Massive Ansteckungszahlen

Dortmund: Soldaten sollen jetzt Corona-Welle in Kitas bändigen

Das Infektionsgeschehen in Dortmund ist extrem, die Ansteckungszahlen hoch. Betroffen sind vor allem Kinder in Kitas und Schulen. Nun werden Soldaten eingesetzt, damit die Lage kontrollierbar bleibt.

Dortmund – Mithilfe einer guten Teststrategie, schaffte es das Gesundheitsamt Dortmund bislang in jeder der vergangenen Corona-Wellen, den Überblick über die Lage zu behalten. Doch mit der Ausbreitung von Omikron scheint das zunehmend aussichtsloser. Denn die Ansteckungszahlen steigen rasant, besonders unter den Jüngeren. Deshalb setzt die Stadt nun erneut Soldaten ein. Auch, um die Kontrolle über die Lage ein Stück weit wiederzuerlangen.

StadtDortmund
7-Tage-Inzidenz762,5 (18. Januar)
Corona-Patienten in den Krankenhäusern77 (14 davon auf Intensivstationen, 4 beatmet)

Infektionsgeschehen in Dortmund extrem hoch: Soldaten sollen beim Kampf gegen Corona unterstützen

„Das Infektionsgeschehen ist extrem hoch“, erklärt Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamtes Dortmund, nachdrücklich. 1,6 Prozent aller Tests in den Schnellteststellen seien derzeit positiv – ein absoluter Höchstwert für die Stadt Dortmund.

Zudem gebe es viele asymptomatische Positivfälle. Also Personen, die zwar keine Krankheitsanzeichen zeigen, aber mit Corona infiziert und ansteckend sind: Drei von Hundert Personen, die in einem der Dortmunder Krankenhäuser vorsichtshalber einem Corona-Screening unterzogen wurden, erhielten ein positives Testergebnis, so Renken.

Und so wird die Stadt Dortmund nun wieder von der Bundeswehr unterstützt. 20 Soldaten sind seit Montag (17. Januar) in Dortmund im Einsatz. Sie sollen vor allem das Gesundheitsamt im Kampf gegen Corona unterstützen. Bereits im November 2020 half die Bundeswehr bei der Kontaktnachverfolgung aus. Die Soldaten, die damals zum Einsatz kamen, kennen sich also bereits aus – und sollen aktuell umso effizienter helfen können (mehr News rund um Corona in NRW).

Die Bundeswehr hilft während der Corona-Pandemie in Dortmund aus.

Corona-Lage in Dortmund vor allem für Jüngere brisant: Viele Infektionen in Kitas und Schulen

Doch schaut man allein auf die Inzidenz in Dortmund, reicht das nicht aus, um die Brisanz der Lage zu verstehen. Die liegt aktuell (Stand 18. Januar) laut der Stadt Dortmund bei 762,5. Zwar deutlich höher als noch in der Vorwoche, als dieser Wert noch bei 571,4 lag, aber es ist ein anderer Wert, der in Unruhe versetzt.

Denn ein Blick auf die jüngeren Altersgruppen zeigt, dass die Inzidenz bei Weitem nicht für alle Altersgruppen gleich ist: In der Altersgruppe der elf bis 15-Jährigen liegt sie aktuell fast dreimal höher als im Durchschnitt der Stadt, nämlich bei 2008. Bei den sechs bis zehnjährigen immerhin noch bei 1600. Und auch die jüngsten, die unter sechsjährigen weisen noch immer eine Inzidenz von über 1000 auf, so Dr. Frank Renken.

Allein am Montag (17. Januar) habe es 130 positive Pools in Dortmunder Kitas gegeben. In den Grundschulen sei die Situation zudem ähnlich. Demnach gäbe es aktuell 1400 einzelne Testergebnisse, die von den Laboren überprüft werden müssen. Eine Arbeit, die kaum zu bewältigen sei. „Unsere eigentlich gute Teststrategie kommt damit an ihre Grenzen“, so Renken. Und er fügt hinzu: „Dafür kann aber niemand was, außer Omikron“.

Corona in Dortmund: Soldaten sollen helfen, damit nicht massenweise Schüler in Quarantäne müssen

Erst ab einer Altersstufe von 25 Jahren oder älter entspanne sich die Situation langsam. Doch erst ab 40 Jahren aufwärts liegen die Inzidenzen wieder unter dem Durchschnitt der Stadt Dortmund (mehr zur Corona-Pandemie in Dortmund im News-Ticker).

Und so ist es vor allem der Bereich der Kita-Kinder und Schulen, der der Stadt derzeit große Sorgen bereitet. Besonders, da eben nicht bei jedem positiv getesteten Kind gleich große Bereiche, wie zum Beispiel eine ganze Schulklasse oder eine ganze Kita, in Quarantäne versetzt werden soll.

Doch Kontakte nachzuverfolgen und nachzufragen „Wer ist denn tatsächlich betroffen?“ sei sehr aufwändig, erklärt Stadträtin Birgit Zoerner. Besonders bei der Vielzahl an positiven Testungen, die es derzeit gebe. Und genau hier könnten die Soldaten nun eingesetzt werden.

Intensivstationen in Dortmund: Viele Infizierte offenbar gegen Corona geimpft

Doch während die Inzidenzen in den jüngeren Altersgruppen beunruhigend hoch sind, gibt es auch Zahlen aus Dortmund, die beinahe beruhigend wirken: „Der Blick auf die Krankenhäuser zeigt, dass viele Infizierte offenbar geimpft sind und somit einen milden Verlauf haben“, weiß Stadträtin Zoerner zu berichten. Ein Überlastung der Intensivstationen, die bei so hohen Inzidenzen befürchtet werden könnte – bleibt dank der Corona-Impfungen bislang aus. Und so konnte sich Dortmund auch erlauben, einige harte Corona-Maßnahmen zu lockern.

„Massiv hohe Ansteckungszahlen“: Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts der Stadt Dortmund, ist besorgt.

Denn die Corona-Lage in der Stadt hat sich gewandelt. Nicht nur, dass viele inzwischen doppelt und dreifach geimpft sind. Auch dass sich das Infektionsgeschehen zunehmend auf die jüngeren Altersgruppen konzentriert, löst bei Frank Renken beinahe so etwas wie Erleichterung aus. Denn: Für die Altersgruppen über 80 sei Omikron immer noch sehr gefährlich. „Das Sterberisiko ist bei ihnen immer noch extrem hoch.“

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa, Dortmund-Agentur/Gaye Suse Kromer; Collage: RUHR24