Corona-Krise in NRW

Corona-Krise: „Wir haben keinen Betrieb mehr“ – Friseur aus Dortmund befürchtet Schlimmes

Kevin Steinborn (31) ist Friseur-Unternehmer aus Dortmund. Der Corona-Lockdown trifft auch ihn hart. Viele Salons werden die Krise nicht überstehen, fürchtet er.  

Kevin Steinborn aus Dortmund führt seit zweieinhalb Jahren den Salon „Grace Coiffure Art“ an der Lindemannstraße im Kreuzviertel. Dort bedienen zwei Friseure normalerweise rund 30 Kunden am Tag. Seit Wochen ist der Salon geschlossen – und langsam wird die Lage auch für ihn ernst.

StadtDortmund
Einwohner603.609 (2020)
OberbürgermeisterThomas Westphal (SPD)

Friseur aus Dortmund warnt vor harten Folgen des Corona-Lockdowns

Gegenüber RUHR24.de berichtet er, wie es seinem Salon in Dortmund in den beiden Corona-Lockdowns ergangen ist, warum er sich über die fehlenden Hilfen ärgert und was er vorhat, wenn gar nichts mehr geht (alle News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de):

„Seit dem 16. Dezember ist mein Friseur-Salon in Dortmund geschlossen. Ich hatte mich eigentlich darauf eingestellt und viel Geld beiseitegelegt. Mir war ja von vornherein klar, dass wir noch mal schließen müssen. Ein Lockdown nach Weihnachten wäre für unsere Branche natürlich besser gewesen, weil wir da besonders viel Umsatz machen. 

Friseur-Unternehmer Kevin Steinborn (31) aus Dortmund.


Aber für uns gibt es keine November- und Dezemberhilfe, weil die Salons ja noch normal geöffnet waren. Viel Hilfe bekomme ich auch deshalb nicht, weil ich erst seit zweieinhalb Jahren am Markt bin, aber ein extremes Umsatzwachstum habe. Das kann man mit meinem Vorjahresumsatz nicht vergleichen.

Corona-Lockdown für Friseure hart: Überbrückungshilfe in NRW erst spät freigeschaltet


Aber für die Überbrückungshilfe III, die jetzt auch für die Friseure kommt, kann man noch keine Anträge stellen (Anmerkung: Wir haben das Gespräch am 3. Februar aufgezeichnet. Seit Mittwoch, 10. Februar, können die Überbrückungshilfen beantragt werden). Ein Abschlag, wie für Soloselbstständige, wäre auch für uns notwendig gewesen. Wir haben ja derzeit gar keinen Betrieb mehr. Man kann man sich ja ausrechnen, was für einen fehlenden Umsatz man in sieben Wochen hat. Da ist es schwer, zu überleben.


Ich glaube auch nicht, dass der Lockdown am 14. Februar vorbei ist. Das wird noch bis mindestens Anfang März gehen. Jetzt müssen die Anträge innerhalb einer Woche bearbeitet werden, damit wieder Geld fließt. Wir wollen ja nichts geschenkt bekommen. Aber wir müssen unsere Kosten decken, um am Markt bleiben zu können. Ich habe von mindestens 20 Prozent der Salons aus Dortmund gehört, dass sie kurz vor dem Exitus stehen. 

Friseur aus Dortmund im Corona-Lockdown: „Das ist einfach nicht fair“


Worüber gar nicht geredet wird, ist die Soforthilfen-Rückzahlung. Denn bis zum Herbst muss auch die Soforthilfe von 2020 zurückgezahlt werden. Wer das beantragt hat, der muss jetzt nicht nur seine Kosten decken, sondern auch den Antrag einreichen, ob und wie viel er von den 9000 Euro zurückzahlen muss. Das ist keine Summe, die man mal eben so aus dem Ärmel schüttelt. 

Wir brauchen jetzt erstmal Geld, alles andere kann man ja hinterher regeln. Der Staat hat aus der Soforthilfe doch gelernt und weiß, wie man den Betrügern hinterherläuft. Dafür, dass es solche Leute gibt, kann man doch nicht die Menschen bestrafen, die ehrlich arbeiten und ihren Betrieb mit Herzblut führen. 

Erst 2018 hat Steinborn seinen Friseur-Salon im Kreuzviertel in Dortmund eröffnet.


Viele Leute haben noch nicht mal Kurzarbeitergeld bekommen. Die müssen jetzt für ihre Mitarbeiter in Vorkasse gehen und haben selber noch keinen Penny vom Arbeitsamt gesehen. Ich bin wirklich nicht staatskritisch, aber das ist schon eine kleine Sauerei. Es wird suggeriert, dass der Staat uns hilft, aber bei mir ist bisher kein einziger Cent angekommen. Das ist traurig. Wir können nicht mit so hohen Steuern belastet werden, und müssen dann warten, wenn wir mal Hilfe brauchen. Das ist einfach nicht fair. 

Corona-Lockdown macht Friseur zu schaffen: Geld auf der hohen Kante


Außerdem können wir noch so viele Corona-Maßnahmen aufstellen, wenn es keinen gibt, der sie kontrolliert. Die Leute, die etwa bei Großveranstaltungen erwischt werden, müssen hundertprozentig bestraft werden. Sonst braucht man sich nicht wundern, dass sich keiner mehr an die Regeln hält. Denn das trägt ja alles dazu bei, dass wir den Lockdown überhaupt haben. Und alle leiden darunter. Das ist wirklich eine Ungerechtigkeit. In Krisenzeiten erkennt man, wie die Leute wirklich ticken. Für mich ist es erschreckend, wie sich die Gesellschaft entwickelt hat. 


Dadurch, dass ich etwas Geld auf der hohen Kante habe, komme ich noch ein wenig aus, ohne den Salon zu öffnen. Bevor mein Konto leer wäre oder ich Hartz-IV beantragen müsste, würde ich mir aber dreimal überlegen, ob ich nicht mache, was ich am besten kann - und einfach arbeite. Da ist der Wille zur Selbsterhaltung größer.

Ich will mein Schicksal nicht irgendwem überlassen, bei dem ich nicht weiß, wann was kommt und ob ich das überhaupt überstehe. Man kann nicht Friseursalons schließen und dann nicht für die Ausfälle eintreten. Hinterher brauchen viele Betriebe keine Hilfe mehr – weil es sie einfach nicht mehr gibt.“

Zuvor hatten wir bereits mit Matthias Hülsebus, Inhaber von „Unterhaltung Lieblingsstücke“ in Dortmund, über den Einzelhandel im Corona-Lockdown gesprochen.

Rubriklistenbild: © Privat; Collage: RUHR24