Antworten zu Covid-19

Gehören Asthmatiker zur Risikogruppe? Wann hilft ein Mundschutz? Dortmunder Arzt klärt Fragen zum Coronavirus

Klinikdirektor Dr. Bernhard Schaaf aus Dortmund beantwortet die häufigsten Fragen zum Coronavirus.
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Klinikdirektor Dr. Bernhard Schaaf aus Dortmund beantwortet die häufigsten Fragen zum Coronavirus.

Wie schützt man sich vor Covid-19? Warum liegen Patienten auf dem Bauch? Und was bringt ein Mundschutz? Ein Arzt aus Dortmund klärt Fragen zum Coronavirus. 

  • Auch in Dortmund haben sich Hunderte Menschen mit dem Coronavirus* angesteckt.
  • Die häufigsten Fragen zu der Erkrankung hat jetzt ein Experte des Klinikums Dortmund beantwortet. 
  • Etwa, warum Covid-19-Patienten stundenlang auf dem Bauch liegen.

Dortmund - Derzeit werden bis zu 14 Patienten gleichzeitig wegen Covid-19 auf der Intensivstation in Dortmund behandelt. Was dort passiert, wie man sich vor dem Coronavirus schützt und wann man wieder unbeschwert ins Freie gehen kann, hat Lungenexperte Dr. Bernhard Schaaf vom Klinikum Dortmund beantwortet, berichtet RUHR24.de*.

Coronavirus in Dortmund: Experte des Klinikums beantwortet häufige Fragen

Bevor das Coronavirus überhaupt Schaden im Körper anrichten kann, muss es erst einmal dorthin gelangen. Meist stecken sich weitere Personen bei der Arbeit an, sagt Schaaf: "Auch im medizinischen Bereich sind Kontakte nicht zu vermeiden. Insbesondere, weil Menschen auch ansteckend sein können, ohne selbst krank zu sein", sagt er in einer Pressemitteilung des Klinikums Dortmund.

Eine Ärztin misst die Temperatur bei dem Besucher eines Krankenhauses.

Dabei sei vor allem das Rachensekret infektiös, das sich beim Sprechen, Husten und Niesen in der Luft verteilt. Auch im Stuhl ist das Virus nachzuweisen. "Ob man sich darüber wirklich anstecken kann oder das Virus lediglich nachweisbar ist, ist aber noch unklar", sagt der Lungenexperte.

Die derzeitigen Maßnahmen würden jedoch Wirkung zeigen, sagt Schaaf. Nun müsse abgewartet werden, wie sich die Kurve der Neuinfektionen entwickelt.

Coronavirus: Nach der Ansteckung droht eine Lungenentzündung

Rund 80 Prozent der mit dem Coronavirus Infizierten zeigen kaum Symptome wie Reizhusten, Fieber oder Kopfschmerzen. "Wir gehen sogar davon aus, dass ein Teil der Patienten gar keine Symptome bekommt. Die meisten Betroffenen geben aber Geschmacks- und Riechstörungen an", sagt der Direktor der Klinik für Pneumologie in Dortmund. Sprich: Das Essen schmeckt nicht mehr besonders.

Patienten, die wegen der Covid-19-Erkrankung beatmet werden müssen, haben hingegen immer eine Lungenentzündung: "Wir haben einige Patienten, die invasiv, das heißt mit einem Schlauch in der Luftröhre, beatmet wurden und jetzt wieder normal atmen können", berichtet Schaaf. Manchmal dauere es allerdings noch einige Wochen, bis die Lunge sich komplett erholt habe.

Was passiert bei einem schweren Verlauf von Covid-19?

Wer sich das Coronavirus einfängt und eine Lungenentzündung entwickelt, muss im Zweifelsfall sogar beatmet werden. Davon bekommen die Patienten jedoch kaum etwas mit, sagt Dr. Schaaf: "Dafür wird eine sogenannte Schlafnarkose verwendet. Anders als bei einer Operation, bei der die Muskulatur komplett erschlafft, wird bei der Schlafnarkose meist nur wenig Schlafmittel verwendet." Die Patienten sind dabei teilweise noch ansprechbar.

Ärzte behandeln eine Patientin auf der Intensivstation in Italien.

Wer eine schlimme Coronavirus-Erkrankung hat, werde hingegen oft in einen tieferen Schlaf gelegt. "Dabei liegen die Patienten bis zu 14 Stunden auf dem Bauch. So wird die Lunge besser belüftet und die Patienten müssen weniger stark beatmet werden", erklärt Schaaf das Vorgehen. Die Bauchlage helfe auch Patienten, die noch keine Beatmung benötigen. "Wir empfehlen daher allen Patienten mit Covid-Lungenentzündung, sich mehrmals in 24 Stunden für ein bis zwei Stunden auf den Bauch zu legen."

Im Klinikum Dortmund gibt es einige Patienten, die auf diese Weise beatmet wurden und denen es nun wieder besser geht. Bei anderen Patienten wird die invasive Beatmung gar nicht erst nötig.

Coronavirus: Wann muss man überhaupt ins Krankenhaus?

Ins Krankenhaus muss man allerdings nicht schon bei Fieber allein, sagt der Arzt. Wem es sonst gut gehe und wer keine Luftnot habe, könne noch etwas abwarten.

"Habe ich anhaltende Luftnot, und atme ich zu schnell, sollte ich auf jeden Fall meinen Arzt anrufen oder mich im Klinikum Nord vorstellen." Meist wird die Erkrankung fünf bis sieben Tage nach den ersten Symptomen schlimmer, sagt Schaaf.

Coronavirus: Gehören Asthmatiker automatisch zur Risikogruppe?

Wer bis in die Jugend Asthma hatte, muss jetzt nicht zur Risikogruppe zählen, sofern das Asthma wieder verschwunden ist, sagt Schaaf. Anders sehe das bei Personen mit allergischem Asthma aus: "Da kommt es wie bei vielen anderen Vorerkrankungen auf die medikamentöse Einstellung an."

Werden die richtigen Medikamente regelmäßig eingenommen, sei das Infektionsrisiko nicht unbedingt erhöht. Asthmatiker, die Cortison-Spray nehmen, halten die Schleimhaut der Lunge intakt und standhafter gegen das Virus.

Zuletzt sorgte das

Klinikum Dortmund mit einer riskanten Operation für Aufsehen, die einem BVB-Fan

wohl das Leben rettete. 

Übrigens: Homeoffice bei Ärzten? Geht das? Das Klinikum Dortmund zeigt in einem lustigen Video, wie das Coronavirus den Alltag der Ärzte umgeworfen hat und es nun wieder etwas mehr in Richtung Normalität geht. 

Ist das Gesundheitssystem in Deutschland wegen Covid-19 überlastet?

"Im Moment sind wir weit davon entfernt", sagt Lungenarzt Dr. Schaaf. "Die Kliniken sind gut vorbereitet und haben Kapazitäten für Covid-Patienten geschaffen." Aktuell seien rund 40 Prozent der Betten in den Krankenhäusern frei.

Entwarnung könne man jedoch nicht geben. Es gelte weiterhin, Abstand zu halten und die Kurve der Neuinfektionen so weiter flach zu halten.

Übrigens: Jetzt kommt in fast ganzDeutschland die Maskenpflicht. Hier kommen Menschen in Zeiten der Coronavirus-Krise noch an Masken. Denn es gibt Alternativen

Coronavirus: Was bringt ein Mundschutz?

Den Nutzen eines Mundschutzes sieht der Klinikdirektor Bernhard Schaaf kritisch: "Primär schützt ein OP-Mundschutz andere und nicht einen selbst", sagt Schaaf. Diese Theorie unterstützt auch Professor Christian Drosten in seinem Corona-Update. Ob die Infektionsgefahr sinke, wenn es eine Maskenpflicht gebe, hänge von vielen Faktoren ab, sagt Schaaf.

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Wir sind sprachlos angesichts dieser tollen Geste: Die Dortmunder Stadtwerke – DSW21 (@einundzwanzig.de) haben dem Klinikum #Dortmund 7.000 FFP2-Schutzmasken zur Verfügung gestellt. „Der eklatante Mangel an Schutzausrüstung gerade in Kliniken und Pflegeeinrichtungen sorgt bei den Menschen in der #Coronakrise zusätzlich für große Beunruhigung“, sagt Guntram Pehlke, Vorstandsvorsitzender von DSW21. „Wir helfen dem Klinikum in der aktuell schwierigen Situation gerne. Das Personal dort leistet herausragende Arbeit. Diese Solidarität unter städtischen Unternehmen ist für uns eine Selbstverständlichkeit.“ ▪️ Mit der Spende trägt DSW21 dazu bei, den Engpass abzumildern. „Wir benötigen dringend FFP2-Masken für unser medizinisches Personal und für die Pflegekräfte, die infektiöse Patient*innen behandeln“, sagt Rudolf Mintrop, Vorsitzender der Geschäftsführung der Klinikum Dortmund gGmbH. „Angesichts der Lieferengpässe bei Schutzausrüstung kommt die Unterstützung von DSW21 wie gerufen.“ - Danke für so viel Solidarität in schwierigen Zeiten. #flattenthecurve #bodydistancing #corona #covid #covid19 #sarscov2 #dortmundstehtzusammen #echteliebe #echtefreunde

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Insbesondere davon, wie die Menschen sich ansonsten verhalten: "Schlecht wäre, wenn sich alle mit Maske sicher fühlen würden und auf andere Vorsichtsmaßnahmen verzichten." Am besten seien weiterhin Abstand und Durchlüftung im Raum. Dennoch stellen immer mehr Firmen Mundschutz-Masken her, so wie der Spielzeughersteller Playmobil.

In NRW gibt es weitere Lockerungen in der Coronavirus-Krise - was bedeutet das jetzt für die Einwohner im Bundesland.

Wann können Menschen aus Risikogruppen wieder unbedarft ins Freie?

Stellt sich die Frage, wann Personen ab 65 Jahren wieder gefahrlos aus dem Haus gehen können. Die Antwort des Experten ist ernüchternd: "Es wird noch relativ lange dauern, bis kein Infektionsrisiko mehr besteht." Der Infektiologe hatte wegen der Coronavirus-Pandemie bereits vor fast zwei Wochen zur Geduld* gemahnt.

Mit einer Prognose tue er sich schwer. Wenn ältere Personen genug Abstand halten würden, könnten sie trotz Coronavirus-Pandemie gerne aus dem Haus gehen.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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