Covid19-Pandemie

Corona in Dortmund: „Deutliche Lageveränderung“ – zwei Bezirke bereiten Sorgen

Die Stadt Dortmund will die Corona-Maßnahmen jetzt noch stärker kontrollieren - auch durch die Polizei.
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Dortmunds Gesundheitsamtsleiter Frank Renken ist aufgrund der Corona-Lage besorgt. Die Stadt will die Maßnahmen auf der Straße strenger kontrollieren.

Dortmund beschreibt die Corona-Lage in der Stadt aktuell als äußerst ernst. In einer außerplanmäßigen Pressekonferenz gab es am Freitag ernste Töne.

Dortmund - Die Situation rund um die Corona-Pandemie spitzt sich in Dortmund weiter zu. Krisenstabsleiterin Daniela Schneckenburger sprach bei einer spontan einberufenen Pressekonferenz am Freitag (23. Oktober) von einer „deutlichen Lageveränderung“.

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OberbürgermeisterThomas Westphal (ab 1. November)

Corona in Dortmund: 7-Tage-Inzidenz bei fast 100

Laut Berechnungen der Stadt Dortmund habe die Westfalenmetropole am Freitag eine 7-Tage-Inzidenz von etwa 100 erreicht. Das Robert Koch-Institut hatte am Freitag noch eine weit niedrigere Zahl von 61,5 genannt, weil durch ein Serverproblem Zahlen falsch übermittelt worden waren. „Die Lage ist wirklich ernst“, sagte Schneckburger. Jeder Dortmunder sei jetzt bei der Eindämmung der Pandemie gefragt.

Daniele Schneckenburger ist Krisenstabsleiterin der Stadt Dortmund während der Corona-Pandemie.

Die Krisenstabsleiterin riet Bürgern dazu, täglich ihre Kontakte zu dokumentieren, um bei einer Corona-Infektion schnell die Infektionsketten zu durchbrechen. Das würde auch dem Gesundheitsamt bei der Kontaktnachverfolgung helfen.

Aktuell fast 1000 Menschen in Dortmund mit Corona infiziert

Aktuell sind fast 1000 Menschen in Dortmund mit dem Coronavirus infiziert, sagte Dr. Frank Renken, Chef des Gesundheitsamts. Das Problem sei, dass zeitgleich der Anteil der Betroffenen ein höheres Alter habe, als noch im Sommer. „Das muss uns Sorge bereiten. In dieser Altersgruppe liegt die größte Krankheitslast verursacht durch COVID-19“, so Renken.

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Er verwies darauf, dass sich das Virus über den Sommer fast unbemerkt in der jungen Bevölkerung habe ausbreiten können. In der Regel seien diese Infektionen allerdings ohne Symptome verlaufen. Inzwischen seien so viele junge Menschen - oft unwissentlich - infiziert, dass sie das Virus in die Familien und damit auch in die ältere Bevölkerungsgruppe getragen hätten. So sei nach Ansicht Renkens der sprunghafte Anstieg der Corona-Zahlen zu erklären.

Zahl der mit Corona infizierten im Krankenhaus steigt in Dortmund

Dass das auch Auswirkungen auf die Krankenhausbetten hat, zeigen die Zahlen der aktuell belegten Corona-Betten in Dortmund. Innerhalb von nur drei Wochen stieg die Zahl von 12 auf 56. Das sei ein deutlicher Anstieg, so Renken, allerdings auf niedrigem Niveau. Das gefährliche sei der exponentielle Anstieg dieser Zahl.

Auffällig in Dortmund ist auch, dass sich das Coronavirus nicht homogen über das gesamte Stadtgebiet verteilt, sondern insbesondere in zwei Stadtbezirken besonders gehäuft auftritt: in der Nordstadt und in Eving. Bereits im Juli dieses Jahres waren der Stadt entsprechende Zahlen ins Auge gesprungen.

Nordstadt von Dortmund wird zum Corona-Problem

Laut Renken gebe es insbesondere in der Nordstadt viele Menschen, die sich in Medien aus anderen Ländern über das Coronavirus informieren würden. Die Stadt sei dabei, diese Menschen - auch in ihrer Muttersprache - über die Lage in Dortmund zu informieren. Zu den Maßnahmen zählen Internet-Videoclips, Broschüren oder auch Streetwork-Arbeit in der entsprechenden Muttersprache dieser Menschen. Darin werde über AHA-Regeln oder Quarantäne-Maßnahmen informiert.

Heike Tasillo, stellvertretende Leiterin des Ordnungsamtes, kündigte unterdessen an, noch mehr Kräfte des Ordnungsamts auf die Straße zu schicken, um den Kontrolldruck zu erhöhen und den Bürgern die Maßnahmen ins Gedächtnis zu rufen. Zunächst würden es ihre Mitarbeiter mit einer freundlichen Ansprache versuchen.

Stadt Dortmund will bei Einhaltung Corona-Regeln härter durchgreifen

Zeitgleich kündigte Tasillo aber auch strenges Durchgreifen an. Wer etwa die Maskenpflicht (hier gibt es eine Übersicht, über alle betroffenen Areale in Dortmund) nicht befolge, müsste 50 Euro Strafen zahlen. Tasillo: „Es ist jetzt wichtig, dass wir diesen Anstieg unterbrechen. Jeder ist mitverantwortlich.“ Zusätzlich zum Ordnungsamt werde die Polizei mithelfen, die Einhaltung der Maßnahmen zu kontrollieren.

Unterdessen gibt es Sorge um die Austragung des Dortmunder Weihnachtsmarkts. Während die Mega-Tanne auf dem Hansaplatz bereits im Aufbau ist, ist noch ungewiss, ob das Event überhaupt stattfinden kann. „Es ist noch nichts entschieden“, so Stadträtin und Krisenstabsleiterin Daniela Schneckenburger. Die Grünen-Politikerin: „Wenn wir Glück haben mit unseren Maßnahmen, dann könnte es klappen.“

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