Keine offiziellen Vorgaben

Corona in Dortmund: 3-Stufen-Plan des RKI sorgt bei Stadt für Verwirrung

Die Corona-Inzidenz reicht als Leitwert in der Pandemie nicht mehr aus. Dazu hat das RKI einen Drei-Stufen-Plan entwickelt. Trotzdem herrscht in Dortmund Verwirrung.

Dortmund – Vielerorts sinken die Sieben-Tage-Inzidenzen. In Nordrhein-Westfalen liegt der Wert am Dienstag (28. September) bei 55,6. Dortmund weist eine Inzidenz von 66,0 auf. Die Stadt liegt damit nicht allzu weit über dem Landeswert, in den vergangenen Tagen ist die Zahl allerdings kontinuierlich gestiegen (weitere Nachrichten aus Dortmund bei RUHR24 lesen).

StadtDortmund, NRW
Corona-Inzidenz66,0 (28. September)
Vollständig geimpft393.000 Personen (28. September)

Corona-Lage in Dortmund: Inzidenz allein reicht bei Betrachtung der Zahlen nicht aus

Die Betrachtung der Inzidenzen allein reicht allerdings nicht mehr aus, um eine ausreichende Einschätzung der aktuellen Corona-Situation in der Ruhrgebietsmetropole abgeben zu können. Seit Inkrafttreten des neuen Infektionsschutzgesetzes am 15. September gilt auch die sogenannte Hospitalisierungsrate als neuer Gradmesser für das Pandemie-Geschehen und die damit verbundenen Regeln.

Die Zahlen sollen den Anteil der Patienten pro 100.000 Einwohner wiedergeben, die wegen einer Corona-Infektion innerhalb der vergangenen sieben Tage in Kliniken eingeliefert worden sind. Wegen Missverständnissen zwischen den Krankenhäusern und dem Robert Koch-Institut (RKI) wurde die Verlässlichkeit der Daten zuletzt jedoch angezweifelt.

Hospitalisierungsrate statt 7-Tage-Inzidenz: Dortmund sieht eindeutige Problematik

Dortmunds Corona-Krisenstabsleiterin und Sozialdezernentin Birgit Zoerner hat sich nun noch einmal zu der angeblichen Problematik mit der Hospitalisierungsrate geäußert. Bei einer Pressekonferenz der Stadt am Dienstag (28. September) machte sie vor allem deutlich, dass diese Inzidenz in den Kliniken ein landesweiter Wert sei.

„Es ergibt keinen Sinn, das städtisch zu betrachten“, so Zoerner. Und ergänzte: In den Kliniken in Dortmund würden schließlich nicht nur Menschen aus der Stadt, sondern auch aus umliegenden Orten und Städten behandelt. Die Hospitalisierungsrate müsse deshalb immer über die Grenzen einer Stadt hinaus berücksichtigt werden (mehr Corona-News aus NRW bei RUHR24 finden).

RKI bringt Drei-Stufen-Plan gegen Corona in Spiel – keine klaren Vorgaben für Dortmund

Trotzdem – und das sei die aktuelle Kritik aus Dortmund – gebe es keinen Grenzwert, an dem man sich bei Corona-Fragen orientieren könne. Zu diesem Zweck hatte das RKI allerdings erst kürzlich seine Strategie zum Umgang mit der Corona-Pandemie angepasst.

Dabei handelt es sich konkret um einen Drei-Stufen-Plan, der unter dem Namen „Control-Covid-Strategie“ (PDF) zusammengefasst ist. Dieser soll bei steigenden Inzidenzen helfen, zusätzliche Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus „zielgerichtet und schrittweise“ einzuführen. Wie der Name schon verrät, umfasst das System drei Stufen. Diese sind wie folgt gegliedert:

  • Basisstufe: Sieben-Tage-Inzidenz unter 35 und Hospitalisierungsrate bis zu 1,5 (Anteil der Intensivpatienten von bis zu drei Prozent)
  • Stufe 1: Sieben-Tage-Inzidenz bis 100 und Hospitalisierungsrate bis 5 (Anteil der Intensivpatienten von bis zu zwölf Prozent)
  • Stufe 2: Sieben-Tage-Inzidenz über 100 und Hospitalisierungsrate über 5 (Anteil der Intensivpatienten von über zwölf Prozent)

Dortmund freut sich über „Annäherungswerte“ in der Pandemie – aber Umsetzung hakt

So weit, so gut – zumindest in der Theorie. Auch in Dortmund freue man sich darüber, dass es nun zumindest „Annäherungswerte“ gebe. Allerdings wisse man damit leider nicht viel anzufangen, so Dortmunds Sozialdezernentin weiter.

Das RKI hat einen Drei-Stufen-Plan zur Bekämpfung der Corona-Pandemie veröffentlicht.

So gibt das RKI zu jeder einzelner der drei Stufen zwar Handlungsempfehlungen ab. Etwa bei Stufe 2 könnten Bars und Clubs wieder geschlossen werden und in der Innengastronomie solle dann die 2G-Regel (geimpft, genesen) durchgesetzt werden. Das seien bislang allerdings nur gut gemeinte Ratschläge des Instituts, die Dortmund bei der Handhabung eher vor eine noch größere Herausforderung stellen würden.

Denn, so heißt es vonseiten der Stadt, die Tipps des RKI seien keine offiziellen Maßnahmen, die in „Abhängigkeit des Erreichens eines Grenzwertes“ ergriffen würden. Man warte in Dortmund deshalb weiterhin auf eine Festlegung bzw. Anpassung in der Corona- und/oder Infektionsschutzverordnung. Erst dann könnte es könnte der Drei-Stufen-Plan auch tatsächlich angewandt werden.

Rubriklistenbild: © Sabrina Wagner/RUHR24, Stefanie Loos/AFP; Collage: RUHR24