„Mehr Sicherheit“

Trotz Notbremse: OB Westphal verteidigt Öffnungen in Dortmund

Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) an der Speicherstraße am Hafen von Dortmund vor dem alten Hafenamt.
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Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal (SPD) übt in der Corona-Krise massive Kritik an der Arbeit der Landesregierung um Armin Laschet (CDU).

Tests statt Corona-Notbremse – auf dieses Verfahren will sich Dortmund einlassen, damit die Geschäfte offen bleiben können. Dafür gibt es auch Kritik. OB Westphal hat die Entscheidung verteidigt.

Dortmund – Die Geschäfte in Dortmund bleiben am Montag (29. März) trotz eines Inzindenz-Werts von 131,7 (Stand: Sonntag, 28. März, 0 Uhr) und gezogener Notbremse von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet* geöffnet. Dafür hat das Land NRW am Samstag (27. März) seine Zustimmung gegeben, berichtet RUHR24.de*.

StadtDortmund
Bevölkerung588.300
BundeslandNordrhein-Westfalen
OberbürgermeisterThomas Westphal

Corona in Dortmund: Geschäfte bleiben trotz Notbremse durch „Test, Click & Meet“ geöffnet

Voraussetzung fürs Shoppen am Montag (29. März) in der Dortmunder Innenstadt wird dann das sogenannte „Test, Click & Meet“-Konzept.* Bedeutet: Shopping ist möglich, aber nur mit vorheriger Termin-Anmeldung und mit tagesaktuellem negativen Corona-(Schnell-)Test.

Doch während sich viele Unternehmer freuen, dass ihre Geschäfte doch geöffnet bleiben dürfen und weitere Umsatz-Verluste so zumindest teilweise verhindert werden können, gibt es auch Kritik am Verfahren. Denn: Schon wieder wird die beim Bund-Länder-Gipfel Anfang März beschlossene „Notbremse“ nicht vollständig eingelegt.

Zur Erklärung: Beim Corona-Gipfel am 3. März haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder beschlossen, ab einer beständigen Inzidenz von 100 wieder in den harten Lockdown zurückzukehren – inklusive geschlossenen Geschäften (alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in NRW im Live-Ticker* auf RUHR24.de).

Dortmund: OB Thomas Westphal rechtfertig Laden-Öffnungen trotz hoher Inzidenz und Corona-Notbremse

In Dortmund liegt die Inzidenz derzeit nicht nur weit über 100, sie steigt auch stetig weiter gefährlich an. Trotzdem bleiben die Geschäfte für Shopping im „Test, Click & Meet“-Stil geöffnet. Oberbürgermeister Thomas Westphal hat die Entscheidung verteidigt – und eine irre Erklärung geliefert.

Video: Click & Meet: So funktioniert das Shopping mit Termin

Die Stadt sieht im „Test, Click & Meet“-Shopping nämlich keine Gefahr für weiter steigende Corona-Zahlen, sondern vielmehr eine Chance: „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir mit der Teststrategie mehr Sicherheit und Klarheit über die Dynamik der Pandemie bekommen“, sagt Oberbürgermeister Thomas Westphal in einer Mitteilung (mehr Artikel zum Coronavirus in Dortmund* auf RUHR24.de).

Durch die vermehrten und regelmäßigen Testungen könne ein besseres Bild vom „echten Infektionsgeschehen, von den Ansteckungsorten und den Virusvarianten“ gewonnen werden. Infektionen, die sonst unentdeckt bleiben würden, kämen so eher ans Tageslicht. So könnten „weitere gezielte Maßhnahmen“ im Kampf gegen das Coronavirus entwickelt werden.

Dortmund-OB Thomas Westphal schießt gegen NRW-Regierung: Keine „echte umfassende Notbremse“

Die Schuld, die beim Bund-Länder-Gipfel beschlossene Notbremse nicht konsequenter durchzusetzen, sieht die Stadt Dortmund indes nicht bei sich: „Eine echte umfassende Notbremse ist uns vom Land ja gar nicht vorgelegt worden. Es ist eher die zarteste Versuchung seit es Notbremsen gibt, inklusive vieler Widersprüchlichkeiten“, heißt es in der Mitteilung vonseiten Westphals.

Bereits vergangene Woche hatte Dortmunds OB mit Kritik am Land NRW für Aufsehen gesorgt, weil er sich mit der NRW-Landesregierung aufgrund von eigenmächtigen Schulschließungen in die Haare bekommen hatte.

Der Dortmunder Oberbürgermeister Thomas Westphal und Polizeipräsident Gregor Lange.

Corona: Sport- und Kulturstätten dürfen in Dortmund trotz Notbremse offen bleiben – OB Westphal erklärt

Die „Notbremse Light“ in Dortmund kommt jedoch nicht nur Geschäften zugute: Die „Test“-Option soll auch für Sportstätten und Kultureinrichtungen gelten. 

Ein weiterer Grund, warum Dortmunds OB Westphal Fan des Verfahrens ist: „Warum soll es zum Beispiel sicherer sein, dass wir bei der sogenannten Notbremse zehn ungetesteten Kindern erlauben unter freiem Himmel Sport zu treiben, wenn bei der Teststrategie zwanzig Kinder unter freiem Himmel Sport treiben dürfen, wenn sie vorher negativ getestet wurden?“

Für Dortmunds Oberbürgermeister ist deshalb ganz klar: „Es ist verrückt, aber die Teststrategie ist am Ende sicherer als die so genannte Notbremse.“

Coronavirus in Dortmund: OB Thomas Westphal geht von weiter steigenden Infektionszahlen aus

Gleichzeitig betont das Stadtoberhaupt von Dortmund jedoch auch, dass es sich bei dem Test-Verfahren nicht um eine Öffnungsstrategie handele. Man könne trotz allem davon ausgehen, dass die Infektionszahlen in Dortmund weiter ansteigen werden. „Aber mit halbherzigen Notbremsen, die an der falschen Stelle ansetzen, gewinnen wir nichts.“ Bleibt abzuwarten, ob mit der neuen Teststrategie in Dortmund dann etwas zu „gewinnen“ sein wird. *RUHR24.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.