Kommentar

Corona in Dortmund: Zoff um Schulen wirkt wie in einer Bananenrepublik

Die Stadt Dortmund macht in Sachen Corona und Schulen ihr eigenes Ding. Zwischen dem Land und den Städten geht es zu, wie in einer Bananenrepublik, findet RUHR24-Redakteur Daniele Giustolisi.

Dortmund - Jetzt machen nicht nur die Bundesländer in Sachen Corona was sie wollen, sondern auch die Städte. Deutschland, du wirst so langsam zur Banenrepublik!

Coronafälle in NRW aktuell29.500 (Stand 16. März)
7-Tages-Inzidenz NRW82,9
7-Tages-Inzidenz Dortmund71,2

Corona-Entscheidung: Dortmund schließt Schulen und düpiert das Land NRW

Jüngstes Beispiel dafür sind die Pläne der Stadt Dortmund, die Schulen eigenmächtig wieder zu schließen. Dabei hat die Hoheit über das Bildungswesen im Land die Regierung in Düsseldorf. Und eine Inzidenz von 100, die laut Coronaschutzverordnung striktere Maßnahmen nötig macht, hat Dortmund mit seinen 72 am Dienstag auch längst nicht.

Die Bürger fragen sich nun zu Recht, wem sie jetzt eigentlich noch glauben und vertrauen sollen, wenn die eine Hand in NRW nicht will, was die andere tut.

Während NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) versichert, Schüler und Lehrer in NRW mit einer Dreifach-Maßnahme aus testen, impfen und Wechselunterricht vor Corona schützen zu wollen, hält die Stadt Dortmund in Person von Oberbürgermeister Westphal (SPD) das Konzept nur ein paar Tage später für obsolet. Klar, die Astrazeneca-Impfungen sind vorerst ausgesetzt, aber die wären ohnehin nur erstmal nur bei Grundschullehrern zum Einsatz gekommen.

Corona-Entscheidung für Schulen in Dortmund sendet fatales Signal an Bürger

Unabhängig davon, ob es jetzt richtig wäre, Kinder wieder in die Schule zu schicken. Aber wie kann es eigentlich sein, dass in Deutschland in der Corona-Krise politisch betrachtet gefühlt jeder Akteur das macht, was er für richtig hält? Und welches Signal hat das für die Bürger, die sich seit über einem Jahr an strikte Regeln halten müssen? Vor allem: Welchen Sinn haben noch Wahlen, wenn plötzlich jene eigenmächtig Entscheidungen treffen, die dazu eigentlich nicht berechtigt wären?

Da haben sich tausende Eltern - und auch Schüler - auf den Start des Präsenzunterrichts eingestellt, und nur einen Tag nach dem Wiederbeginn verkündet die Stadt Dortmund, die Schulen eigenmächtig wieder schließen zu wollen. Es darf nicht verwundern, dass Schüler, Eltern und Lehrer - eigentlich alle, die auf das System Schule vertrauen - nun aus allen Wolken fallen.

Schul-Entscheidung von Dortmund: Schutz vor Corona oder vertane Bildungschancen?

Die Maßnahme der Stadt Dortmund kann man für richtig halten, zum Schutz unserer Kinder vor dem Coronavirus. Man könnte sie aber auch als fahrlässig bezeichnen, weil wir unserer Jüngsten erneut wichtige Bildungschancen nehmen. Juristisch fraglich ist sie allemal.

Düpiert: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer kassiert eine Klatsche aus Dortmund.

Unterdessen öffnen wir wieder Buchläden und Gartenmärkte, fahren Bus und Bahn, kaufen beim Aldi um die Ecke ein – als ob es keinen Morgen gäbe. Wenn die Schulen in Dortmund jetzt wieder dicht machen sollen, warum tun es dann jetzt nicht auch die Geschäfte auf dem Westenhellweg? Etwa, weil es hier um Geld geht? (Hier weitere Corona-News aus NRW auf RUHR24.de lesen)

Corona spaltet: Land NRW verfällt in Grabenkämpfe

Das Land ist gespalten in „Lockerer“ und „Schließer“. Dazwischen bleiben diejenigen übrig, die gar nicht mehr wissen, woran sie glauben sollen. Und in der Politik scheint man die üblichen Grabenkämpfe zwischen den Parteien zu führen. In Fall von NRW verlaufen sie zwischen FDP/CDU und dem Rest - sind ja Bundestagswahlen in diesem Jahr.

Was es jetzt braucht, wäre eine Kraftanstrengung über alle Parteien hinweg, egal ob sie liberal oder konservativ sind. Ein Schlingerkurs, wie er derzeit in NRW aufgeführt wird, führt nur dazu, dass das Vertrauen in die Politik schwindet - falls das nicht schon längst passiert ist. Hinweis: Dieser Kommentar entspricht der Ansicht des Autors und gibt nicht zwingend die Meinung der gesamten Redaktion wieder.

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen, Marcel Kusch/dpa; Collage:RUHR24

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