Hilferuf in der Westfalenmetropole

Corona-Pandemie im Winter: Obdachlose in Dortmund besonders in Gefahr

Obdachlose in Dortmund: Laut einer Zählung der FH sollen es mehr sein, als bislang bekannt. Foto: Daniele Giustolisi/RUHR24
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Obdachlose in Dortmund können durch die Corona-Krise kaum noch mit dem Allernötigsten versorgt werden.

Eigentlich helfen sie Obdachlosen in Not. Doch selbst die Versorgung mit Essen ist für Helfer seit der Coronavirus-Krise kaum noch machbar. Ein Hilferuf.

Lange Wartezeiten an der Lebensmittelausgabe, keine Möglichkeiten zeitweise Unterschlupf zu finden und kaum noch geöffnete Toiletten: Seit Beginn der Corona-Krise hat sich die Situation der wohnungs- und obdachlosen Menschen in Dortmund deutlich verschärft. Die Wohnungsloseninitiativen Gast-Haus,  BODO, Wärmebus und Kana-Suppenküche sendeten daher einen Hilferuf an die Politik: Vor den kalten Wintermonaten müsse dringend etwas passieren. Nun haben CDU und Grüne reagiert.

StadtDortmund
Einwohner603.609 (12/2019)
Obdachloseca. 400 - 600

Dortmund: Obdachlose haben kaum noch Zugang zu Hilfsangeboten

Die Corona-Krise machte das Leben auf der Straße noch unerträglicher, als es sowieso schon ist. Selbst grundlegende Dinge, wie eine warme Mahlzeit, genügend Trinkwasser zu bekommen, sich Waschen oder Duschen zu können und selbst die Verrichtung der Notdurft - für Obdachlose war plötzlich selbst das Allernötigste nicht mehr möglich.

Denn aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen durften viele Hilfsangebote in ihrer gewohnten Form nicht mehr stattfinden. Die Suppenküche durfte kein Essen mehr ausgeben, öffentliche Toiletten wurden geschlossen, Trinkbrunnen abgestellt. Schon im Sommer war das Leben der Obdachlosen damit noch einmal um einiges schwieriger geworden. Doch nun steht die kalte Jahreszeit vor der Tür und den Menschen auf der Straße droht neben einer Unterversorgung mit Essen und Trinken auch die Kälte.

Dortmund: Lange Wartezeiten vor Essensaufgabe für Obdachlose

„Es ist ein echter Hilferuf der Wohnungslosenhilfe“, schreiben die Grünen in einer Pressemitteilung. Und auch die CDU spricht von einer extrem angespannten Situation bei den Wohnungs- und Obdachlosen. Beide Parteien in Dortmund fordern, dass Obdachlose ein zusätzlicher Aufenthaltsort geschaffen wird und dass die Grundversorgung der wohnungs- und obdachlosen Menschen in der Winterzeit gewährleistet wird. Denn schon jetzt droht aufgrund langer Wartezeiten bei den wenigen Lebensmittelausgaben eine Unterversorgung vieler Obdachlosen.

Die meisten Anlauflaufstellen seien aufgrund der geltenenden Coronaschutz-Bestimmungen noch immer nicht geöffnet, so die Grünen. Not-Lösungen, die für die Versorgung der Menschen von den Hilfsorganisationen geschaffen wurden, seien jedoch nicht wetterfest. Deshalb brauche es für die kalte Jahreszeit unbedingt einen innenstadtnahen, überdachten Ort „zur Sicherstellung einer menschenwürdigen Grundversorgung“, so die CDU.

Dortmund: Großzelt könnte Lösung für Obdachlose sein

Wärme tanken, essen, trinken, sich ausruhen - die Lösung dafür könnte ein Großzelt auf dem Parkplatz gegenüber des Gast-Hauses an der Rheinischen Straße sein. Auch die Bereitstellung von eingelagerten Zelten, Containergebäuden oder Toilettenanlagen, die während der Flüchtlingskrise im Einsatz waren, sind im Gespräch. Zudem könnten ehemalige Erstaufnahmeeinrichtungen reaktiviert werden. Hilfsorganisationen sollen zudem zusätzliche finanzielle, logistische oder personelle Hilfen zu Verfügung gestellt bekommen.

Entsprechende Anträge der beiden Fraktionen wurden zur Prüfung in den Rat der Stadt Dortmund eingebracht. Ziel ist es, so auch zu einer allgemeinen Entspannung der Lage, vor allem in der Innenstadt, beizutragen. Denn die fehlenden Aufenthaltsmöglichkeiten ließen sich laut CDU auch an der zuletzt stark gestiegenen Zahl obdachloser Menschen ablesen, die sich tagsüber dauerhaft im Innenstadtbereich aufhielten - das wiederum rief einige Konflikte hervor.

Dortmund: Konflikte zwischen Anwohnern und Obdachlosen verschärfen sich

Denn auch wenn es hauptsächlich um die Obdachlosen selbst geht, geht es irgendwie auch um die Anwohner der Stadt. Denn seit Obdachlose kaum noch Zugang zu Toiletten oder sonstigen sanitären Einrichtungen finden, sinke auch die Akzeptanz der Anwohner in Dortmund beträchtlich, so die Grünen. Konflikte zwischen Anwohnern und Obdachlosen hätten sich deutlich verschärft (mehr Nachrichten aus Dortmund auf RUHR24.de).

„Es besteht also dringender Handlungsbedarf für einen ausreichend großen, innenstadtnahen überdachten Ort zur Essensausgabe. Als temporärer Aufenthaltsort sollte er auch mit einer Toilettenanlage ausgestattet sein“, erklärt Ulrich Langhorst von den Grünen. Und auch die CDU fordert ein kommunales Soforthilfeprogramm, welches in enger Abstimmung mit den Hilfsorganisationen die Grundversorgung der Obdach- und Wohnungslosen in Dortmund sicher stellen soll.

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