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Cannabis ist seit Jahren als Medikament zugelassen. Doch immer wieder haben Patienten mit Engpässen zu kämpfen. Piraten und Linke wollen das in Dortmund ändern. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

  • Cannabis ist seit mehr als zwei Jahren als Medikament in Deutschland zugelassen.
  • Patienten haben jedoch immer wieder mit Engpässen zu kämpfen.
  • Mit einem Modellversuch wollen Linke und Piraten das in Dortmund nun ändern.

Es ist bei Kiffern beliebt, generell aber verboten: Cannabis hat noch immer einen schlechten Ruf. Dabei ist es längst als Arzneimittel zugelassen. Doch Patienten, die darauf angewiesen sind, müssen immer wieder Engpässe hinnehmen.

Dortmund: Cannabis als Medizin? Parteien fordern sichere Versorgung

Piraten und Linke im Stadtrat Dortmund haben das bereits mit einem Antrag (PDF) in den Ausschuss für Gesundheit eingebracht. Sie planen einen Modellversuch, bei dem Cannabis in Dortmund angebaut und verkauft werden soll. Damit soll der Engpass bei der medizinischen Nutzung beseitigt werden.

Doch woher kommt das Cannabis überhaupt? Und wer braucht es eigentlich? Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen.

Ja, und das bereits seit längerem. Seit März 2017 können Ärzte Medikamente mit Inhaltsstoffen der Hanf-Pflanze verschreiben. Die Hürden für die Verschreibung des Betäubungsmittels sind jedoch hoch.

Wer kann sich Cannabis als Medikament verschreiben lassen?

Eins vorweg: Zum Spaß lässt sich Cannabis sicherlich niemand verschreiben. Bei Patienten mit starken Schmerzen, Epilepsie, Schlafstörungen oder Übelkeit während der Chemotherapie könne das Mittel verschrieben werden.

„Wenn etwa mit anderen Mitteln die Schmerzreduktion nicht ausreichen sollte, dann gilt die Inhalation von Cannabis als Mittel der letzten Wahl“, sagt eine Apothekerin aus Dortmund, die ihren Namen nicht in der Presse lesen möchte.

Leichtfertig wird es also nicht verschrieben. Im Gegenteil: Weil Cannabis als Medizin erst vor knapp zwei Jahren legalisiert wurde, seien viele Ärzte noch zurückhaltend. Die Nachfrage steige jedoch, sagt sie.

In welcher Form ist es als Arzneimittel zu haben?

Cannabis als Arzneimittel gibt es in verschiedenen Darreichungsformen. Am bekanntesten ist der Wirkstoff Dronabinol. „Das ist der chemische Wirkstoff des THC (Tetrahydrocannabinol)“, sagt die Apothekerin.

Er wird meistens verdampft und dann inhaliert, selten auch als Tee verabreicht. Auch ölige Lösungen gibt es auf dem Markt. Geraucht wird es hingegen nicht oder nur selten.

Woher kommt das medizinische Cannabis?

Hauptsächlich aus Kanada und den Niederlanden. In Neumünster bei Kiel wird aber gerade eine große Plantage gebaut, damit sich die Importe nach Deutschland bald erledigt haben. Denn hierzulande werden Hanfpflanzen noch nicht legal angebaut.

Ab 2020 soll jedoch medizinisches Cannabis „Made in Germany“ zur Verfügung stehen. Den Abgabepreis der Hersteller legt die Cannabisagentur fest, die in Deutschland für medizinisches Hanf zuständig ist – und wirklich so heißt.

Sie kontrolliert Anbau, Ernte, Verarbeitung, Qualitätsprüfung, Lagerung, Verpackung sowie die Abgabe an Großhändler und Apotheker oder Hersteller, heißt es beim Bundesinstitut für Arzneimittel.

Was sieht der Antrag von Linke und Piraten vor?

Sie regen einen runden Tisch zum Thema Versorgungssicherheit von Cannabispatienten auf kommunaler Ebene an. Dort sollen interessierte Bürger, Institutionen und Fachleute einen Modellversuch in Dortmund erarbeiten. Hier, so schätzen die Parteien, gebe es derzeit rund 100 Patienten – Tendenz: steigend.

In einer Patientenvereinigung könnten Betroffene so legal an medizinisches Cannabis kommen. Ärzte und Apotheker wären eingebunden. Und das Beste: Die Stadt könnte dadurch sogar noch Geld verdienen.

Denn bei einer Produktion von knapp 11 Kilogramm Cannabis pro Jahr würde die Stadt bei einem Verkaufspreis von 15 Euro das Gramm rund 134.000 Euro einnehmen. Dabei könnte abzüglich Kosten ein fünfstelliger Betrag in der Stadtkasse bleiben, schätzen die Parteien.

Ein ähnliches Vorhaben ist in Kiel jedoch kürzlich gescheitert.

Warum gibt es überhaupt Lieferengpässe?

Die Anfrage nach medizinischem Cannabis, wie etwa Hanfblüten, steigt zunehmend. Und nicht immer kann sie durch die Importe gedeckt werden.

Bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes 2017 gab es laut Bundesinstitut für Arzneimittel in Deutschland rund 1.100 Ausnahmegenehmigungen für medizinisches Cannabispräparate.

Wie sind die Erfahrungen?

Viele Studien dazu gebe es nicht, sagt unsere Apothekerin. Deshalb sind auch die Erfahrungen mit dieser Therapie noch nicht so groß. Es sollen aber weitere Studien zur medizinischen Anwendung von Cannabis Folgen.

Die Bundesopiumstelle hat jedoch erste Erkenntnisse zur Therapie mit Cannabis (PDF) gesammelt.