Lösungen für Unterricht gefordert

Wegen Corona: Schul-Streit zwischen Dortmund und NRW-Landesregierung

Corona, Schule, Dortmund, NRW, Ministerium, Yvonne Gebauer, Daniele Schneckenburger, Thomas Westphal, Pandemie
+
Die Stadt Dortmund kritisiert das NRW-Schulministerium - wegen Unterricht in der Schule während Corona.

Die Corona-Maßnahmen des Landes NRW stoßen in Dortmund auf heftige Kritik. Der Plan für die Schulen sei keine „taugliche Lösung.“

Dortmund - Die Stadt Solingen wollte Anfang November die Idee des sogenannten Hybridunterrichts durchsetzen. 50 Prozent der Schüler sollten digital am Unterricht teilnehmen, 50 Prozent sollten vor Ort dabei sein. Eigentlich eine in der Coronavirus-Pandemie sinnvolle Idee. Das NRW-Schulministerium mit Ministerin Yvonne Gebauer (FDP) war jedoch nicht der Meinung und schmetterte die Idee ab.

StadtDortmund
Einwohner603.609 Einwohner
OberbürgermeisterThomas Westphal (SPD)

Schule während Corona-Pandemie: Stadt Dortmund schießt gegen NRW-Schulministerium

Bei den Kommunen in NRW (alle News über Corona in NRW im Live-Ticker von RUHR24) stieß diese Entscheidung übel auf, wie Daniela Schneckenburger (Jugend- und Schuldezernentin der Stadt Dortmund/Mitglied der Partei Die Grünen) auf der Pressekonferenz nach der Sitzung des Verwaltungsvorstandes am Dienstag (10. November) mitteilte. „Es war nicht verwunderlich, dass eine solche Debatte landesweit Wellen geschlagen hat.“

Aus Sicht von Daniela Schneckenburger sei die Entscheidung des NRW-Ministeriums, auf Präsenzunterricht zu setzen, keine „taugliche Lösung.“ Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) geht sogar einen Schritt weiter und kritisiert Yvonne Gebauer scharf: „Die Ministerin hängt in einer anderen Phase der Pandemie fest.“

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hält nichts von Hybridunterricht während Corona

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer habe auf dem Städtetag ihre Entscheidung verteidigt. Ein Hybridunterricht soll in Zukunft nur dann stattfinden, wenn es aufgrund von ausfallenden Lehrkräften nicht anders möglich ist. Eine landesweite Regelung sei nicht geplant. Laut Daniela Schneckenburger würde das nicht nur in Dortmund, sondern auch in anderen Kommunen auf Unverständnis stoßen.

Düsseldorf am Rhein

Doch wie könnte ein Unterricht in Zeiten der Coronavirus-Pandemie aussehen? Man sollte dabei, wie die Jugend- und Schuldezernentin der Stadt Dortmund sagt, nach Hessen schauen. Denn dort gibt es schon jetzt Stufenmodelle.

Vorschlag aus Dortmund: NRW soll es während Corona wie Hessen machen

In Hessen gibt es je nach Pandemie-Lage den angepassten Regelbetrieb (Stufe 1), den eingeschränkten Regelbetrieb (Stufe 2), das Wechselmodell mit Wechsel vom Präsenz- und Distanzunterricht (Stufe 3) und den Distanzunterricht (Stufe 4).

„Die Dortmunder Sicht hat definitiv Widerhall gefunden. Es wäre richtig, ein Stufenmodell auch in NRW einzuführen“, sagt Daniela Schneckenburger und fügt hinzu, dass die Schulkoordinatoren der Stadt Dortmund ebenfalls dieser Meinung seien. Auch unter Eltern und Lehrkräften würde die Idee, sich vom permanenten Präsenzunterricht in der Corona-Pandemie zu verabschieden, auf Zuspruch stoßen.

Video: Robert-Koch-Institut meldet am Dienstag (10. November) 15.332 Corona-Infektionen

Wie der (Hybrid-)Unterricht in Zeiten der Corona-Pandemie aus Sicht der Stadt Dortmund aussehen könnte:

  • Ein wöchentlicher Wechselunterricht könnte stattfinden, bei der die einen zu Hause bleiben und die anderen vor Ort Präsenz zeigen.
  • Falls die Möglichkeiten gegeben sind, könnten 50 Prozent der Klasse vor Ort und 50 Prozent digital mitmachen
  • Schüler arbeiten eher selbstständig zu Hause, wobei jüngere Schüler und die Abschlussklassen Präsenzunterricht haben
  • Ziel: den Schülerverkehr entlasten

Die Stadt Dortmund wäre auf den Ernstfall vorbereitet und könnte digitalen Unterricht aus Sicht von Daniela Schneckenburger stemmen. Aktuell habe man 6.000 digitale Endgeräte, bis zum Ende des Jahres würden noch einmal 14.000 hinzukommen.

Schule während Corona: Das letzte Wort haben nicht die Städte sondern das Ministerium

Das Problem: Die Schulen in Dortmund und die Stadt können nicht selbstständig handeln. Ein Erlass und eine Dienstvorschrift aus Düsseldorf seien vonnöten, um den Unterricht umzustellen. Doch da stellt sich aktuell noch Yvonne Gebauer als NRW-Schulministerin, wie am Beispiel der Stadt Solingen zu sehen ist, quer. Sie hat nicht die Absicht, die Rahmenbedingungen für den hybriden Unterricht zu schaffen, so Daniela Schneckenburger.

„Wir werden unsere Forderungen zusammen mit anderen Kommunen deutlich machen. Die Schulministerin ist langsam aber sicher sehr einsam mit ihrer Sichtweise“, so OB Thomas Westphal.

Mehr zum Thema