Stadt warnt vor Mutationen

Corona in Dortmund: Zahlen steigen vor allem in drei Stadtteilen deutlich

In Dortmund haben sich zuletzt besonders Menschen aus drei Stadtteilen mit dem Coronavirus angesteckt. Die Stadt sieht zudem einen Trend und warnt erneut vor Virusmutationen.

Dortmund – Lange sah es so aus, als hätte Dortmund die Corona-Pandemie ganz gut im Griff. Spätestens seit Auftreten der britischen Variante des Virus (B1.1.7) hat sich das jedoch geändert. Aktuell liegt der Inzidenzwert laut dem NRW Landeszentrum Gesundheit bei knapp über 200. Das Gesundheitsamt der Stadt hat nun analysiert, wo sich die Menschen in Dortmund anstecken und welche Stadtteile besonders von Neuinfektionen betroffen sind.

StadtDortmund
Einwohner603.609 (2019)
OberbürgermeisterThomas Westphal (SPD)

Corona in Dortmund: Drei Stadtteile besonders von Neuinfektionen betroffen

Jeden Monat gibt das Gesundheitsamt eine Übersicht heraus, wie es um die Corona-Pandemie in Dortmund steht (alle News zu Corona in Dortmund auf RUHR24). In der sogenannten Fachkommentierung wird auch angegeben, wie hoch die Zahl der Infektion in den einzelnen Stadtteilen ist. Und vor allem, wie stark sie zuletzt angestiegen ist – wichtige Daten, um herauszufinden, wie das Virus übertragen wird.

Dabei zeigt sich: Im Durchschnitt haben sich vom 13. März bis 12. April 2021 in etwa 16 Prozent mehr Menschen mit Sars-CoV-2 angesteckt, als im Vormonat (8,5 Prozent). Insgesamt spricht das Gesundheitsamt daher von einem „deutlichen Anstieg der Neuinfektionen in den Stadtbezirken“. Fast 2.000 Menschen haben sich dabei bislang eine der Virusmutationen eingefangen.

Corona in Dortmund: Stadtteile Mengede, Brackel und Aplerbeck besonders betroffen

Gestiegen ist die Zahl der Infektionen überall in Dortmund, wo seit Samstag eine Ausgangssperre gilt. Während die Nordstadt und Eving weiterhin zahlenmäßig die meisten Infektionen verbuchen, stechen beim Anstieg der Neuinfektionen drei Stadtbezirke besonders heraus:

  • Mengede: +27,0 Prozent
  • Brackel: +24,7 Prozent
  • Aplerbeck: +19,0 Prozent

Hier haben sich also deutlich mehr Menschen angesteckt, als im Dortmunder Durchschnitt. Vergleichsweise „vorsichtig“ scheinen die Bewohner der Innenstadt-Ost gewesen zu sein. Hier ist der Anstieg der Neuinfektionen um 11,3 Prozent zum Vormonat noch am geringsten. Echte Hotspots gibt es mittlerweile nicht mehr.

Corona in Dortmund: Schule, Kita, Zuhause – wo stecken die Menschen sich aktuell an?

Aber wo stecken sich die Menschen, die in Dortmund leben, derzeit überhaupt an? Zunächst mal bedeutet ein Anstieg der Infektionen in einem Stadtteil nicht, dass sich die Menschen auch dort angesteckt haben, gibt das Gesundheitsamt zu bedenken. Dennoch: Weil infizierten Personen häufig mehrere Tage ansteckend seien, bis sie positiv getestet und in Quarantäne geschickt würden, sei davon auszugehen, dass sie in diesem Zeitraum insbesondere andere Menschen in ihrem Wohnumfeld anstecken – also auch in ihrem Stadtteil.

Die Regelung der Kita-Notbetreuung hat in Dortmund für Chaos gesorgt.

Aktuell gehen die Behörden in Dortmund davon aus, dass sich rund 60 Prozent der Neuinfizierten im privaten Umfeld und in Gemeinschaftseinrichtungen (Kitas, Schulen, etc.) oder am Arbeitsplatz anstecken. „In fast der Hälfte der Fälle blieben die Ansteckungsquellen jedoch unbekannt“, schreibt das Gesundheitsamt.

Corona in Dortmund: Schüler stecken ihre Eltern an – 400 Infizierte nachgewiesen

Allein in den Kitas in Dortmund haben sich nach Angaben der Stadt von Mitte März bis Mitte April 233 Personen angesteckt – 148 Kinder und 75 Mitarbeiter. Wegen vieler Tests seien auch viele Covid-19-Infektionen ohne Symptome entdeckt worden. Viele Infektionsketten konnten so unterbrochen werden.

Interessant hingegen: Im Berichtszeitraum haben sich mehr als 400 Schüler angesteckt. Und das, obwohl ab Anfang April zwei Wochen lang Osterferien waren. Ein bis zwei Wochen später stiegen in Dortmund dann die Infektionen in der mittleren Altersgruppe (der „Elterngeneration“), zeigen die Zahlen des Gesundheitsamts. Ein Hinweis darauf, dass Schüler die Infektionen in die Familien tragen können.

In 78 Schulen in Dortmund wurden demnach Quarantänen verhängt. Doch das Tragen von Masken und halbierte Klassengrößen machen sich laut Gesundheitsamt bemerkbar: „Die Übertragungsraten sind hier trotz des hohen Anteils an Virusmutationen nicht signifikant erhöht.“ Das Infektionsgeschehen sei „gering“.

Dortmund: Corona-Infektion mit Mutation trotz Impfung nachgewiesen

Abstand, Hygienemaßnahmen, Impfungen: Die Maßnahmen zum Schutz vor einer Corona-Infektion zeigen auch in Dortmund Wirkung. Ein Großteil der Klinik-Mitarbeiter sei mittlerweile geimpft. Trotz strenger Kontrollen kommt es jedoch immer wieder zu Corona-Ausbrüchen in Kliniken in Dortmund. Zuletzt hatte ein falsch-negativer Test für trügerische Sicherheit gesorgt.

In der Pflege gebe es jedoch keine größeren Ausbrüche zu verzeichnen. Besorgniserregend ist hingegen dieser Absatz in dem Bericht: „Allerdings wurden auch bei Bewohner*innen mit zwei Impfungen vor mehr als 14 Tagen vereinzelt Infektionen mit der britischen Virusvariante nachgewiesen.“ Damit scheint eine erneute Infektion mit einer der Virus-Mutationen trotz Impfung nicht ausgeschlossen zu sein.

Dortmund: Corona-Mutationen sorgen weiter für Probleme und Neuinfektionen

Neben der britischen Variante des Coronavirus (B.1.1.7) verbreitet sich seit einigen Wochen auch die südafrikanische Mutation in Dortmund – wenn auch deutlich langsamer. Für die britische Variante, die zu den VOC (variant of concern, dt.: „besorgniserregende Variante“) gehört, hat die Stadt erhöhte Übertragungsraten von im Durchschnitt 10 bis 40 Prozent gefunden.

Besonders dramatisch: Im Berichtszeitraum stieg die Zahl der jüngeren Menschen (40 bis 59 Jahre) auf den Intensivstationen in Dortmund weiter an. Durch Impfungen und Schutzmaßnahmen konnte die Zahl der Toten unter den älteren Menschen seit Beginn der Pandemie zwar deutlich gesenkt werden. Für die Jüngeren, die noch nicht geimpft sind, sei die Gefahr eines schweren oder gar tödlichen Verlaufs jedoch ebenfalls gegeben.

Deshalb warnt das Gesundheitsamt erneut: „Gerade jetzt, da auch in Dortmund Infektionsfälle mit Virusvarianten der VOC aufgetreten sind, ist es notwendig, dass sich die gesamte Bevölkerung weiterhin für den Infektionsschutz engagiert.“

Rubriklistenbild: © Bernd Thissen/dpa, Screenshot Datawrapper; Collage RUHR24

Mehr zum Thema