Prof. Carsten Watzl im ZDF-Talk

Dortmunder Immunologe sorgt bei Markus Lanz für Pandemie-Hoffnung

Der Immunologe Carsten Watzl aus Dortmund hat sich bei „Lanz“ im ZDF zur Corona-Pandemie und Omikron geäußert. Dabei machte er Hoffnung, legte aber auch den Finger in die Wunde.

Dortmund – Zur besten Sendezeit hat der Corona-Experte Prof. Carsten Watzl in der ZDF-Talksendung „Markus Lanz“ unter anderem über die offenbar mildere Omikron-Variante gesprochen. In der aktuellen Debatte zur allgemeinen Impfpflicht legte der Wissenschaftler aus Dortmund sich fest. Wir haben seine wichtigsten Statements aus der Sendung von Mittwochabend (5. Januar) zusammengefasst.

PersonProf. Carsten Watzl
BerufProfessor für Immunologe
UniversitätTU Dortmund

Dortmund: Corona-Experte Carsten Watzl spricht bei „Markus Lanz“ (ZDF) über Corona-Variante Omikron

Über die starke Ausbreitung der neuen Omikron-Variante des Coronavirus zeigte sich der Immunologe nicht überrascht. „Omikron ist bei uns schon die vorherrschende Variante, ich glaube, das muss man schon anerkennen“, sagte Carsten Watzl in der Sendung „Markus Lanz“. Die Daten würden das noch nicht zeigen, seien aber auch immer zwei Wochen zu spät.

Hinzu kommen die Unsicherheiten der Zahlen über die Feiertage. Der Experte erwartet bei den Infektionen: "Es wird steil nach oben gehen", wenn man Nachbarländer wie die Niederlande, Dänemark oder Frankreich als Indikator nimmt.

Doch etwa die Kontaktbeschränkungen nach Weihnachten zeigen einen Effekt: "Durch die Maßnahmen, die wir ergriffen haben, konnten wir die Welle verzögern", sagte der Immunologe aus Dortmund, "aber sie kommt jetzt". Omikron verhalte sich in Deutschland nicht anders.

Dortmund: Immunologe sieht weniger schwere Verläufe bei Omikron-Variante

Erste Erkenntnisse zur Omikron-Variante scheinen sich nun zu verfestigen, bestätigte der Forscher: "Wir sehen bei Omikron, dass verglichen mit den hohen Fallzahlen gar nicht so viele Leute schwere Verläufe kriegen." Die Variante sei in dieser Hinsicht um 60 bis 70 Prozent harmloser, sagte Watzl bei Markus Lanz (alle News zu Promis und TV auf RUHR24).

Der Hauptgrund dafür sei, dass das Virus den Immunschutz durch die Impfung umgehen könne. Deshalb würden sich aktuell auch Geimpfte anstecken. Aber: "Da macht die Impfung genau, was sie soll: Sie schützt die Geimpften." Diese Gruppe würde sich gerade überproportional anstecken, bekomme in den allermeisten Fällen aber keinen schweren Verlauf.

Die Krankheitsschwere von Omikron sei allerdings nur etwas geringer als bei Delta. Nach der Infektion bestehe jedoch wieder Immunität. Dass sich die große Impflücke allein durch diese Infektionen schließen lässt, glaubt Watzl jedoch nicht.

Dortmunder Corona-Experte Carsten Watzl gibt Ausblick auf das Ende der Pandemie

Das sorgt für ein weiteres Problem: "Das Virus wird immer da sein. Wir werden jeden Winter neue Infektionen bekommen. Es werden weiter Menschen erkranken und sterben. Aber nicht in dem Maße, dass wir als Gesellschaft dagegen steuern müssen." Dann ist eine endemische Verbreitung erreicht, die nur noch einzelne Regionen betrifft.

Infizierte würden sich dann wieder frei in der Gesellschaft bewegen. Das sei dann aber nicht mehr so gefährlich, ähnlich wie beim Influenza-Virus, wo jeden Winter deutlich höhere Inzidenzen erreicht werden. Für die Quarantäne wünscht sich Watzl, dass sich Infizierte bereits nach fünf bis sechs Tagen freitesten können. So ließe sich einer Überlastung der kritischen Infrastruktur vorbeugen, weil zu viele Menschen gleichzeitig in Quarantäne sind.

Allgemeine Impfpflicht gegen Corona: „Es gibt keinen Grund, sich nicht zu impfen“

Eine klare Meinung hat der Immunologe mittlerweile zu allgemeinen Impfpflicht: „Wenn ich mir die Fakten nüchtern angucke, gibt es keinen Grund sich nicht zu impfen. Die Impfung ist viel, viel sicherer, als sich dem Risiko der Infektion auszusetzen. Das gilt für alle Altersgruppen.“ Er stoße jedoch langsam an seine Grenzen bei der Aufklärung. Immer wieder teilt Watzl neue Erkenntnisse etwa auf Twitter.

„Wissenschaftlich ist klar, dass wir die Impflücke schließen müssen“, sagte Watzl dazu. Rund 2 Millionen Menschen über 60 seien weiter ungeimpft. „Wenn die sich jetzt in der Omikron-Welle alle infizieren, dann sind die Krankenhäuser zu“. Nicht alle werden das Virus bekommen, das werde aber spätestens im nächsten Winter passieren.

Er wünscht sich daher einen sogenannten Notschalter: „Wenn wir bis Juli dieses Jahres nicht bei einer Impfquote XY sind, dann kommt die Impfpflicht“, schlug Watzl bei Lanz vor. Die Quote müsste für Menschen über 60 Jahren bei mehr als 90 Prozent liegen. Sonst würden bald erneut Kontaktbeschränkungen nötig. „Wir können nicht mit 15 Millionen Ungeimpften in den nächsten Winter gehen“, warnt der Experte aus Dortmund.

Rubriklistenbild: © Markus Hertrich/ZDF, IfADo/dpa; Collage: RUHR24

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