Stromnetz

Blackout in Dortmund: Wie realistisch die Gefahr ist

Ein Blackout in Dortmund? Wie realistisch ist die Gefahr einer Überlastung oder Sabotage? Das sagen verschiedene ExpertInnen.

Dortmund – Blackout: Das Thema wird aktuell nicht nur in den Medien diskutiert. Droht Städten wie Dortmund oder Regionen wie NRW ein Blackout? Und was ist mit der Gefahr durch Sabotage? RUHR24 hat nachgefragt.

StadtDortmund
Thema Blackout
UnternehmenDEW21, Amprion

Blackout in Dortmund: Würde ein Sabotageakt für einen flächendeckenden Stromausfall reichen?

Deutschland unterstützt die Ukraine im Krieg gegen Russland. Muss man jetzt mit Sabotageakten durch russische Agenten rechnen? Nicht wenige haben bei der Sabotage von Funkkabeln der Deutschen Bahn in Herne und Berlin eine von Russland geleitete Aktion vermutet. Kann das auch mit dem Stromnetz passieren und wäre dann ein städtischer oder gar regionaler Blackout möglich? (Mehr News aus Dortmund bei RUHR24)

In der Theorie, ja. Allerdings wäre eine solche Aktion in der Praxis nur schwierig durchzuführen. Und dafür gibt es diverse Gründe. RUHR24 hat nachgefragt. Zum einen bei Amprion, einem Übertragungsnetzbetreiber mit Sitz in Dortmund, und bei der DEW21, die sich mit Donetz um die Stromversorgung in der Stadt kümmert.

Generell gilt: Das Stromnetz, sowohl in Dortmund als auch woanders, ist mehrfach gesichert. Einfach ausgedrückt würde es somit nicht ausreichen, einen Strommast durch Sabotage zu beschädigen, um einen städtischen oder regionalen Blackout auszulösen. Der Strom würde einfach woanders entlangfließen.

Blackout in Dortmund: Stromnetz kann generell mit Straßennetz verglichen werden

Man kann sich das Stromnetz wie das Straßennetz mit kleinen Straßen, Bundesstraßen und Autobahnen vorstellen. Ein Stau auf einer Straße bedeutet nicht, dass gleich das ganze System zusammenbricht. Im Umkehrschluss: Wenn eine Stromleitung vor Dortmund durch Beschädigung oder Sabotage ausfällt, fließt der Strom trotzdem weiter.

Was ist ein Blackout?

Bei einem Blackout im Zusammenhang mit Strom handelt es sich um einen großflächigen Stromausfall, der länger dauern kann. Als bekanntestes Beispiel aus der jüngsten NRW-Vergangenheit ist das Münsterländer Schneechaos zu nennen. Im Jahr 2005 gab es einen Stromausfall für bis zu 250.000 Menschen. Die 19.000-Einwohner Gemeinde Ochtrup blieb sechs Tage ohne Strom.

Details über die Sicherung geben logischerweise weder Amprion noch die DEW21 bekannt. Man nehme die Gefahr von Angriffen auf physische und digitale Systeme und Anlagen sehr ernst. Aus dem Grund arbeite man eng mit den Sicherheitsbehörden wie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zusammen, so Joana Niggemann, Pressesprecherin von Amprion, gegenüber RUHR24. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion kümmert sich eher um die regionalen und bundesweiten Stromnetze.

Durch die Energiekrise steigt in Deutschland die Angst vor einem Blackout.

Für die Dortmunder Stromnetze ist die DEW21 mit Donetz zuständig. Gabi Dobovisek, Pressesprecherin der DEW21, bestätigt gegenüber RUHR24, dass die Stromnetze in Dortmund mehrfach geschützt sind. Die Versorgung sei bestmöglich sichergestellt, auch im Falle von infrastrukturellen Schäden. Zudem schule man die Mitarbeiter in Sachen IT-Sicherheit regelmäßig.

Blackout in Dortmund: ExpertInnen geben Einschätzung über die Gefahr einer Sabotage ab

Die Kollegen der Ruhr Nachrichten haben am Mittwoch (12. Oktober) mit Professor Christian Rehtanz (Head of Institute of Energy Systems, Energy Efficiency and Energy Economics) von der TU Dortmund über die Sicherheit der deutschen Stromnetze gesprochen. Aus seiner Sicht sei eine Sabotage-Aktion auf das Stromnetz extrem aufwendig, aber nicht unmöglich.

Um einen Blackout in Dortmund zu verursachen, müssten gleich mehrere neuralgische Punkte der Strominfrastruktur geschädigt werden. Das sei, so Rehtanz, ein extrem hoher Aufwand in Sachen Expertise und Organisation. In der Theorie sei zwar vieles möglich, aber in der Praxis dann doch eher schwierig.

Auch ein Blackout durch Überlastungen wurde generell diskutiert, scheint aber zumindest laut Amprion nicht sehr realistisch. Im Zuge der Diskussion in Sozialen Medien und Medien veröffentlichte der Dortmunder Übertragungsnetzbetreiber ein Statement. Selbst auf Basis des schlechtesten von Amprion untersuchten Szenario in einem Stresstest sei nicht mit einem Blackout zu rechnen, heißt es darin.

Zwar könne es zu einer regionalen und zeitlich begrenzten Abschaltung aufgrund von Überlastungen kommen, aber ein Blackout sei kein wahrscheinliches Szenario.

Rubriklistenbild: © Panama Pictures/Imago, Cord/Imago; Collage: RUHR24

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