Manche Bomben sind unberechenbar

Entschärfung in Dortmund: Was passiert eigentlich, wenn ein Blindgänger explodiert? 

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Bombenentschärfung in Dortmund: Was passiert, wenn ein Blindgänger explodiert?

Am Sonntag (12. Januar) sind Blindgänger in der Innenstadt Dortmund entschärft worden. Doch was passiert eigentlich, wenn Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg explodieren?

  • In Dortmund findet heute eine großangelegte Bombenentschärfung statt.
  • Rund 14.000 Menschen müssen deshalb evakuiert werden.
  • Die Entschärfung von Blindgängern birgt trotz aller Sicherheitsvorkehrungen auch immer Risiken.

Dortmund - Gefühlt alle paar Wochen informiert die Stadt Dortmund über einen Bombenfund im Stadtgebiet. In Sachen Bombenentschärfung ist man in Dortmund also bereits durchaus geübt. Was der Stadt allerdings am Wochenende (11./12. Januar) bevorsteht, stellt alle Beteiligten vor eine besondere Herausforderung.

Bombenentschärfung in Dortmund: Zwei Krankenhäuser werden am Samstag evakuiert

Dieses Mal hat der Kampfmittelräumdienst der Bezirksregierung Arnsberg nämlich gleich vier Verdachtspunkte im Klinikviertel in Dortmund festgestellt, bei denen man Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg vermutet. Für tausende Anwohner bedeutet das, dass sie am Sonntag (12. Januar) ihre Wohnungen und Häuser verlassen müssen. Zusätzlich müssen zwei Krankenhäuser - das Klinikum Dortmund sowie das St. Johannes Hospital - fast vollständig evakuiert werden. 

Ob sich der Bombenverdacht an den Stellen in der Beurhausstraße, Luisenstraße sowie am Hohen Wall und im Innenhof des Johannes Hospitals bestätigt, wird sich erst am Sonntag zeigen. Bis dahin werden alle Vorkehrungen für eine Entschärfung der Blindgänger getroffen. Trotzdem birgt eine solche Maßnahme auch immer Risiken.

Bombenentschärfung in Dortmund: Mehrere Blindgänger im Klinikviertel vermutet

Befinden sich unter dem Boden im Klinikviertel tatsächlich Bomben, dann müsse man zunächst einmal feststellen, "welcher Belastung die Zünder ausgesetzt waren und dann letztendlich das richtige Entschärfungsverfahren wählen." Das erklärt Karl-Friedrich Schröder vom Kampfmittelbeseitigungsdienst im Interview mit dem WDR. 

Im besten Fall könnten die Einsatzkräfte dann eine Entschärfung der Blindgänger vornehmen. Dabei unterbricht man durch das Entfernen des Zünders die Zündkette. Das ist allerdings nur möglich, wenn der Zünder eindeutig zu erkennen ist und sich in einem guten Zustand befindet.

Alle Infos zur Mega-Evakuierung im Live-Ticker

Bombenentschärfung in Dortmund: Wie werden die Menschen geschützt?

Es könnte jedoch auch anders kommen. Im schlimmsten Fall müssten die Weltkriegsbomben gesprengt werden. Dabei legt der Kampfmittelräumdienst eine Sprengladung, wie Sand und Wasser, an die Bombe und sorgt so für ausreichend Wirkungsdämpfungsmaßnahmen. "Dadurch verhindern wir, dass Splitter durch die Gegend fliegen und mildern die Druckwellen", so Schröder weiter.

Als sogenannte "Vorsorge- und Wirkungsdämpfungsmaßnahme" werden in Dortmund zudem an sechs Stellen im Umfeld der Krankenhäuser Containerwände aufgestellt. Sie werden als Dämpfungsmaßnahme für eine unkontrollierte Detonation oder Sprengung eines Bombenblindgängers aufgestellt. Diese Standorte befinden sich in der Beurhausstraße, der Alexanderstraße, der Luisenstraße (2x), der Johannnesstraße und der Josephstraße.

In Dortmund geht man derzeit von 500-Kilo-Bomben aus. Um zu verhindern, dass bei einer möglichen Sprengung Menschen verletzt werden oder es zu materiellen Schäden kommt, wurde für die Maßnahmen ein bestimmter Evakuierungs-Radius festgelegt. Doch welche Ausmaße könnte eine Explosion haben?

Bombenentschärfung in Dortmund: Blindgänger mit Langzeitzünder sind unberechenbar

Laut einem Bericht des Tagesspiegels seien vor allem Bomben mit einem chemischen Langzeitzünder gefährlich. Sie gelten als unberechenbar, weil sie Zelluloid (verschiedene Kunststoff-Verbindungen) enthalten, was nach über 70 Jahren unter der Erde derart spröde ist, dass die genauen Ausmaße einer Detonation nicht klar abzusehen seien.

Unter anderem wurde am 28. August 2012 in München eine amerikanische Bombe gesprengt. Sie enthielt circa 125 Kilogramm Sprengstoff und war mit einem Langzeitzünder versehen. Zur Dämmung verwendete die Einsatzkräfte damals Strohballen. Diese vergrößerten jedoch den Feuerball und führten zu erheblichen Brandschäden in der Umgebung. 

Video: Weltkriegsbombe explodiert bei Limburg - riesiger Krater

Hessen: Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg explodiert auf Feld

Im Juni vergangenen Jahres explodierte in Hessen ebenfalls eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Auf einem Feld entfachte sich der Langzeitzünder vermutlich von selbst - die Folge war ein riesiger Krater, verletzt wurde zum Glück niemand. Bleibt zu hoffen, dass auch bei der Entschärfung in Dortmund am Wochenende alles gut geht und niemand zu Schaden kommt.

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