Covid-19-Pandemie

Brasilianische Corona-Variante hat Dortmund erreicht – droht damit die Ausgangssperre?

Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal vor dem Rathaus am Friedensplatz in Dortmund.
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Oberbürgermeister Thomas Westphal hat am Dienstag (13. März) zu aktuellen Entwicklungen der Corona-Lage und zu Impfungen in Dortmund informiert.

In Dortmund ist erstmals die brasilianische Corona-Mutante nachgewiesen worden. Die Stadt steht zudem vor einer Ausgangssperre.

Dortmund – Die Ur-Form des Coronavirus ist in Dortmund längst Schnee von gestern. Jetzt übernehmen die Mutanten das Kommando über das Infektionsgeschehen. Britische, südafrikanische und jetzt auch erstmals die brasilianische Variante des Coronavirus – auch P.1 genannt – sind in der Stadt angekommen.

Corona-Inzidenz in Dortmund126,1 (Stand 13. April)
Aktuell infizierte Personen1.100
Bislang gemeldete Fälle22.056

Dortmund: Brasilianische Corona-Mutation ist in der Stadt

Wie auch bei der südafrikanischen Variante, gibt es bei der brasilianischen Mutation des Coronavirus laut Robert-Koch-Institut (RKI) Hinweise, dass Antikörper von Genesenen und Geimpften gegen diese Form des Virus nur reduziert wirken. Das RKI geht zudem von einer schnelleren Übertragbarkeit dieser Variante im Gegensatz zur Ur-Form aus.

Die Stadt Dortmund ist deshalb alarmiert. Um die Mutationen schneller zu entdecken, wird inzwischen jede Probe eines PCR-Tests vorsequenziert. So soll das Infektionsgeschehen eingedämmt werden.

Brasilianische Corona-Mutation in Dortmund nachgewiesen

Die Ur-Form des Coronavirus spiele in Dortmund hingegen laut Krisenstabsleiterin Birgit Zoerner „keine Rolle mehr“ und habe „an Bedeutung eingebüßt“. Details zum erstmaligen Nachweis der brasilianischen Corona-Variante konnte Zoerner bei einer Pressekonferenz am Dienstag (13. April) noch nicht verraten, kündigte aber in Kürze mehr Informationen an. „Wir sind noch dabei, die genaueren Umstände zu überprüfen“, sagte Zoerner.

Ungeachtet dessen steht die Stadt Dortmund vor der Einführung von nächtlichen Ausgangssperren. Am Dienstag hat sich die Bundesregierung auf eine bundeseinheitliche „Corona-Notbremse“ geeinigt, die Ausgangssperren für Städte und Kreise vorsieht, die an drei Tagen in Folge eine 7-Tages-Inzidenz über 100 haben. In Dortmund ist das (bis auf eine Ausnahme) seit dem 19. März der Fall. Aktuell (Stand 13. April) hat Dortmund eine 7-Tages-Inzidenz von 126,1.

Corona: Dortmund steht vor nächtlichen Ausgangssperren

Sollte das Gesetz noch in dieser Woche verabschiedet werden, könnte die Regelung schon am Wochenende greifen, kündigte Dortmunds Rechtsdezernent Norbert Dahmen an. Entscheidend ist jetzt, ob die Änderung des Infektionsschutzgesetzes den Bundestag und den Bundesrat passiert. Auch die Schließung aller Geschäfte droht Dortmund in diesem Fall. Weder „Click and Meet“ noch „Click and Collect“ wäre dann möglich – selbst mit negativem Corona-Test nicht.

Die Regelungen würden erst aufgehoben, sollte die 7-Tages-Inzidenz an mehreren Tagen in Folge unter 100 liegen.

Dortmunds Rechtsdezernent Norbert Dahmen, hier ganz rechts im Bild, hat in dieser Woche juristisch gesehen einiges vor der Brust – die Änderung des Infektionsschutzgesetzes steht bevor.

Kontrollieren wolle die Stadt die Einhaltung der Ausgangssperre zusammen mit der Polizei. Man könne, so Dahmen, allerdings nicht das gesamte Stadtgebiet kontrollieren, weshalb sich die Stadt auf Hotspots wie den Phoenix See oder den Westenhellweg konzentrieren wolle (hier weitere Corona-News aus Dortmund bei RUHR24 lesen).

Corona in Dortmund: Ausnahme von der Ausgangssperre möglich

Ausgenommen von der Ausgangssperre sind Menschen, die zur Arbeit müssen oder einen medizinischen Notfall haben. Auch zum Gassigehen mit dem eigenen Haustier darf die Regel gebrochen werden.

Video: Merkel: „Wir setzen die Notbremse bundesweit um“

Wie die Stadt kontrollieren wolle, wer rechtmäßig auf dem Weg zur Arbeit ist, konnte Norbert Dahmen am Dienstag nur vage beantworten. „Wenn jemand um den Phoenix See wandert, und das in der dritten Runde, der wird sicherlich nicht auf dem Weg zur Arbeit sein.“

Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal mahnt: „Nicht über Umgehung der Corona-Regel diskutieren“

Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) – der die Änderung des bundeseinheitlichen Infektionsschutzgesetz begrüßt – mahnte davor, über die Umgehung der Regelung zu diskutieren. Andere Regeln könnten Ordnungsamt und Polizei in Dortmund auch nicht zu 100 Prozent kontrollieren – etwa die Einhaltung von Tempo 30. „Die meisten Menschen in unserer Stadt machen sich keine Gedanken darüber, wie man dieses Gesetz umgehen kann, sondern wie man dessen Einhaltung organisiert.“

Gleichzeitig warnte Westphal: Sollte man in Zukunft gegen eine Regelung aus dem Infektionsschutzgesetz verstoßen, handle es sich dann nicht mehr um eine Ordnungswidrigkeit, sondern um einen Gesetzesverstoß, der härter bestraft werden könnte.

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