Wegen Delta-Variante

Dortmunder Immunologe warnt vor Delta-Variante und vierter Corona-Welle

In Deutschland warnen Experten aktuell vor einer vierten Corona-Welle. Auch ein Immunologe aus Dortmund teilt seine Prognose.

Dortmund – Die sogenannte Delta-Variante des Coronavirus scheint sich in Europa auszubreiten. In Portugal und England häufen sich die Fälle. Und auch in Deutschland ist die Mutante schon angekommen. Droht die vierte Corona-Welle?

NameCorona, Covid-19
ErregerSars-CoV-2
Symptome (unter anderem)Fieber, trockener Husten, Müdigkeit

Vierte Corona-Welle? Experte aus Dortmund warnt

Der Dortmunder Immunologe Prof. Dr. Carsten Watzl vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund geht davon aus, dass die Delta-Variante schon bald das Infektionsgeschehen bestimmen könnte. „Im Herbst wird sie sich durchsetzen. Wie schwer sie wirkt und ob wieder ein Lockdown notwendig sein wird, hängt davon ab wie gut wir impfen“, so Watzl gegenüber den Ruhr Nachrichten.

Noch gibt es nur wenige Fälle mit der Delta-Variante des Coronavirus in Deutschland. In etwa 6 Prozent aller positiven Tests wurde sie nachgewiesen. In Dortmund ist bisher nur ein einziger Fall bekannt, dieser wurde am 11. Juni gemeldet.

Aktuell nehmen die gemeldeten Corona-Fälle aber grundsätzlich ab. Die Inzidenz in Deutschland liegt bei 9 (Stand: 20. Juni) und viele Städte, auch Dortmund, sind schon bei Lockerungsstufe 1 angekommen. Doch Watzl mahnt: „Wir müssen vorsichtig sein, aber es läuten noch nicht die Alarmglocken.“

Experte aus Dortmund warnt: Delta-Variante von Corona darf sich nicht ausbreiten

Die Corona-Mutante dürfe nach seiner Ansicht nicht die überhand im Infektionsgeschehen gewinnen. „Ich hätte Sorge, wenn alles andere fallen, Delta aber zunehmen würde. Damit würde man den Beginn einer vierten Welle sehen.“ Allerdings sei dieser Punkt noch nicht erreicht. Watzl sei „zuversichtlich“, dass die derzeit niedrigen Fallzahlen den Sommer über gehalten werden können.

Aus seiner Sicht sei ein aktueller Vorteil außerdem, dass eine detaillierte Kontaktverfolgung wegen niedriger Fallzahlen möglich ist. Aber was macht die Delta-Variante so gefährlich?

Die Mutation vereint, im Gegensatz zu anderen bekannten Corona-Varianten, zwei Eigenschaften, die bisher nur einzeln aufgetreten sind. „Sie ist ansteckender als die Alpha-Variante und sie entgeht dem Immunschutz etwas“, erklärt der Dortmunder Immunologe.

Vierte Corona-Welle? Kinder könnten Delta-Variante übertragen

Die Ansteckungsgefahr sei etwa doppelt so hoch wie bei dem Coronavirus-Urtyp, der sich vor rund einem Jahr ausgebreitet hat. Diese Eigenschaft könnte sich auf zwei Arten auswirken. „Zum einen tragen Leute mehr Viruslast in sich und scheiden damit auch mehr aus. Zum anderen ist weniger Virus nötig, damit man sich ansteckt“, so Watzl. Außerdem soll die Delta-Variante andere Symptome auslösen, als die eigentlich für Corona typischen.

Erfahrungen und Studien aus Großbritannien würden auch zeigen, dass Kinder und Jugendliche häufig Träger und Überträger der Virus-Variante sein können. Sie zeigen in der Regel nur milde oder gar keine Symptome. Ihre Infektion bleibt daher oft unentdeckt.

Kinder müssen sich in der Schule bereits auf Corona testen. Das könnte auch so bleiben.

„Man wird in Schulen weiter testen müssen und irgendwann vielleicht auch wieder die Masken rauskramen müssen. Man sollte anfangen, andere Konzepte wie Lüftungsanlagen oder Luftfilter jetzt zu organisieren“, sagt Watzl.

Delta-Variante könnte für vierte Corona-Welle sorgen: Appell von Experten

Aus Sicht den Immunologen sei es nun wichtig, dass die Variante möglichst nicht wie in Großbritannien durch Reiseverkehr nach Deutschland komme.

Dort wurden bereits Corona-Lockerungen wegen der Delta-Mutante verschoben. Dennoch sollen die geplanten EM-Spiele weiterhin in den Stadien in Großbritannien ausgetragen werden. Eine Entscheidung, die SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bereits kritisierte. Auch er warnt vor einer vierten Corona-Welle. Der Appell von den Experten lautet, Impfangebote anzunehmen und nicht damit zu warten, bis die Inzidenzen wieder steigen.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa, NIAID-RML; Collage: RUHR24

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