Gesund durch die Covid-19-Pandemie

Psychotherapeut aus Dortmund rät: So übersteht man die Coronavirus-Krise

Die Coronavirus-Krise ist für viele Menschen eine mentale Belastungsprobe. Ein Psychotherapeut aus Dortmund rät zu viel Struktur und neuen oder alten Hobbys.

  • Die Coronavirus-Krise belastet viele Menschen.
  • Ein Psychotherapeut aus Dortmund erklärt, wie man sich Ängsten stellen kann.
  • Besonders eine feste Tagesstruktur und Hobbys können helfen, gesund durch die Krise zu kommen.

Dortmund/NRW - Wochenlang in der Wohnung ausharren, kaum am öffentlichen Leben teilnehmen oder Freunde treffen: Für viele Menschen wird die Coronavirus-Krise auch zu einer mentalen Belastungsprobe. Dr. Harald Krauß, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Marien Hospital in Dortmund, gibt Tipps, wie man diese Zeit besser übersteht, berichtet RUHR24.de*.

Psychotherapeut aus Dortmund rät: So übersteht man die Coronavirus-Krise

Volle Innenstädte und lange Schlangen vor den Ikea-Möbelhäusern am Wochenende* haben es gezeigt: Es zieht die Menschen in NRW wieder nach draußen. Viele sehnen sich in der Coronavirus-Pandemie mehr und mehr nach ihrem Alltag zurück. Belastend ist auch, dass gar nicht klar ist, ob und wann alles wieder wie vorher sein wird.

Dr. Harald Krauß, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Marien Hospital in Dortmund.

Deshalb rät Chefarzt Dr. Harald Krauß dazu, über eigene Unsicherheiten zu sprechen und dem Tag Struktur zu geben. Auch Abwechslung sei gut, sagt der Psychotherapeut aus Dortmund. Denn die "reale körperliche Bedrohung" durch Covid-19 zu beurteilen, das sei gar nicht so einfach: "Wir kennen die Bilder und Zahlen aus Italien und Spanien, hier in Dortmund sind aber nur wenige Menschen erkrankt. Einige sterben, andere spüren die Infektion kaum oder gar nicht. So schwankt der Einzelne zwischen Panik oder Leichtsinn", sagt er.

Psychotherapeut rät zu fester Tagesstruktur gegen Coronavirus-Blues

Problematisch werde es, wenn die Angst ein Ausmaß annehme, das keinen normalen Alltag mehr zulässt und allen anderen Dingen des Lebens den Raum nehme: "Es entsteht eine Spirale aus schlechter Stimmung und Grübelei, die sich verdichten kann und scheinbar keinen Ausweg mehr bietet." Das gelte bei anderen Ängsten, etwa vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, vor Schulden oder Einsamkeit genauso.

Um das in der Corona-Krise zu verhindern, rät der Chefarzt zu einer festen Tagesstruktur: "Zu festen Zeiten aufstehen, regelmäßige Mahlzeiten, jeden Nachmittag ein Spaziergang – das alles gibt uns Stabilität in einer Zeit, in der nichts mehr so scheint, wie es einmal war."

Zudem sollte man soziale Kontakte auch in der Krise nicht vernachlässigen. Regelmäßiges Telefonieren und chatten bringe Abwechslung und nehme das Gefühl der Isolation. 

Übrigens: Homeoffice bei Ärzten? Geht das? Das Klinikum Dortmund zeigt in einem lustigen Video, wie das Coronavirus den Alltag der Ärzte umgeworfen hat und es nun wieder etwas mehr in Richtung Normalität geht.

Coronavirus-Krise: Hobbys und Bewegung im Freien tun gut

Damit es zu Hause nicht so schnell langweilig wird, können alte oder neue Hobbys helfen: "Warum nicht die lang vergessene Klarinette wieder aus der Schublade holen? Wir sollten uns um weitgehende Normalität bemühen", rät Dr. Krauß.

Dabei sollte auch die Bewegung nicht vernachlässigt werden - wenn auch mit genügen Abstand im Freien: "Das können Gymnastik oder Yoga in den eigenen vier Wänden oder die Jogging-Runde im Park sein. Überhaupt tut frische Luft unserem Wohlbefinden gut." Zur Not könne es aber auch der Frühjahrsputz sein.

Menschen in systemrelevanten Berufen sind besonders gefährdet

Besonders gefährdet sind Menschen, die in systemrelevanten Berufen, etwa als Pflegekräfte oder Ärzte arbeiten. Ihnen rät der Psychotherapeut aus Dortmund zu regelmäßiger Entspannung: "Niemand kann dauerhaft hundert Prozent oder gar mehr geben. Das funktioniert eine gewisse Zeit, aber dann müssen die Batterien wieder aufgeladen werden."

Dabei sei es sehr individuell, wie und wo jemand am besten entspannen kann. Generell sei es hilfreich sich ausreichend zu bewegen und in die Natur zu gehen, sagt Dr. Krauß: "Das bietet einen wertvollen Ausgleich und ist wichtig für unser Immunsystem."

Das Interview mit Dr. Harald Krauß ist zuerst im Magazin des Johannes-Hospitals Dortmund erschienen. ffo

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