Auslegungssache

Durcheinander wegen Corona-Regeln: Warum eine Branche nur in Dortmund weitermachen darf

Restaurants, Einzelhandel oder Friseure – alle zu. Und noch eine, eher unscheinbare Branche ist vom zweiten Lockdown betroffen. Doch die Regeln werden unterschiedlich interpretiert.

Dortmund – Diese Branche dürften viele nicht direkt auf dem Schirm haben, wenn sie an die Auswirkungen des zweiten Lockdowns denken, der am 16. Dezember noch einmal verschärft wurde. Ein Blick in die Coronaschutzverordnung des Landes NRW zeigt auch, dass die Regierung offensichtlich nicht explizit daran gedacht hat, wie es eigentlich um die Hundeschulen während der Corona-Krise steht.

Corona-Lockdown: Müssen Hundeschulen schließen oder nicht

Denn in den aktuellen Regeln des zweiten Corona-Lockdowns werden Hundeschulen nicht gesondert genannt. So stellt sich für viele – sowohl für Hundetrainer als auch Hundebesitzer – die Frage, wozu das Lehrangebot für ihre Vierbeiner eigentlich zählt. Ist es ein Bildungsangebot? Oder eine Dienstleistung?

Rechnet man eine Hundeschule den außerschulischen Bildungsangeboten zu, müsste sie laut Paragraf 7 der aktuellen Coronaschutzverordnung vorerst bis zum 10. Januar schließen. In den meisten Städten in NRW wird das auch so gehandhabt. In Essen beispielsweise werden Hundeschulen ausdrücklich in den FAQ zu den geltenden Corona-Regelungen genannt.

Corona-Regeln: Verwirrung bei Hundeschulen in NRW

Es heißt: „Dürfen Hundeschulen betrieben werden? – Nein, da Bildungsangebote, die nicht unter die Ausnahmeregelungen des § 7 CoronaSchVO fallen, bis 10. Januar 2021 untersagt sind.“ Doch nur 30 Kilometer westlich von Essen sieht die Lage schon wieder ganz anders aus.

In Dortmund haben einige Hundeschulen geöffnet. Sie dürfen mit gewissen Einschränkungen weiterhin Training für Hunde anbieten. Allerdings nur für Welpen und Junghunde – oder im Einzeltraining. Außerdem müssen dabei, wie auch überall sonst, die AHA-Regeln, also Mindestabstand und das Tragen einer Alltagsmaske, befolgt werden.

In Dortmund scheint man sich bei den Regeln auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Arnsberg zu berufen. Hier hatte die Inhaberin einer Hundeschule geklagt – und Recht bekommen. Sie darf ihre Hundeschule weiterhin öffnen und Kurse anbieten. Allerdings nur „unter freiem Himmel“ und „Welpen- und Junghundekurse sowie die Grundausbildung von Hunden in Gruppen von maximal sechs Hunden nebst Hundebesitzern“, wie es in dem Rechtsschreiben heißt. RUHR24 hat bereits ein offizielles Statement der Stadt Dortmund angefragt, zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Artikels allerdings noch keine Antwort erhalten.

Hundeschulen im Corona-Lockdown: Keine einheitliche Regeln in NRW

In Bergheim in NRW sieht es nochmal ganz anders aus. Hier heißt es, dass Hundetraining stattfinden darf, allerdings nur „wenn ein Hund erzogen werden soll, dem Hundebesitzer selbst aber kein Wissen vermittelt wird.“ Darüber berichtete Sat.1.

Einheitlichkeit in Sachen Corona-Regeln sieht anders aus. Denn selbst die Antwort des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen lässt Interpretationsfreiräume in Sachen Hundeschule zu. So heißt es: „Die aktuelle Coronaschutzverordnung hat das Ziel nicht zwingend notwendige Kontakte auf ein unverzichtbares Minimum zu reduzieren“ (alle News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

In NRW ist es von Stadt zu Stadt scheinbar unterschiedlich geregelt, ob Hundeschulen trotz Lockdown öffnen dürfen oder nicht.

Und weiter: „Dementsprechend sei es im Lockdown nicht relevant, wie infektiös zum Beispiel Hundetraining, Personaltraining oder Golf-Stunden seien – entscheidend ist, dass sie nicht zu den Kernbereichen unseres wirtschaftlichen oder gesellschaftspolitischen Lebens – insbesondere dem Schulbereich – gehören und damit sämtliche mit diesen Angeboten einhergehenden persönlichen Kontakte derzeit vermieden werden müssen.“

Regeln für Hundeschulen bleiben in NRW Auslegungssache

In Verbindung mit dem Rechtsurteil der Hundetrainerin aus NRW ist die Regelung für Hundeschulen also eine Auslegungssache – womit sich das Hundetraining in die Reihe der undurchsichtigen Corona-Regeln einreiht. Und letztendlich für Verwirrung – und auch für Verärgerung bei den Hundetrainern führt.

Denn viele sind der Meinung, dass – wie in Dortmund – Hundetraining problemlos weiterhin angeboten werden kann. Man befinde sich an der frischen Luft und könne problemlos 1,5 Meter Abstand halten, so der Tenor der meisten Hundeschulen. Ob sie allerdings weiterhin unterrichten dürfen, bleibt von Stadt zu Stadt eben Auslegungssache.

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau

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