf 40 Prozent Gehalt sehr viel sei, etwa für Beschäftigte im Einzelhandel. Arbeitgeber sollte daher zunächst prüfen, ob nicht beispielsweise Urlaub oder der Abbau von Überstunden in Anspruch genommen werden könnte.

Verdi konnte in NRW Erhöhung des Kurzarbeitergeldes aushandeln

Zuletzt konnte Verdi die Aufstockung des Kurzarbeitergeldes im NRW-Einzelhandel erwirken. Angestellte erhalten dort unter anderem 90 Prozent des Nettoentgelts bis zum 30. Juni 2020.

Weil nicht jede Branche in NRW einen solchen Tarifvertrag aushandeln konnte, fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in NRW einen Sonderfonds "Kurzarbeitergeld Plus" innerhalb des NRW-Rettungsschirms. "Während Unternehmen gerettet werden, fallen Beschäftigte auf Hartz IV zurück. Diese soziale Schieflage muss dringend behoben werden, sagt Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW.

Hubertus Heil (SPD), Bundesminister für Arbeit und Soziales.

Der DGB fordert, Unternehmen müssten dazu motiviert und unterstützt werden, das Kurzarbeitergeld auf mindestens 80 Prozent aufzustocken. Gerade Menschen mit kleineren Einkommen trifft die durch das Coronavirus ausgelöste Krise besonders hart. "Sie wissen nicht, wie sie Mieten bezahlen oder ihre Familien ernähren sollen", so die DGB-NRW-Vorsitzende. In dieser Krise sind wir alle gefordert, zusammenzustehen. Die Beschäftigten dürfen nicht am ausgestreckten Arm verhungern."

SPD in NRW fordert für Erhöhung des Kurzarbeitergeldes Alleingang

Die nordrhein-westfälische SPD fordert in der Corona-Krise notfalls einen Alleingang des Landes, um die Situation von Beschäftigten in Kurzarbeit zu verbessern. Sollte keine bundesweite Regelung zustande kommen, durch die das Kurzarbeitergeld auf 80 Prozent des letzten Monatseinkommens aufgestockt wird, sei ein solcher Sonderweg nötig, schrieb die NRW-SPD in einem Positionspapier. Dann müsse die Landesregierung über einen Sonderfonds die Aufstockung für Beschäftigte von NRW-Betrieben finanzieren.

Die Coronavirus-Krise ist aktuell in Dortmund aufgrund von Kurzarbeit auch bei Mietern ein großes Problem. Der Mieterverein Dortmund hat aus diesem Grund einige Fragen rund um das Thema zu klären versucht.

Auf Bundesebene hatte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) Gespräche mit Arbeitgebern und Gewerkschaften über eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes in der Corona-Krise angekündigt. "Für viele Beschäftigte gerade mit niedrigen Einkommen ist der Verlust von bis zu 40 Prozent des Einkommens kaum zu verkraften, schon gar nicht über die sich nun abzeichnende Zeit von mehreren Monaten", heißt es in dem Papier der NRW-SPD. mit dpa-Material

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