Der Verkauf und Besitz von Cannabis sind in Deutschland verboten. Auch in Dortmund gibt es regelmäßig Polizeieinsätze gegen Cannabis-Dealer, vor allem in der Nordstadt. Jetzt hat der Bund Deutscher Kriminalbeamter die Legalisierung von Cannabis gefordert. Warum wollen sogar Kriminalpolizisten Gras freigeben? Und was sagt der Leiter der Dortmunder Drogenberatung zu der Idee?

Der Stefan Raab-Klassiker „Gebt das Hanf frei“ ist nicht unbedingt ein Song, den man in deutschen Polizeistuben erwartet. Doch ausgerechnet die Gewerkschaft der deutschen Kriminalpolizisten, der BDK, hat nun ein Ende der Cannabis-Kriminalisierung gefordert.

„Die Prohibition von Cannabis ist historisch betrachtet willkürlich erfolgt und bis heute weder intelligent noch zielführend“, sagte der BDK-Vorsitzende Anré Schulz der BILD. Es habe in der Geschichte außerdem nie eine Gesellschaft ohne Drogenkonsum gegeben. Das derzeitige Rechtssystem in Deutschland stigmatisiere Menschen und lasse kriminelle Karrieren erst entstehen. Zu lernen, mit einem verantwortlichen Drogenkonsum umzugehen und „Konsumenten und Suchtkranken unter Fürsorgeaspekten zu helfen“, sei eine bessere Möglichkeit als Menschen wegen ihres Drogenkonsums zu bestrafen.

Dieser Argumentation würden auch viele Kollegen in den Polizeiwachen folgen, wenn sie sich mit der Thematik intensiver beschäftigt haben, so Schulz im BILD-Interview.

Das sagt ein Dortmunder Experte zur Cannabis-Legalisierung

Auch der Leiter der Dortmunder Drogenberatungsstelle DROBS spricht sich für eine Entkriminalisierung von Cannabis aus. Bevor Cannabis jedoch beispielsweise in staatlich kontrollierten „Drogerien“ abgegeben werden könnte, müssten genügend Präventionsangebote geschaffen werden, so Wolfram Schulte. „Man muss sich im Vorfeld überlegen, was dadurch passiert und wie man gute Präventionsarbeit vor allem bei Kindern und Jugendlichen macht“, erklärt er.

Mehr Präventionsangebote

Bei einer kontrollierten Abgabe von Cannabis sei außerdem wichtig, dass Jugendliche unter 18 Jahren keinen Zugang dazu haben. „Ein Konsum im Jugendalter hat immer Einfluss auf die Entwicklung, sowohl bei Cannabis, als auch bei Alkohol und Nikotin.“ Durch eine kontrollierte Abgabe könne aber dem Schwarzmarkt, wo auch Jugendliche leicht an Cannabis kommen, der Boden entzogen werden.

„Mit unserer Fachstelle betreiben wir bereits Präventionsarbeit in den Schulen“, sagt Wolfram Schulte. Diese Arbeit müsse jedoch noch massiv ausgebaut werden. Denn im Gegensatz zu einem möglicherweise staatlich abgegebenen Cannabis wüssten Konsumenten heute meist gar nicht, was sie da eigentlich rauchen. „Da kann alles mögliche beigemengt sein. Was vor 20 Jahren im Cannabis drin war, war im Vergleich zu heute harmlos“, erklärt er. Besonders gefährdet seien außerdem Menschen, die eine Präposition für Psychosen haben. Diese könnten durch den Konsum ausgelöst werden.

Beratungsangebote für Cannabis-Konsumenten in Dortmund

Wer selbst Cannabis konsumiert und damit aufhören, oder seinen Konsum einschränken möchte und sich dabei Hilfe wünscht, kann sich an die Dortmunder Drogenberatung wenden. „Auch jemand, der nur eine Frage hat, ist genauso willkommen“, sagt Wolfram Schulte. Außerdem stellt er klar: „Wir geben da keine Wege vor, wir wollen nur verschiedene Wege aufzeigen.“ Informationen zu den Beratungsangeboten von DROBS gibt es auf deren Website.

Wer sich den Weg in die Beratungsstelle nicht zutraut, der kann sich auch anonym online beraten lassen. Dafür empfiehlt Wolfram Schulte das Projekt „Quit the shit“, an dem sich auch DROBS beteiligt. Dort können sich Cannabis-Konsumenten in einem Online-Chat beraten lassen.

Mit der Fachstelle für Jugendberatung und Suchtvorbeugung „Feedback“ bietet der Trägerverein der Drogenberatungsstelle auch ein spezialisiertes Beratungsangebot für Jugendliche und junge Erwachsene an. Das Angebot richtet sich zum einen an Jugendliche selbst, zum anderen aber auch an betroffene Eltern.

Darum gehen Dortmunder für die Legalisierung von Cannabis auf die Straße: Der Global Marijuana March im Mai 2017.