#Coronaeltern

Coronavirus: Wenn Homeschooling auf Homeoffice trifft - so geht es Eltern und Lehrern in Dortmund

Unter #Coronaeltern machen Eltern ihrem Ärger Luft. Denn wo Homeschooling auf Homeoffice trifft, führt das vor allem zu Frust und Erschöpfung.

  • Von politischen Entscheidungsträgern übersehen? Unter #Coronaeltern fordern verzweifelte Eltern Hilfe.
  • Sie fühlen sich mit der Aufgabe des Homeschooling alleingelassen.
  • In Dortmund traf auch die Lehrer das Projekt Homeschooling nahezu unvorbereitet.

Dortmund - Der Tenor unter #Coronaeltern ist überall nahezu derselbe: Homeschooling und Homeoffice - das funktioniert zusammen einfach nicht. Nur in den seltensten Fällen, schaffen Eltern derzeit ihren beruflichen Alltag und das Homeschooling ihrer Kinder erfolgreich zu meistern. Viel häufiger scheint dagegen: Frustration, Streit und Erschöpfung. 

#Coronaeltern: Coronavirus-Lockdown bringt Eltern an ihre Grenzen

Eltern am Limit. So muss man verstehen, was in sozialen Medien derzeit unter #Coronaeltern gepostet wird. Unter dem Hashtag machen frustrierte Eltern ihrem Ärger Luft. Viele fühlen sich mit der Aufgabe, plötzlich ihre Kinder unterrichten zu müssen, allein gelassen. Wer noch dazu selbst aus dem Homeoffice arbeiten muss, steht mitunter vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe. Und nicht selten muss neben dem Homeschooling und dem Homeoffice noch ein Kita-Kind beschäftigt - und auch gefördert werden. 

Ungewöhnlich ist das nicht: Mama und Papa versuchen zu arbeiten, ein Kind im Schulalter soll die von der Schule zugeschickten Aufgaben erledigen und der kleinste Spross der Familie matscht im Brei herum oder hält so gar nicht davon "jetzt einmal kurz still zu sein".

#Coronaeltern: Schule öffnet wegen Coronavirus nur für Abschlussklassen

Für Schüler, die kurz vor einem Abschluss stehen, werden die Schulen zwar derzeit nach und nach wieder geöffnet. Alle anderen Klassen müssen sich aber noch bis Mai gedulden. Kitas könnten abgesehen von der Notbetreuung für Kinder, deren Eltern alleinerziehend sind oder in systemrelevanten Berufen arbeiten, bis auf Weiteres geschlossen bleiben. Eine Lockerung in NRW verspricht jedoch Hoffnung: Ab dem 8. Juni können Eltern ihre Kinder wieder in die Kita schicken - es soll so etwas wie ein Regelbetrieb beginnen. Diese Maßnahme kam für viele Eltern früher als gedacht. 

Denn Eltern verlangt die Situation mitunter alles ab. Arbeiten von 5 bis 7 Uhr morgens, dann frühstücken mit den Kindern, Homeschooling, Fahrradfahren mit den Kleineren, Vorlesen. Und wenn die Kinder im Bett sind, geht es bis 23 Uhr wieder ins Homeoffice. Viele fragen sich: Wie lange kann und muss ich das noch durchhalten.

#Coronaeltern: Alltag unter dem Coronavirus überfordert viele

Wahnsinn? Oder Alltag? Auch an Mitarbeitern unserer Redaktion geht das Thema Homeschooling in Kombination mit Homeoffice nicht vorbei. Unsere Social Media Redakteurin Kerstin hat gleich drei Kinder, von denen zwei normalerweise in Dortmund-Holzen zur Schule gehen.

"30 Minuten lesen lernen bei einem Erstklässler, muss von uns Eltern beispielsweise 1 : 1 betreut werden", berichtet die dreifache Mutter. Selbst im Homeoffice zu arbeiten - daran braucht sie während der Homeschooling-Zeiten am Vormittag gar nicht zu denken.

#Coronaeltern: Homeschooling erfordert eigenständiges Lernen

Anders sieht es da schon in den höheren Klassen auf. Lena Müller, Lehrerin am Heisenberg Gymnasium in Dortmund schickt ihren Achtklässlern konkrete Aufgaben, die die Schüler eigenständig bearbeiten. Die Aufgaben stellt sie so, dass sie die Ergebnisse gut kontrollieren kann. 

"Zum Beispiel sollten die Schüler einen Essay über die Schulsituation unter den aktuellen Bedingungen schreiben. Dabei sollten sie die USA und Deutschland vergleichen. Die Texte wurden mir zugeschickt, und ich konnte den Schülern dann eine Rückmeldung dazu geben."

Der von den Behörden vorgesehene schulinterne Messenger, den Lehrer eigentlich zur Kommunikation mit ihren Schülern nutzen sollten, war zu Beginn der Homeschooling-Phase dann aber erstmal nutzlos. "Der Messenger wird deutschlandweit von Schulen genutzt, der ist einfach zusammengebrochen", weiß die Lehrerin, die selbst mit Kind aus dem Homeoffice arbeitet, zu berichten. 

Homeschooling: Eltern müssen Fahrplan vorgeben

Dennoch obliege den Eltern auch bei älteren Schülern die Aufgabe, den Tagesablauf zu strukturieren. Also den Kindern einen Fahrplan vorzugeben, wann am Tag welche Aufgaben erledigt werden müssen und wann Spielzeit ist. 

Home Office mit Kind? Das klappt selten gut

Die junge Lehrerin hat dazu ganz unterschiedliche Feedbacks von Eltern bekommen, wie das klappt. "Eine Mutter schafft es, alle ihre drei Kinder an den Tisch zu bekommen, wenn sie im Homeoffice ist. Die Kinder bearbeiten ihre Schulaufgaben, während die Mutter etwas arbeitet", erzählt die Deutsch- und Englischlehrerin. Eine andere Mutter hätte hingegen berichtet, dass ihre Tochter einfach lieber spielen würde und da nichts zu machen sei. 

Homeschooling: Noten gibt es keine

Bewertet und benotet wird derzeit sowieso nichts. Auch wenn von den Schülern nichts eingereicht wird, würde das nicht vermerkt, so die Lehrerin. Denn wer wüsste schon, unter welchen Bedingungen die Schüler zu Hause lernen müssten: Geteilte Kinderzimmer, ein Fernseher der ständig läuft, unmotivierte Eltern - vieles ist denkbar.

Dass durch die derzeitige Situation viele Schüler einfach "abgehängt" würden, ist auch in der Politik angekommen. Nicht zuletzt deswegen befürwortet Armin Laschet, Ministerpräsident in NRW eine stufenweise Rückkehr in den Schulbetrieb. Womöglich sogar noch vor den Sommerferien.

#Coronaeltern: Laschet fordert Kinder bei der Bewältigung der Krise nicht auf zu vergessen

"Nicht in jedem Haushalt kann man mit digitalen Bedingungen lernen. In einer Zwei-, Dreizimmerwohnung mit zwei, drei Kindern gibt es nicht die Möglichkeit, zu Hause zu lernen", so Laschet gegenüber der FAZ. Man müsse über Bildungsgerechtigkeit reden, so der Ministerpräsident weiter.

Neben der schwierigen Homeschooling-Situation beschäftigt viele Eltern zudem die seelische und körperliche Gesundheit ihrer Kinder - gleichaltrige Spielpartner fehlen, Spielplätze sind geschlossen, sodass den Kindern Bewegung an der frischen Luft fehlt, die Liste der Sorgen von Eltern in der Coronakrise ist lang. 

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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