Familie aus Dortmund klagte

"Sippenhaft" geht zu weit: viele Quarantäne-Anordnungen in Dortmund nicht zulässig

In Dortmund sind viele Quarantäne-Fälle unwirksam. Ein Gericht entschied: Ein Ausgeh-Verbot pauschal über ganze Familien zu verhängen, ist unzulässig.

Dortmund – Das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster hat entschieden: Wann und für wen in Dortmund bislang eine Quarantäne angeordnet wurde, ist oftmals unzulässig gewesen. Ganze Familien in "Sippenhaft" zu nehmen, gehe zu weit. Das Gericht gab mit diesem Urteil einer Frau aus Dortmund recht, die gegen die Ausgangssperre geklagt hatte.

Quarantäne

zum Schutz einer Gesellschaft vor ansteckenden Krankheiten befristete, behördlich angeordnete Isolierung von Menschen

Dauer

je nach Inkubationszeit der vermuteten Krankheit, für Corona-Fälle in der Regel 14 Tage

Corona-Fälle in Dortmund

1799 bestätigte Fälle, 1631 Personen gelten als genesen

Dortmund: Quarantäne-Anordnung für alle Familienmitglieder unzulässig

Dabei ging es um den konkreten Fall, dass sich bei einer Party dutzende Schüler mit Corona infiziert hatten. Daraufhin mussten deren Mitschüler, deren Eltern und auch Geschwister in Quarantäne – selbst wenn sie keinen direkten Kontakt zu den Infizierten hatten. 

Wie das OVG Münster nun urteilte, ist es allerdings nicht zulässig, pauschal auch Personen der Kategorie 2 – also Personen ohne direkten Kontakt zu einem Infizierten – unter Corona-Quarantäne zu stellen

Coronavirus in Dortmund: Quarantäne-Anordnungen unwirksam

Durch das Urteil könnten nun viele Quarantäne-Anordnungen in Dortmund unwirksam werden. Wie der WDR berichtet, könnte es sich dabei um hunderte Eltern handeln, die unberechtigt in Quarantäne sitzen. 

Zwar dürfen die Gesundheitsämter von den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI), wann jemand in Quarantäne muss, abweichen. Pauschal ganze Familien in "Sippenhaft" zu nehmen, sei dagegen aber nicht zulässig.

Quarantäne für die ganze Familie, trotz negativem Corona-Test - das ist unzulässig entschied ein Gericht.

Abweichungen von der Empfehlung des RKI müssten in jedem Einzelfall begründet werden. Und diese habe die Stadt nicht geliefert.

Dortmund: Strenge Quarantäne-Vorgaben weichen von RKI-Empfehlung ab

Bereits Anfang September hatte eine andere Familie, die in Dortmund in Quarantäne musste, geklagt. Auch sie bekamen vom Verwaltungsgericht Gelsenkirchen recht, die Quarantäne-Anordnung sei übertrieben gewesen. In der Familie hatte laut WDR nur ein Sohn Kontakt zu einem Infizierten gehabt (mehr Nachrichten aus Dortmund auf RUHR24.de). 

Anschließend sei er zudem negativ getestet worden. Dennoch saß die ganze Familie 14 Tage zu Hause. Damals hieß es von der Stadt Dortmund noch, dass sie an ihrer Strategie der strengen Quarantäne-Verordnung festhalten wolle. Nach dem Urteil des OVG Münster muss die Stadt Dortmund nun aber doch die Quarantäne-Regeln neu aufstellen.

Rubriklistenbild: © Marius Becker/dpa

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