Mutationsfreude von Sars-CoV-2 

Vierte Corona-Impfung nötig? Virologe aus Dortmund sieht auch Nachteil

Die Corona-Zahlen in Dortmund steigen. Wird eine vierte Impfung mit einem angepassten Impfstoff nötig? Ein Dortmunder Virologe nimmt Stellung.

Dortmund – Eine neue Variante des Coronavirus breitet sich in Deutschland und damit auch in Dortmund aus. BA.5 ist dabei, BA.2 zu verdrängen. Gleichzeitig steigt die Corona-Inzidenz in Dortmund seit Tagen wieder. Brauchen wir bald die vierte Impfung?

Corona-Inzidenz Dortmund547,2 (Stand: 15. Juni)
Anteil COVID-19-Patienten an betreibbaren Intensivbetten3,31 Prozent
7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz4,70

Dortmund: Vierte Corona-Impfung – Virologe Carsten Watzl nimmt Stellung

Anlass zu der Annahme geben die neusten Ergebnisse des US-Pharmakonzerns Moderna, das aktuell an einem sogenannten „bivalenten“ Omikron-Impfstoff arbeitet. Auch das deutsche Unternehmen Biontech ist an einem solchen Vakzin dran.

Der angepasste Impfstoff soll vor allem besser gegen die Omikron-Variante des Coronavirus wirken, die aktuell in Deutschland vorherrschend ist. Noch herrscht aber Rätselraten, wie lange dieser angepasste Wirkstoff Immunschutz gegen die Corona-Variante bietet.

Coronavirus in Dortmund: Nächste Welle droht – ist vierte Impfung nötig?

Was ist nun also das Ziel der modifizierten Impfstoffe und was können wir von ihnen erwarten, wenn sich das Virus weiterhin so wandelfreudig zeigt – vor allem mit Blick auf die drohende Corona-Welle im Herbst?

Prof. Dr. Carsten Watzl, Leiter des Forschungsbereichs Immunologie an der TU Dortmund, hält eine vierte Impfung mit dem „bivalenten“ Impfstoff von Moderna für besser, als würde man die vierte Impfung mit den aktuellen Impfstoffen erhalten. Schon Ende 2021 hatte Watzl die Anpassung der Corona-Impfstoffe an die Omikron-Variante gefordert.

Neuer Corona-Impfstuff gegen Omikron-Variante: Dortmunder Virologe zeigt sich skeptisch

Gleichzeitig jedoch tritt Watzl auf die Euphoriebremse: Ob der neue Impfstoff auch effektiv ist und vor schweren Verläufen schützt, sei angesichts der aktuellen Datenlage unklar. Klar ist aber schon jetzt: Der neue Impfstoff ist gegen Omikron besser als der alte.

Prof. Dr. Carsten Watzl aus Dortmund.

Aber der neue Impfstoff hat einen Nachteil: Er schütze zwar besser gegen die Omikron-Variante, als frühere Impfstoffe, aber nicht besser gegen frühere Varianten, etwa der weitaus gefährlicheren Delta-Variante.

Dreifache Corona-Impfung, Infektion und angepasste Impfstoff bietet besten Schutz gegen Omikron

Wer dreifach geimpft ist, zusätzlich bereits Corona hatte und dann den an Omikron angepassten Impfstoff als vierte Impfung erhalte, zeige jedoch „sehr hohe neutralisierende Antikörper gegen Omikron“ und sei daher auch „wahrscheinlich sehr gut vor der Infektion und der Weitergabe des Virus geschützt“.

Watzls Fazit: „Daraus kann man ableiten, dass gerade die Kombination aus Impfung und Infektion (hybride Immunität genannt) langfristig den besten Schutz geben wird.“

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