Coronavirus im Ruhrgebiet

Dortmund und Covid-19: Warum die Stadt so gut durch die Krise gekommen ist - und wie es jetzt weitergeht

+
Laut Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken war Dortmund auf Covid-19 gut vorbereitet - und hatte etwas Glück.

Dortmund ist vergleichsweise gut durch die Coronavirus-Krise gekommen. Neben guter Vorbereitung war aber auch Glück im Spiel.

  • In Dortmund sind vergleichsweise wenig Menschen an Covid-19 gestorben.
  • Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken führt das auf Vorbereitungen und etwas Glück zurück.
  • Doch die Coronavirus-Krise ist noch nicht gebannt.

Dortmund - Vergleichsweise wenige Tote, nur rund 700 Fälle bei 600.000 Einwohnern: Dortmund ist in der Coronavirus-Pandemie ziemlich gut weggekommen. Das hat mehrere Gründe.

Coronavirus in Dortmund: Gesundheitsamt hat früh getestet und nachverfolgt

In Dortmund haben sich bislang 700 Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Das ist für eine Großstadt mit rund 600.000 Einwohnern recht wenig. Auch die Zahl der Toten - bislang sind es vier - ist gering.

Bei den Infizierten pro 100.000 Einwohner belegt Dortmund damit Platz 46 von 53 Kommunen in NRW. Ein sehr guter Wert, auch im Vergleich mit den Nachbarkommunen (siehe Tabelle).

Doch dass Dortmund bislang so gut durch die Coronavirus-Pandemie gekommen ist, liegt nur zum Teil an Vorbereitung. Teilweise gab es auch strukturelle Vorteile und etwas Glück. Das sagte zumindest Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts in Dortmund, zuletzt im DKH Talk mit Prof. Aladin El Mafaalani.

Infizierte

Todesfälle

Genesene

Fälle /100.000 Einw.

Kreis Recklinghausen

1116

26

853

181

Dortmund

691

6

598

118

Kreis Unna

623

28

363

158

Bochum

431

16

382

118

Ennepe-Ruhr-Kreis

392

13

310

121

Hagen

267

9

181

141

Quelle: Land NRW (Stand: 6. Mai 2020)

In den Nachbarkommunen hat der Kreis Recklinghausen die meisten Fälle zu vermelden. Er ist jedoch mit fast 620.000 Einwohnern auch der bevölkerungsreichste in ganz Deutschland.

Besonders viele Tote haben der Kreis Unna sowie ebenfalls Recklinghausen zu vermelden. Das lag zum Teil aber auch an vielen Fällen in Altenheimen.

Coronavirus in Dortmund: Genug Personal im Gesundheitsamt

Eine wesentliche Erklärung ist laut Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts in Dortmund: Sein Amt habe schlichtweg ausreichend Personal im Infektionsschutz, um eine solche Krise stemmen zu können. "Das ist auch sehr sinnvoll, wenn wir in einem solchen Fall in der Lage sein sollen, die Bevölkerung von Anfang an zu schützen."

Dr. Renken, Leiter des Gesundheitsamts in Dortmund, bei einer Pressekonferenz mit Stadtsprecherin Anke Widow.

Eine Nachbarkommune habe für 180.000 Einwohner noch nicht mal zwei Gesundheitsaufseher zur Verfügung. "Diese Kommune steht im Moment zahlenmäßig sehr schlecht da", sagt Renken. "Ich behaupte einfach, da gibt es einen Zusammenhang". Um welche Kommune es genau gehe, sagte er nicht. Die Einwohnerzahl würde jedoch zu Hagen passen.

"Irgendwann hat es uns auch ein wenig überrollt", gibt Renken zu. Dennoch stehe man in der Pandemie landesweit gut da, auch bei der geringen Sterblichkeit. Zu verdanken sei das allein der Verwaltung in Dortmund, die auch die Personalkosten trägt. "Da haben uns die Bundes- und die Landesebene nicht eine Sekunde geholfen", kritisiert Renken.

Dortmund: Großstädte haben Vorteile in der Coronavirus-Pandemie

Großstädte haben in der Regel Vorteile gegenüber kleineren Kommunen. "Wir können nicht davon ausgehen, dass alle Kommunen so aufgestellt sind." Dort gebe es teilweise kaum Ärzte, die im Infektionsschutz bewandert seien. Das sei auch unabhängig vom Coronavirus verbesserungswürdig.

Das galt auch für den Nachweis. Dass, wie in Dortmund, gleich zwei große Labore die Tests auf Covid-19 übernehmen konnten, sei "Glück und ein Strukturvorteil" gewesen. Laut Renken sie dies aber Zufall, und nicht Planung. Die Landesebene müsse hier strukturell helfen, um das zu verbessern, fordert er.

Klinikum Dortmund: Intensivbetten waren nicht ausgelastet

Wie in ganz Deutschland standen auch in Dortmund  vergleichsweise viele Intensivbetten zur Verfügung. Weil die Covid-19-Pandemie durch die Kontaktsperre gut eingedämmt werden konnte, reichten diese aus, heißt es auch vom Klinikum gegenüber RUHR24: "Ausgelastet waren wir nie."

Das sah im Kreis Unna bereits vor dem Lockdown teils anders aus, wie der Westfälische Anzeiger berichtet. Etwa in Bönen wurden bereits im Februar Patienten abgewiesen. Zu Beginn der Corona-Pandemie wurden jedoch auch dort die Kapazitäten verdoppelt und verdreifacht.

Worüber die Lockerungen jedoch häufig hinwegtäuschen: In Dortmund werden weiter 23 schwer an Covid-19 erkrankte Menschen im Krankenhaus behandelt. Neun von ihnen liegen derzeit noch auf der Intensivstation, sieben werden gar beatmet.

Coronavirus in Dortmund: Wie ist der Ausblick?

Auch wenn die Politik der schwarz-gelben Landesregierung unter Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bei den Kommunen Schäden hinterlassen haben dürfte, sind die Aussichten derzeit gut, auch für Dortmund. Am Mittwoch wurden weitere Lockerungen für NRW im Zusammenhang mit dem Coronavirus angekündigt, wenn auch die Kontaktsperre bis Anfang Juni verlängert wurde.

In Dortmund liegt die Zahl der aktiv mit Covid-19 Infizierten derzeit bei deutlich unter 100. Doch das Gesundheitsamt geht davon aus, dass erst 6.000 Menschen (ein Prozent) immun gegen das Virus sind. Für eine Herdenimmunität reicht das, Dunkelziffer schon eingerechnet, längst nicht aus.

So sieht die erste Bilanz im Kampf gegen das Coronavirus in den Städten im Ruhrgebiet aus. Die Stadt Dortmund kommt im Corona-Vergleich zu Bochum, Hamm oder Hagen gut weg. 

Dortmund: Ohne Geisterspiele wird es in der Corona-Krise nicht gehen

"Die Frage ist jetzt: Wie viel mehr Infektionsrate können wir für Dortmund tolerieren, ohne dass zu viele Menschen sterben", gab Renken im DKH-Talk zu bedenken. Ob es möglich sei, einen eventuell zu schnellen Wiederanstieg der Krankheitszahlen zu erkennen, wisse man nicht, sagte Renken.

Dies müsse zudem gegen die wirtschaftlichen und psychischen Folgen für die Menschen abgewägt werden. "Das macht es so schwierig und die Öffnungsdiskussion so wichtig." Dass in absehbarer Zeit wieder Fußballspiele mit Zuschauern in Dortmund stattfinden, glaubt Renken indes nicht: "Großveranstaltungen kann ich mir erst in eineinhalb Jahren vorstellen - oder wir haben eine Impfung."

Mehr zum Thema