Zahlen steigen unaufhörlich

Dortmund: Neue Corona-Variante BA.5 beunruhigt Stadt – Lage nicht wie 2021

Die Corona-Lage im Sommer 2022 ist in Dortmund eine andere, als noch in 2021. Beim Blick auf die Entwicklung der Inzidenz zeigt sich die Stadt besorgt.

Dortmund – Das Leben in Dortmund scheint aktuell wie vor Corona: Alle Veranstaltungen finden (fast) wie gewohnt statt, privat herrscht längst keine Zurückhaltung mehr. Dabei ist die Lage brenzlicher, als viele glauben.

Corona-Fälle in Dortmund184.587 (seit Pandemie-Beginn)
Wocheninzidenz796,3 (Stand: 28. Juni)
Verstorbene Personen542

Corona in Dortmund: Inzidenz bei 796 und fast 100 Mal so hoch wie 2021

Am Dienstag (28. Juni) meldete die Stadt Dortmund eine Inzidenz von 796,3. Zum Vergleich: Am selben Stichtag am 28. Juni 2021 lag der Wert bei sage und schreibe 8,5. Die Inzidenz ist im Vergleich zum Vorjahr also 93 Mal so hoch. Vergleichbar ist die aktuelle Corona-Lage in ganz NRW, wo die Inzidenz in dieser Woche bei 774 lag (Stand: 29. Juni).

Klar, die Lage ist jetzt eine andere als noch im Sommer 2021. Rund 427.000 der rund 600.000 Dortmunder haben drei Impfungen gegen Corona, über 175.000 gelten als genesen. Die Immunität in der Bevölkerung ist noch eine andere, als vor einem Jahr.

Dortmund: Corona-Patienten in Krankenhäusern aktuell viel mehr, als im Juni 2021

Dennoch sind die Zahlen der stationär behandelten Patienten in Dortmund aktuell zehnmal so hoch, wie zum selben Zeitpunkt in 2021. Zurzeit werden in Dortmund 100 Corona-Patienten stationär behandelt, darunter zehn intensivmedizinisch und zwei mit Beatmung. Vor einem Jahr waren zum selben Zeitpunkt nur 10 Corona-Patienten stationär in Krankenhäusern.

Die Reisezeit in NRW hat begonnen – auch das ist ein Grund für steigende Corona-Zahlen.

Dass es eine „Sommerpause“ von Corona gibt, wie 2021, glaubt beim Dortmunder Gesundheitsamt längst keiner mehr. Die Hoffnung, so Leiter Frank Renken, werde sich nicht erfüllen. Den Grund dafür sieht Renken in der neuen Corona-Omikron-Variante mit dem Namen „BA.5“. Sie ist in Dortmund inzwischen für die Mehrzahl der Infektionen verantwortlich.

Corona in Dortmund: Zahl der Patienten auf Intensivstationen steigt unaufhörlich

Die Variante, gegen die die bisherigen Impfungen offenbar nicht so gut wirken, wie erhofft, sorgt seit Tagen für steigende Zahlen auf den Intensivstationen von Dortmund.

Die Variante BA.5 zeigt ihre Wirkung auch bei den Corona-Schnelltests. Dort sei die Positivrate laut Frank Renken so hoch wie nie. Und dass es die höchsten Inzidenzen in den Altersgruppen zwischen 15 und 60 gebe, zeige, „dass wir es mit einem nicht auf kleine Gruppen bezogenen Geschehen zu tun haben, das eingrenzbar wäre“, so Renken.

Coronavirus breitet sich in Dortmund aus – zwei Gründe begünstigen Trend

Der Leiter des Dortmunder Gesundheitsamts sieht zwei Faktoren, die den Trend aktuell begünstigen: Die große Zahl an Events, die in Dortmund wieder stattfinden, sowie die begonnene Reisezeit. Auch scheine die neue Variante durch die sommerlichen Temperaturen wenig von ihrer Ansteckungsfähigkeit zu verlieren.

Dr. Frank Renken, Chef des Gesundheitsamts der Stadt Dortmund.

Mit Sorge blickt Frank Renken zudem auf den Juli, wenn die Corona-Schnelltests nicht mehr gratis sind, sondern pro Bürger drei Euro kosten werden. Bürger könnten sich dann, abgeschreckt durch den Preis, seltener testen lassen. Das wiederum könnte zu mehr unerkannten Infektionen führen. Das Coronavirus kann sich unbemerkt ausbreiten.

Stadt Dortmund sendet zwei Corona-Appelle an die Bevölkerung

Daher sendet Frank Renken zwei Appelle an die Dortmunder Bevölkerung:

  • Bei Anzeichen einer Corona-Infektion sofort absondern.
  • Alle Menschen ab 60 Jahren sollten sich Boostern lassen.

Unverändert gelte laut Renken, dass die Impfung die meisten Menschen vor schweren Verläufen schützt. „Leider verhindert sie bisher nicht, dass wir andere anstecken können, wenn wir uns nach einer Impfung doch infiziert haben.“

Rubriklistenbild: © Cord/Imago; Rolf Poss/Imago; Collage: Sabrina Wagner/RUHR24