Bild: Sophie Maaßen/RUHR24

Anti-Nazi-Plakate mit dem Logo des BVB sorgen seit Samstag (11. Mai) für Aufregung in der Stadt. Der Verein distanziert sich von der Aktion. Und auch ein Bundesministerium und eine Nazi-Aussteigerplattform scheinen nicht die Urheber zu sein.

Update, Samstag (11. Mai), 22.47 Uhr: Inzwischen hat sich neben dem BVB auch die Aussteiger-Plattform für Rechtsextreme namens „Exit“ von der Aktion distanziert. „Wir sind weder der Urheber dieser Plakate, noch wurde eine Nutzung des Logos durch uns autorisiert“, heißt es in einer Stellungnahme auf Twitter:

Der WDR berichtet unterdessen, die Vitrinen, in denen die Plakate installiert wurden, seien in der Nacht zu Samstag illegal geöffnet worden. Die Plakate seien unprofessionell, zum Teil schräg und mit Klebeband aufgehängt worden.

Der Betreiber der Werbe-Glas-Vitrinen wolle laut WDR die Plakate so schnell wie möglich entfernen lassen und Anzeige erstatten. Wer hinter der Aktion steckt, ist unbekannt.

Update, Samstag(11. Mai), 14.24 Uhr: Inzwischen hat sich der BVB von der Plakat-Aktion distanziert. Man sei nicht Urheber der sich um Umlauf befindlichen Plakate.

Auch BVB-Boss Aki Watzke hat sich zu dem Vorfall geäußert: „Ich habe gehört, dass es diese Fake-Plakate gibt. Wir haben nichts damit zu tun. Ob wir uns dagegen wehren können, weiß ich nicht“, sagte er der Deutschen-Presse-Agentur.

Hinweis: Der nachfolgende und inzwischen leicht angepasste Meinungsartikel ist entstanden, bevor bekannt wurde, dass die Plakate offenbar gefälscht sind. Die Kritik an den BVB, Exit und an das Bundesfamilienministerium nehmen wir damit zurück. Laut aktuellen Informationen scheinen sie mit der Aktion nichts zu tun zu haben. Die Kritik an Teilen der Plakate , wie unten beschrieben, bleibt bestehen – wer auch immer der Urheber ist.

Erstmeldung, Samstag (11. Mai), 10 Uhr: Dass die Südtribüne im Westfalenstadion in Teilen kein linksalternativer Treffpunkt ist, ist spätestens klar, seit im vergangenen Jahr rechte Hooligans BVB-Ultras bedrohten.

Der BVB als Klub zeigt nicht nur seit diesem Vorfall Flagge gegen Rechtsextremismus und die dubiosen Machenschaften der Dortmunder Neonazis. Es gibt seit langem Plakat-Aktionen, Online-Kampagnen oder Trikot-Aktionen.

Fragwürdige Plakate in Dortmund

Doch seit kurzem sind in Dortmund Plakate aufgetaucht, die man zumindest als fragwürdig bezeichnen dürfte – selbst wenn man Befürworter der Anti-Nazi-Bewegung ist.

So sollen laut Logos auf den Plakaten der BVB, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie „Exit“, der Aussteiger-Initiative für Menschen aus der rechtsextremen Szene, die neue Plakat-Aktion gestartet haben. Der BVB, so ein offizielles Statement auf Twitter, und „Exit“ (siehe Update oben), haben mit der Aktion aber nichts zu tun. Sie distanzieren sich von den offensichtlichen Fälschungen.

Zwei Motive davon sind aktuell am Hauptbahnhof in Dortmund, unterhalb der Katharinentreppe zu sehen.

Marco Reus als Derby-Verlierer

Auf dem einen Plakat ist BVB-Kapitän Marco Reus zu sehen und neben ihm die jubelnden Schalker Daniel Caligiuri und Guido Burgstaller. Daneben der Satz: „Lieber Schalkesieg als Nazikiez“. Darauf spielen die Initiatoren der Kampagne offenbar auf die Derby-Niederlage vor zwei Wochen an, als der BVB 2:4 gegen den Erzrivalen verlor.

Mit diesen Plakaten macht der BVB sich gegen Nazis stark. Foto: Sophie Maaßen/RUHR24
Mit diesen Plakaten macht sich der BVB gegen Nazis stark. Foto: Sophie Maaßen/RUHR24

Das Plakat soll wohl sagen: „Es gibt Wichtigeres, als eine Niederlage gegen den FC Schalke – nämlich der Kampf gegen die Nazis.“

Über die Stränge geschlagen zu haben scheinen die Plakat-Gestalter allerdings mit dem zweiten Motiv, auf dem Ex-Borusse Andy Möller zu sehen ist. Aus seinem inzwischen legendäre Zitat „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien“, macht die Kampagne „Mailand oder Madrid, Hauptsache kein Dorstfeld“.

Mit diesen Plakaten macht der BVB sich gegen Nazis stark. Foto: Sophie Maaßen/RUHR24
Witzig oder völlig daneben? Dieses Plakat sorgt für Irritationen. Foto: Sophie Maaßen/RUHR24

Das ganze ist unterschrieben mit den Hashtags #Echteliebestattrechtertriebe und #Nazisraus.

Mit dem Slogan setzten die Plakat-Gestalter scheinbar einen ganzen Stadtteil mit seinen vielen Einwohnern mit den Neonazis gleich. Denn: Eine ziemlich kleine Gruppe von Neonazis versucht durch möglichst lautes Imponiergehabe seit Jahren, diesen Stadtteil für sich zu beanspruchen.

Dorstfeldern vor den Kopf gestoßen

Mit dem umgewandelten Andy-Möller-Zitat legitimieren die Plakat-Macher nicht nur die Inanspruchnahme von Dorstfeld durch die Neonazis, sondern stoßen tausenden demokratischen Dorstfeldern vor den Kopf.

Aktuelle Top-Themen:

Nachtrag: Inzwischen sind weitere Plakat-Motive zur Anti-Nazi-Kampagne aufgetaucht. Das sind sie:

  • Lucien Favre: „Dauerkarten für Naziaussteiger!“
  • Lukasz Piszczek: „Lieber Ersatzbank als Rechtsaußen.“
  • Mario Götze: „Lieber die Meisterschaft an Bayern verlieren als Dorstfeld an die Nazis“