Inzidenz explodiert

Dortmunder Corona-Experte tobt wegen Türkei-Heimaturlauber: „Kein dummer Zufall“

Dr. Frank Renken ist Leiter des Gesundheitsamts der Stadt Dortmund.
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Dr. Frank Renken ist Leiter des Gesundheitsamts der Stadt Dortmund.

Die Corona-Inzidenz in Dortmund explodiert. Oft stecken Reiserückkehrer aus bestimmten Ländern dahinter. Der Chef des Gesundheitsamts zeigt sich wütend.

Dortmund – Zu Beginn der Sommerferien hatte Dortmund eine Inzidenz von 5,8. Rund sechs Wochen später sind die Zahlen explodiert. Am Dienstag (24. August) wies die Stadt einen Wert von 142,8 auf. Dortmunds Gesundheitsamts-Chef Dr. Frank Renken sieht die Schuld zum einen bei den Reiserückkehrern – zum anderen beim Robert Koch-Institut (RKI).

Dortmund: Corona-Inzidenz explodiert – Türkei-Urlauber treiben Zahlen in die Höhe

Konkret kritisierte Renken bei einer Pressekonferenz am Dienstag die Entscheidung des RKI, die Türkei erst unmittelbar zum Ende der Sommerferien in NRW zum Hochinzidenzgebiet zu erklären. „Das hätte man auch schon eine Woche früher machen können. Hat man aber nicht getan“, so Renken resigniert.

Diese Entscheidung hätte wiederum zur Folge gehabt, dass die Reiserückkehrer aus der Türkei nicht in Quarantäne mussten. „Das ist sicher kein dummer Zufall, sondern Absicht gewesen“, unterstellt Renken dem RKI. „Für Nordrhein-Westfalen war diese Absicht nicht besonders Vorteilhaft, wie wir jetzt sehen“, poltert Renken. Offenbar unterstellt Renken dem RKI, der Türkei einen Gefallen getan zu haben.

Dortmund: Hohe Corona-Zahlen auch wegen Reiserückkehrern aus der Türkei

Viele Dortmunder hätten in den Sommerferien einen langen Heimaturlaub in der Türkei angetreten – dass die Zahlen dadurch jetzt wieder hochgehen in Dortmund, sei laut Renken ein „sehr sehr schmerzhaftes Ereignis.“ Die Türkei sei das am häufigsten genannte Reiseziel der mit Corona infizierten Rückkehrer in Dortmund.

Dass vor allem viele Kinder infiziert seien, sei auch eine Folge der Urlaube. Renken kündigte an, dass sich das in Kürze an den Grund- und den weiterführenden Schulen zeigen werde, da dort zweimal wöchentlich getestet wird. Die Dunkelziffer werde dadurch besser beleuchtet. Zudem kündigte Renken an, dass sich nicht infizierte Kinder in den kommenden zwei Wochen unweigerlich mit Corona infizieren werden.

Türkei, Bulgarien, Rumänien, Serbien und Kroatien: Dortmunder Urlauber bringen Corona mit

Nicht nur Reiserückkehrer aus der Türkei sorgen aktuell für die vielen Corona-Neuinfektionen in Dortmund. Frank Renken gab an, dass auch Urlauber aus Bulgarien, Rumänien, Serbien und Kroatien das Virus einschleppten. „Rätselhafterweise tauchen diese Länder auf, wenn wir Fallaufklärung machen, aber offiziell sind es keine Hochinzidenzländer. Eigenartigerweise importieren wir von da laufend Fälle“, sagte Renken süffisant.

Wer aus diesen Ländern nach Dortmund zurückkommt, muss derzeit keine Quarantäne einhalten. Erst bei den für alle Reiserückkehrern verpflichtenden Corona-Tests würden die Infektionen auffallen. Dass die genannten Länder keine Hochinzidenzgebiete sind, habe laut Renken auch mit den nationalen Corona-Statistiken zu tun. „Wenn die das nicht ausweisen, können wir hier nicht offiziell festlegen, dass es Hochinzidenzgebiete sind.“

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