Probleme nach Corona

Dortmunder Experte über Personalmangel: „Branche hat es selbst verzapft“

Der Personalmangel ist in NRW momentan überall zu spüren. Auch die Hotelbranche ist betroffen.

Dortmund – Zu Beginn der Sommerferien in NRW hat die Gewerkschaft „Nahrung Genuss Gaststätten“ eine Pressemitteilung herumgeschickt, in der es heißt, dass Dortmunder Hotels mit einem massiven Personalmangel zu kämpfen haben. Damals waren 38 Stellen allein in Dortmund unbesetzt. RUHR24 hat mit Kevin Kasper, Manager des Leonardo Hotels in Dortmund, über die Lage in der Branche gesprochen.

ThemaPersonalmangel in Hotels
Stadt Dortmund
UnternehmenLeonardo Hotel

Dortmund: Hotelmanager äußert sich zum Personalmangel in der Branche

„Bei uns ist die Lage vermutlich entspannter als in anderen Hotels. Trotzdem merken wir, dass es nicht leicht ist, eine Position neu zu besetzen, wenn zum Beispiel jemand geht“, berichtet Kevin Kasper vom Leonardo Hotel Dortmund am Telefon.

„Wo fällt es am meisten auf, wenn jemand ausfällt?“, frage ich ihn. „Das sind vor allem operative Positionen. Wenn jemand im Service, an der Rezeption oder im Housekeeping ausfällt, wird es schon knapp, das aufzufangen“, sagt er.

Personalmangel in Dortmunder Hotels: „Irgendwo hat es die Branche selbst verzapft“

Gibt es denn auch etwas, dass sich ändern muss? „Im Endeffekt hat es die Branche irgendwo selbst verzapft. Die Löhne zum Beispiel wurden bei vielen Hotels immer schön niedrig gehalten. Aktuell geht aber ein Ruck durch die Branche und wir profitieren alle vom neuen Tarifvertrag. Leonardo geht da als gutes Beispiel voran. Wir kriegen zum Beispiel 30 Tage Urlaub und Zuschläge. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt der Hotelsprecher aus Dortmund im Interview.

Doch dieser Ruck kommt offenbar deutlich zu spät, wie der Personalmangel zeigt. Für viele Menschen sei die Hotelbranche in Coronazeiten unattraktiv geworden. Weil sie lange in Kurzarbeit waren oder ihren Job ganz verloren haben, haben sich viele als Folge eine andere Branche gesucht. Kasper meint auch, dass die Tarife und somit das Gehalt weiter steigen müssen, um einen Job im Hotel langfristig attraktiv zu machen (mehr News aus Dortmund bei RUHR24).

„Die Inflation spielt hier eine große Rolle. Wer in einem Ballungsgebiet lebt, den trifft es noch härter, in Form der Miete. Am Ende muss sich die Rechnung lohnen.“

Kevin Kasper ist Manager des Leonardo Hotels Dortmund: „Es geht ein Ruck durch die Branche.“

Dortmund: Die Hotelbranche und der Personalmangel – „Gäste brauchen mehr Verständnis“

Durch Corona und die steigenden Preise müssten aber auch die Gäste mehr Verständnis zeigen, findet der Hotelmanager. Es sei normal geworden, dass man für weniger Leistungen mehr Geld zahlt, als noch vor ein paar Jahren.

Dabei würden Hotels oft gar nicht alle Mehrkosten an die Gäste weitergeben, weil sonst kaum noch jemand kommen würde. Durch Corona habe es zum Beispiel mehr Ausgaben für Desinfektionsmittel oder Masken gegeben. Gleichzeitig ist der Umsatz stark gesunken.

Das verändere eine Branche: „Wer ein dreckiges Hemd an der Rezeption von einem Sterne-Hotel abgibt, muss damit rechnen, dass es nicht am selben Abend noch fertig ist. Auch unsere Partnerfirmen wie Reinigungen kämpfen mit dem Personalmangel.“

Dortmund: Viele Hotels suchen dringend nach Personal

Hotel-Manager aus Dortmund macht Azubis und Studenten Mut

Corona habe aber auch was mit dem Hotel-Nachwuchs gemacht. Gefühlt würden aktuell weniger Azubis und Studenten nachrücken. „Ich denke, viele fragen sich: Ist das überhaupt das Richtige, in einem Hotel zu arbeiten? Sowas wie Corona kann schließlich immer wieder passieren“, meint Kevin Kasper vom Leonardo Hotel Dortmund.

Jungen Menschen, die Lust haben, in der Hotelbranche zu arbeiten, rät Kasper darauf zu achten, dass das Hotel Benefits für seine Mitarbeiter bereithält und sich an den Tarifvertrag hält. „Mit dem entsprechenden Vertrauen macht die Branche richtig viel Spaß. Man kann von überall aus arbeiten, lernt ferne Länder und fremde Kulturen kennen. Außerdem ist der Teamspirit in der Hotelbranche etwas ganz Besonderes, was ich so noch nirgendwo anders erlebt habe.“

Rubriklistenbild: © ANP/Imago

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